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Dresden

Grüne Lunge der Neustadt bedroht?

Sie wollen nicht verdrängt werden und kritisieren die Stadt: Warum Hundert Kleingärtner der Prießnitz weichen sollen. 

Die Kleingartenanlage „Prießnitzaue“ ist für viele Neustädter ein Idyll inmitten der dicht bebauten Neustadt. Doch bald soll hier etwas Neues entstehen.
Die Kleingartenanlage „Prießnitzaue“ ist für viele Neustädter ein Idyll inmitten der dicht bebauten Neustadt. Doch bald soll hier etwas Neues entstehen. © Sven Ellger

Für sie ist es die letzte grüne Oase der Neustadt, die im Sommer Abkühlung bringt. „Hier ist es deutlich kühler als im Rest des dicht bebauten Viertels. Wenn jetzt komplett umgeplant wird, ist das ein wesentlicher Grün-Verlust für alle Neustädter“, sagt Malika Wichtendahl. Sie ist Vereinsvorsitzende der bedrohten Kleingartenanlage „Prießnitzaue“ zwischen der Bautzner, Prießnitz- und Hohnsteiner Straße. Bald sollen hier die Parzellen weichen.

Nicht nur für die Gärtner seien die Pläne der Stadt brisant: Die Mitglieder würden ihre Gärten nicht allein genießen, so Mitstreiterin Susanne Vogel. Nachbarn, Verwandte, Bekannte kämen zusammen. Die Gärtner wollen bleiben – und die Pläne des Umweltamts nicht ohne Widerspruch akzeptieren. Für die Verwaltung ist die Umsiedlung hingegen unausweichlich – und wird etwas für das Viertel bringen.

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Der Grund: Darum müssen die Kleingärtner der Prießnitz weichen

Bereits 2013 kündigte das Umweltamt an, dass die Kleingärtner ihre mehr als 30 Parzellen verlieren werden. Der Grund: Die Prießnitz soll neu ausgerichtet werden. Geplant ist, den Fluss einige Meter gen Osten zu verlegen. Nötig ist das laut Jens-Olaf Seifert, Leiter des Umweltamts, weil es große Schäden entlang der Gewässerbegrenzung gibt. 

Viele Grundmauern von Gebäuden, die die Prießnitz einfassen, seien marode. „Die Standsicherheit ist nicht mehr gegeben“, so Seifert. Daher müsse dringend saniert werden – auf der Grundlage aktueller Auflagen des Gewässerausbaus. Eine Sanierung im Bestand wurde geprüft, habe sich aber gegenüber einem Neubau nicht durchsetzen können. Für die Gärtner stünde bereits ein neues Ersatzgrundstück in Aussicht, so Seifert.

Der Streitpunkt: Gärtner befürchten einen Kahlschlag

Aus Sicht der Kleingärtner ist die Sache klar: Sie verlieren ihren grünen Rückzugsort, zudem wird die Umgestaltung einen Kahlschlag bedeuten. 500 vorhandene Bäume und Gehölze gibt es laut Seifert im Gebiet. Rund 200 sollen entfernt werden. Aber: „Wir werden auch mehr als 200 Neupflanzungen vornehmen. In 15 Jahren wird die Aue artenreicher und vielfältiger als jetzt sein.“ Seifert versteht die Umgestaltung daher grundlegend anders: „Es wird weit mehr natürliche Natur geschaffen.“

Wichtendahl ist davon nicht überzeugt: „Wenn die Sommer so heiß bleiben, kann ich mir kaum vorstellen, wie und wann sich hier wieder etwas natürlich ansiedeln soll.“ Laut Seifert sind diese Bedenken haltlos. Es gäbe gute Beispiele in Dresden. Der Weidigtbach in Gorbitz zeige, wie artenreich umgebaute Flussläufe sein können.

Das Dilemma: Ein unlösbarer Interessenkonflikt?

Wichtendahl weiß: „Wir sind keine Wasserrechtler und Experten. Trotzdem würden wir gern wissen, ob mit Aufschüttungen nicht der gleiche Effekt erzielt werden könnte, ohne dass Bäume gefällt werden und der gesamte Grüngürtel weg muss.“ Anwohner und Gärtner wären bereit, die Arbeiten zu unterstützen. 

Laut Seifert vergessen die Gärtner dabei eine wichtige Sache: „Wir ermöglichen mit der Umgestaltung erst eine dauerhafte Nutzung des Gebiets.“ Denn: Würde die Prießnitz ein Hochwasser führen und träfe mit starken Geschwindigkeiten auf die Kleingartenparzellen, würde diese nicht nur erheblichen Schaden nehmen. Auch sei dann ausgeschlossen, dass die Fläche noch einmal kleingärtnerisch genutzt werden könnte.

Der Ausblick: Das kommt jetzt auf die Beteiligten zu

Derzeit werden die Pläne laut Seifert durch die Landesdirektion geprüft. Daraufhin soll das Konzept in einem Planfeststellungsverfahren öffentlich ausgelegt werden. Dann können Anwohner und Bürger Einspruch erheben. Sollte die Prießnitzaue wie geplant umgestaltet werden – das Zeitfenster sei noch offen –, würde nur rund ein Drittel der jetzigen Vereinsfläche übrig bleiben. Ideen haben die Kleingärtner. Sie schlagen einen Mix aus Einzelparzellen und einem offenen Gemeinschaftsgarten vor – etwa für Schulprojekte . 

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Es könnte einer von vielen Vorschlägen bleiben: Laut Seifert wird es eine Ideenwerkstatt geben. Was die Umgestaltung für Neustädter aus seiner Sicht bringt: „Wir planen eine Gewässeraue mit typischen Bäumen wie Erlen und Weiden. Es wird nicht nur einen Flussverlauf geben, sondern ein Netz. Kinder sollen hier weiter planschen und das Areal zu einem Entdeckungsort für alle Neustädter werden.“

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