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Grüne Gefahr für die Waschtrogregatta?

Die Pflanzen in der Neiße sind nicht fort, im Gegenteil. Auch fürs Altstadtfest sollen sie nicht schwinden.

Die Waschtrogregatta birgt viele Herausforderungen: Es gilt, ein kreativ gestaltetes und möglichst fahrtüchtiges Boot bauen. Dieses Jahr kommt wahrscheinlich noch eine Herausforderung dazu: Wasserpflanzen ausweichen.
Die Waschtrogregatta birgt viele Herausforderungen: Es gilt, ein kreativ gestaltetes und möglichst fahrtüchtiges Boot bauen. Dieses Jahr kommt wahrscheinlich noch eine Herausforderung dazu: Wasserpflanzen ausweichen. © Görlitzer Kulturservice GmbH

Das Grün wächst und gedeiht in der Neiße. Trockenheit und Niedrigwasser sorgen dafür, dass wasserliebende Pflanzen weiterhin gut wachsen können. An der Altstadtbrücke sprießen sie in dicken Büscheln aus dem Fluss. Die traditionelle Waschtrogregatta beim Altstadtfest sollen sie aber nicht zum Scheitern verurteilen.

„Es ist ja keine Meisterschaft, die wir austragen“, sagt Benedikt M. Hummel, Geschäftsführer vom Görlitzer Kulturservice, der für das Altstadtfest verantwortlich zeichnet. 16 Teams mit zwei bis vier Personen können teilnehmen an dem Rennen mit selbstgebauten Booten. „Es ist eine Gaudi-Veranstaltung“, für die erschwerte Bedingungen keine Spaßbremse sein müssen. „Wir haben es auch schon in der Vergangenheit erlebt, dass es hieß: Mann über Bord und schieben“, erzählt er.

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Mittwochabend lag der Wasserstand der Neiße an der Görlitzer Messstelle vom Umwelt-Landesamt bei 130 Zentimetern, normal sind 177. Und nur rund 2,5 Kubikmeter Wasser pro Sekunde fließen an dieser Stelle die Neiße hinab, der Normalwert liegt bei 17 Kubikmetern pro Sekunde. Ähnlich waren die Werte vor einem knappen Monat, als die SZ bereits über die ergrünende Neiße berichtet hatte. Seither scheinen sich die Wasserpflanzen noch weiter ausgebreitet zu haben. „Weitere Arten sind nicht dazugekommen“, sagt Bernhard Seifert, Biologe am Senckenberg-Museum in Görlitz. „Am interessantesten ist sicher die Schwanenblume, die jetzt noch blüht“, erzählt er. „Am häufigsten ist der Igelkolben.“ Von der Typha, also dem Rohrkolben, finden sich nur ganz wenige Pflanzen, zwei vielleicht. Bernhard Seifert steht derzeit gerne auf der Altstadtbrücke, um die Pflanzen zu beobachten. Wenn man genauer hinschaut, kann man die Wasserpest erkennen, erzählt er, das ist eine Pflanze, die unter der Wasseroberfläche wächst. Tausendblatt ist dabei, Teichlinse, Laichkraut, „und damit sind wir noch lange nicht fertig.“ Derzeit könnte man problemlos botanische Exkursionen an der Neiße durchführen, sagt Seifert.

Wasserpflanzen ragen aus der Oberfläche der Neisse heraus. 
Wasserpflanzen ragen aus der Oberfläche der Neisse heraus.  © Nikolai Schmidt

Die Pflanzen finden gute Bedingungen vor, weil die Wasserdynamik der Neiße derzeit sehr gering ist. Der Juli war laut dem Deutschen Wetterdienst viel zu trocken. Im langjährigen Mittel sind für einen Juli in Görlitz 70,1 Liter Regen pro Quadratmeter normal. In diesem Juli waren es lediglich 44,4 Liter. Andernorts sah es nicht viel besser aus. Gerade am Wehr bei der Altstadtbrücke herrscht aktuell eine sehr niedrige Fließgeschwindigkeit, sagt Bernhard Seifert, „dort steht das Wasser beinahe“.

Im sozialen Netzwerk Facebook steht derweil die Frage, ob denn Waschtrogpaddeln und Schwimmschaf-Cup möglich sein werden mit dem Bewuchs. „Zwei Wochen Zeit wäre noch, die Watthosen auszupacken und sich ne gute Sense zu suchen“, schlägt eine Görlitzerin vor. „Oder wir lassen es so.“ Voriges Jahr im Herbst hatte das Netzwerk Motor Görlitz zu einem großen Putzeinsatz am Görlitzer Neißeufer aufgerufen. Die Trockenheit 2018 hatte dafür gesorgt, dass verstärkt Wasserlinsen an der Altstadtbrücke wuchsen – und viel Müll zum Vorschein kam. Viele Görlitzer, mehrere Feuerwehren, der Bauhof und andere holten den Unrat und, soweit möglich, die Wasserlinsen aus dem Fluss. Dieses Jahr tendieren viele offenbar eher zu letzterer Variante: Es so zu lassen, wie es ist. „Schön sieht es ja aus“, schreibt eine Facebook-Nutzerin. „Lasst doch der Natur einfach ihren Lauf“, lautet ein anderer Kommentar.

Die Wasserpflanzen zu entfernen, hält Bernhard Seifert jedenfalls für keine gute Idee. Die Trockenheit sorge zwar derzeit für sehr viele Schäden in der Natur, das Grün der Neiße zähle aber nicht dazu. Es habe sogar Vorteile für den Fluss. „Die Pflanzen helfen, das Wasser zu filtern“, erklärt er, „und sie nehmen Stickstoffe auf.“ Und bieten zahlreichen Libellen Lebensraum. „Pflanzen sind immer gut, ich finde das klasse“. Dass der Fluss verlanden könnte, sei nicht zu befürchten. Wenn wieder Regenperioden kommen, erklärt er, dann kommt auch wieder Dynamik in den Fluss, „das Sediment wird aufgewirbelt, die Pflanzen im Wasser können sich dann nicht mehr halten.“ Für die Waschtrogregatta rät er den Teilnehmern zu Schuhwerk. „Das Problem könnten eher Scherben und der Unrat sein. Den müsste man beseitigen.“ Er hofft, dass weder Füße noch allzu viele Pflanzen bei dem Rennen auf der Neiße Schaden nehmen.

Bei den Pflanzen sieht auch Benedikt Hummel kein Problem, auf ein bisschen mehr Regen, einen etwas höheren Wasserstand hofft er für die Waschtrogregatta dennoch. Die DLRG sichert das Rennen ab, „das ist Voraussetzung“, erklärt er. Die Gegebenheiten müssen also ausreichend sein für die Boote der DLRG.

Waschtrogregatta: 24. August, 16 Uhr, Infos hier

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