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Grüne Wiese statt weißer Hang

Warm und trocken – so präsentierte sich der Winter. In der Oberlausitz brach er Rekorde.

© SZ Thomas Eichler

Von Matthias Klaus

Eine richtige Skisaison an der Lausche sieht wohl anders aus. Der Winter war ein Flop, der Alpine Skiverein bekam es hautnah zu spüren. Nur an zwölf Tagen lief der Skibetrieb. Die findigen Sportler ließen sich zwar allerhand einfallen, brachten etwa sechs Container Schnee per Radlader an den Hang, um Löcher zu stopfen. Aber in der zweiten Märzhälfte war die Wintersaison dann abgehakt – obwohl auf dem Lauschegipfel da noch mal drei bis vier Zentimeter Schnee lagen. Das war zu wenig. Dafür startete bereits die Wandersaison in der Gegend.

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„Wir hatten es mit dem viertwärmsten Winter seit Beginn der Aufzeichnungen 1881 zu tun“, schildert Bärbel Reich vom Wetterkabinett in Oderwitz. Dabei sei er allerdings auch ein sonnenscheinarmer Winter gewesen – und der niederschlagsärmste seit immerhin 67 Jahren. So fielen von November 2012 bis Februar 2013 immerhin fast 41 Liter pro Quadratmeter. „In diesem Winter waren es aber nur reichlich 26 Liter“, sagt die Wetterexpertin. Besonders schlimm sei dabei der Februar mit fünf Litern gewesen. Den Vogel schoss allerdings Ostritz ab: 2,4 Liter pro Quadratmeter, ein Rekord. „Das sind gerade mal sechs Prozent vom Normalwert“, sagt Reich.

Dabei hatte die Zwiebel doch gerade für den Februar für unsere Ecke heftigen Regen versprochen. Dieter Wagner aus Oppach sagt mit ihrer Hilfe seit Jahren das Wetter voraus – genauer mit zwölf Stück davon, etwas Salz und Erfahrung. Seinen Zwiebelkalender gibt es zu kaufen. Auch wenn es im Februar vielleicht nicht so ganz exakt mit der Vorhersage stimmte: Es soll schon Jahre gegeben haben, da trafen die Wetteraussagen der halbierten und salzbestreuten Zwiebeln auf dem Stollenbrett aus Oppach zu über 87 Prozent zu. Für den Mai sagen die übrigens ein mildes Wetter voraus. Der Wonnemonat soll zum Teil sehr schön werden – mit längeren Regenperioden, aber auch Sonnenschein.

Der Januar, eher ein klassischer Wintermonat, kam in diesem Jahr relativ mild daher. Schuld daran waren Atlantische Tiefdruckgebiete. Dann jedoch kam ein Kältehoch über Lappland – und trennte Deutschland wettertechnisch. Der Oberlausitz wurde damit ein Negativ-Rekord beschert. „Dort zeigte das Thermometer am 25.  Januar mit minus 19,8 Grad in Bertsdorf-Hörnitz den deutschlandweit tiefsten Wert“, heißt es vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach. Und weiter: „Die niedrigen Temperaturen ließen in diesen Landesteilen die Gewässer zufrieren, während im Südwesten bereits erste Blumen blühten und die Bienen summten.“

Dennoch, richtiges Winterwetter blieb nach diesem Kälteloch weiter Mangelware. „Zwischen dem 21. und 23. Januar gab es noch leichten Schneefall und die Straßen waren zwar mal ein bisschen weiß, aber das war’s dann auch schon“, sagt Bärbel Reich vom Wetterkabinett in Oderwitz. Zuletzt gab es noch am 2. Februar ein bisschen Schnee. Lange liegen blieb der allerdings nicht.

Ob sich die Oberlausitz nun dauerhaft auf derart relativ milde Winter einstimmen muss, darüber möchte Frau Reich keine Prognose abgeben. „Allerdings gibt es ja die Theorie, dass wärmere Winter mehrere Jahre lang hintereinander auftreten können“, sagt sie. Für die nächsten Wochen hat die Wetterfrau noch eine Bauernregel parat: Nebel im März, dann schlägt das Wetter in 100 Tagen um. „Anfang Juli könnte es dann zu Gewittern kommen“, so Bärbel Reich. Und die Wetterlage würde sich ändern. Der Oppacher Zwiebelkalender sagt für den Sommer ebenfalls Gewitter voraus, allerdings im August. Nach dem 20. soll es dann aber heiß werden.

Wie dann der kommende Winter tatsächlich ausfallen wird – ernsthafte Prognosen wagt darüber niemand. Viel Schnee? Vielleicht. Die Wintersportler  – nicht nur am Lauschehang – würde es freuen.