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Grüne gegen Straßenbau

Kamenz. Die geplanteUmfahrung der Stadtfindet bei einigen keinen Widerhall. Die Pulsnitzer Straße könne auch andersentlastet werden, heißt es.

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Von Frank Oehl

Während sich die Experten aus Straßenbauamt, Landratsamt und Rathaus seit Wochen mit den jeweils betroffenen Bürgern darüber streiten, auf welche Straßenbau-Weise die Kamenzer Innenstadt, insbesondere die Pulsnitzer Straße zu entlasten ist, sind sich einige wenige schon völlig einig: Kamenz brauche überhaupt keine Umfahrung, meint zum Beispiel der Ortsverband Kamenz von Bündnis 90/Die Grünen. Wie schon Stadtrat Jörg Stern lehnt auch Sprecher Falk Rümmler im Namen der Partei sowohl die von Meißen favorisierte Südspange, als auch die vom Stadtrat bevorzugte Westumfahrung ab. Der Neubau der Staatsstraße bis zum Autobahnanschluss Burkau bringe ab 2007 eine beträchtliche Entlastung, heißt es. Außerdem werde der Straßenverkehr durch die stark abnehmende und älter werdende Bevölkerung sowieso geringer. Durch die Umgehungsstraßen würden mehr Bürger neu mit Lärm und Abgasen belastet, als in der Innenstadt entlastet werden. „Alle Varianten bedeuten starke Landschaftseingriffe mit Versiegelung, Zerschneidung der Landschaft für Tierwelt und Erholungssuchende und so weiter.“ Das Landschaftsbild unserer Heimat werde irreparabel geschädigt, und die enormen Kosten würden günstiger für den Erhalt und die Verbesserung vorhandener Straßen eingesetzt. Überhaupt könne die Pulsnitzer Straße durch ein Lkw-Verbot (wie in Pulsnitz), durch einen veränderten Straßenbelag und durch verbesserten öffentlichen Personennahverkehr entlastet werden.

Unterstützung bekommen die Grünen von einer Interessengemeinschaft „Kulturgut Heimat“, die sich auch mit einem offenen Brief an den Bürgermeister gewandt hat. Sprecher der Initiative ist Reinhard Corsing aus Kamenz. Er sieht sich selbst als Betroffenen der anvisierten Westtangente, und ist schon deshalb gegen den Straßenbau, wie er schreibt. „Doch was ich mir nicht zumute, würde ich auch anderen nicht ,gönnen‘“, sagt er weiter. Sein Eindruck ist, dass es gar nicht darum gehe, eine bestimmte Straße zu bauen um eine klar definierte Entlastung zu bringen, sondern überhaupt nur darum, Straßen zu bauen. „Und das halten alle Gegner des Umgehungsstraßensystems für eine riesige Geldverschwendung und Umweltverschandlung.“

www.kulturgut-heimat.corsing.de