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Wie Zittau zu seinem Grünen Ring kam

Vor 200 Jahren begann Joachim Friedrich Zischling in Zittau einen Parkgürtel zu planen. Dafür musste jedoch die Stadtmauer weichen.

Zittaus Grüner Ring hat viele Künstler inspiriert. Moritz Gabriel zeichnete 1846
die "Promenade an der großen Bastei".
Zittaus Grüner Ring hat viele Künstler inspiriert. Moritz Gabriel zeichnete 1846 die "Promenade an der großen Bastei". © Repro SZ

Man schrieb das Jahr 1820. In Zittau hatte man eine Promenade hinter dem Stadtgraben angelegt. Der jetzige Stadtring war damals also ein romantischer Spazierweg. Zu seiner Begrenzung wurden zunehmend Bäume gepflanzt. Zur selben Zeit trat mit Joachim Friedrich Zischling (1800-1853) ein engagierter junger Gärtnerbursche in den Dienst der Stadt. Dass er seinen Beruf in den Parks des verehrten Goethe in Weimar gelernt hatte, dürfte ihm einen überdurchschnittlichen Respekt verschafft haben.

Die wichtige Entwicklung, die Zischling in Gang setzte, war die Idee, einen wirklichen Park um die Altstadt rings um den Stadtring zu schaffen. Begonnen wurde unterhalb der Kreuzkirche. Bis 1933 hieß der dort verlaufende heutige Karl-Liebknecht-Ring deshalb bezeichnenderweise "Am Park". Zischling selbst soll die Platane an der Krokuswiese gepflanzt haben. Er muss sich auch sehr gut mit Stadtbaumeister Eschke verstanden haben, der in den Folgejahren den Abriss der Stadtmauer und ihrer immer mehr verfallenden Anlagen vorantrieb, weil die auch der Begrünung im Wege standen. Und so kam es nach und nach zur Ablösung von Mauer, Zwingern und Graben durch den "Grünen Ring". Über 40 Jahre dauerte dieser Stadtumbau.

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Ausstellung vor 20 Jahren

Umfassend gewürdigt wurden der neu entstandene Stadtring, seine Gebäude und deren Geschichte vor 20 Jahren. Unter dem Titel "Kunstwerk Stadt – der Zittauer Ring – phantasievoller Städtebau des 19. Jahrhunderts" gab es in den Städtischen Museen vom 8. Juli bis 5. November 2000 eine viel beachtete Ausstellung. Unter demselben Titel erschien eine informative Publikation. Dr. Volker Dudeck und Professor Jos Tomlow beschrieben darin den Stadtring von seiner Entstehung bis heute. Viele Details zu den repräsentativen Gebäuden und zur Entwicklung des Parks wurden umfassend und erstmalig zusammenhängend dokumentiert. 

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Dass der Zittauer Ring eigentlich nur im Wiener Stadtring eine ähnliche städtebauliche Entsprechung hat, wenn auch in anderer Dimension, haben viele sicher damals erstmalig erfreut erfahren. Die Publikation ist eine wichtige stadtgeschichtliche Dokumentation. Die hier komprimiert gespeicherten Informationen laden geradewegs dazu ein, wenigstens teilweise in Fächern wie Heimatkunde oder Geschichte in den hiesigen Schulen weitergegeben zu werden. Nicht zuletzt deshalb, um den heute leider nicht seltenen Vandalismus an Parkanlagen und Bauten der Stadt zu verringern.

Die städtische Besonderheit "Grüner Ring", die vor 200 Jahren ihre Geburtsstunde erlebte, ermöglicht nicht nur Entspannung und Erholung, sondern verdient auch ein hohes Maß Respekt.

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