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Grüne Wiese ist Alternative

Zum Leserbrief von Magnus Schneider (SZ vom 6. November) äußert sich Johannes Güttler aus Altenberg:

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Seine Gedanken an die antike Menschheitsgeschichte der Grabkultur in allen Ehren, und die Ansicht als Steinmetz ist auch verständlich. Doch die Feststellung, dass sich in der heutigen Zeit ein Wertewandel in unserer Gesellschaft vollzieht, ist wohl der springende Punkt.

Die Stadt Altenberg versucht, auf die Wünsche einiger Einwohner einzugehen, um eine Lösung zu finden, und das ist doch gut so. Die knappe Gemeindekasse ist sicher nicht der Grund, denn es muss dafür auch eine Leistung erbracht werden. Wenn Herr Schneider meint, dass der zuständige Mitarbeiter vergisst, die „Grüne Wiese“ zu mähen, oder er ist im Urlaub, dann ist das doch eine sehr fragwürdige Feststellung.

Allen Interessenten empfehle ich, die „Grüne Wiese“ auf dem Friedhof in Bannewitz anzusehen. Von einer Hecke umgeben, mit einer Stele in der Mitte, Grabschmuck mit brennenden Kerzen ist sie immer eine würdige Stätte zum Gedenken. Trotz Anonymität ist die Liegestätte der Urne bekannt. Diese Grabstätte könnte für Altenberg als Vorbild dienen, und ich bin sicher, dass sich in unserer Gebirgsregion viele Befürworter finden.

Es hat jeder die Möglichkeit, durch Testament oder durch Gespräch mit den nahen Verwandten seine Vorstellung der Bestattung zu hinterlassen. Es gibt überwiegend zwei Gründe, die Urnenbeisetzung auf der „Wiese“ zu wünschen. Einmal sind es die Beerdigungkosten, die durch den Wegfall des Sterbegeldes, der ausbleibenden Rentenerhöhung und eventueller Pflegekosten noch mehr an Bedeutung gewinnen. Auch die Sorge um ein verwahrlostes Grab ist bei vielen Alleinstehenden vorhanden.

Selbst das evangelische Magazin „chrismon“ schreibt in der Juni-Ausgabe: „Fachleute begründen den Boom an Körperspenden damit, dass familiäre Bindungen allgemein an Bedeutung verlieren: Angehörige empfänden Beerdigungskosten und Grabpflege oft als Last. Sterbende wollten ihren Verwandten solche Unbill ersparen, viele haben Angst, in einem verwahrlosten Grab zu liegen.“ Es sind doch auch nicht ungläubige, gottlose Menschen, die auf der „Wiese“ ihre letzte Ruhe finden möchten. Deshalb sollte man doch diese Alternative schaffen, zumal die Nachfrage danach stark steigend ist.