merken
PLUS

Grüne Idylle oberhalb von Rennersdorf

Die schmale Straße ist wie eine Schleuse in ein grünes, ruhiges Idyll: Gleich gegenüber vom Sportplatz in Rennersdorf führt sie straff bergan durch dichte Bäume hindurch. Kein Hinweisschild verrät, wohin sie sich schlängelt.

Die schmale Straße ist wie eine Schleuse in ein grünes, ruhiges Idyll: Gleich gegenüber vom Sportplatz in Rennersdorf führt sie straff bergan durch dichte Bäume hindurch. Kein Hinweisschild verrät, wohin sie sich schlängelt. Keine Straßenlaterne ist zu sehen. In der Tat ist das eine Ende der Siedlung in Rennersdorf ein bisschen abgelegen. „Laut ist es hier nie“, sagt Susann Teurich. Seit rund zweieinhalb Jahren wohnt sie mit ihrem Lebensgefährten Andreas Häntsch hier, im neusten Teil dieser verästelten Straße namens Siedlung. „Das ist ideal für uns“, sagt er und nickt zustimmend.

Ideal ist es gleich aus mehreren Gründen: Bis zu ihren Arbeitsorten in Bernstadt und Rennersdorf ist es nicht weit. „Einkaufsmöglichkeiten, Arztpraxen und Apotheken gibt es sowohl Richtung Herrnhut als auch Richtung Bernstadt“, sagt Andreas Häntsch. Die beiden haben hier ihr Idyll gefunden. „Hier gibt es genug Platz, es gibt viel Grün und auch eine ganz gute Internetverbindung“, zählt Frau Teurich auf. Zwischen den Alpakas und Lamas des Nachbarn und den Hunden und Katzen in der Umgebung ist es durchaus dörflich – aber dennoch wie ein Wohngebiet. Sicher fühlen sich die beiden hier auch. Dass es keine Straßenbeleuchtung gibt und nachts eben wirklich richtig dunkel ist, könne sie da schon noch verschmerzen, sagt die 32-Jährige lachend. Und da die Rennersdorferin und ihr Ruppersdorfer Freund noch nicht einmal selbst bauen mussten, sondern in das Haus eines Verwandten eingezogen sind, hat sich für sie alles zum Besten entwickelt. Dass die Siedlung weitaus mehr ist als ein neuer Eigenheimstandort, wissen die zwei: „Auf dem Land, auf dem das Haus hier steht, waren einst Kleingärten“, sagt Andreas Häntsch. Ab und an stehen auch noch ein paar – inzwischen verwilderte – Obstbäume auf den wenigen noch freien Flächen.

Anzeige
Lausitz Festival, ein neues Kultur-Festival
Lausitz Festival, ein neues Kultur-Festival

In Sachsen und Brandenburg findet erstmals ein Mehrsparten-Kulturfestival statt, das durch Fördermittel des Bundes ermöglicht und finanziert wird.

An diese Gärten kann sich einer ihrer Nachbarn auch noch gut erinnern: Maik Oriwol ist in der Siedlung aufgewachsen. Allerdings an anderer Stelle, als jetzt sein Haus steht. „Mein Elternhaus ist ein sogenanntes Siedlerhaus“, erzählt er. Der Name verweist auf die Historie: Nach dem Krieg ist die Siedlung entstanden, in den 40er Jahren wurden Wohnhäuser mit Stall und Scheune angelegt. Dieses Modell ist selten und steht unter Denkmalschutz. Auch das Haus, das die Oriwols zunächst für sich selbst gekauft hatten, war ein solches Siedlerhaus. „Aber leider war es nicht möglich und sinnvoll, das Haus zu erhalten, die Bausubstanz war einfach zu schlecht“, sagt er. Verwunderlich ist das nicht, zumal damals Baumaterial Mangelware war und man auch die Steine vom Niederrennersdorfer Gut für die Siedlerhäuser verwendete.

Maik Oriwol wohnt mit seiner Frau und den zwei Kindern nun seit anderthalb Jahren in einem neu gebauten Haus, das aber Erinnerungsstücke an seinen Vorgänger in sich trägt. Für den jungen Mann generell ein guter Kompromiss. Er selbst fühlt sich in der Siedlung von jeher wohl. Kontakt zur Familie ist hier – mit Blick auf Kinderbetreuung – unkompliziert. Und ein perfekter Abenteuerspielplatz sei das Gebiet mit seinem teils unbebauten „Unland“ eben auch. „Meine Frau und ich wollten schon immer ein Haus mit ein bisschen mehr Grün drumherum, und das ist hier ideal“, sagt er. Dass die Familie dafür ein paar Wege mehr in Kauf nehmen muss als in einer Stadt – zu Kindereinrichtungen, Ärzten, Kino oder Einkaufsmärkten – nimmt sie hin. „Man braucht schon ein Auto, aber alles geht eben nicht“, sagt Oriwol. Aber mit den langen Wegen sei er eben auch groß geworden.

Bereut haben es auch Susann Teurich und Andreas Häntsch nicht, hierhergezogen zu sein: Zu den Nachbarn habe man ein gutes Verhältnis, auch im alten Teil der Siedlung Bekannte. „Man kennt sich in der Nachbarschaft, aber man ist dennoch in seinem Reich für sich“, sagen sie.