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Grünes Ärgernis im Weißen Schöps

Der Zustand des Flusses ärgert die Eheleute Swienty aus Hammerstadt – und nicht nur sie.

Der Flusslauf des Weißen Schöps ist in Hammerstadt unter dem Grün kaum noch zu sehen.
Der Flusslauf des Weißen Schöps ist in Hammerstadt unter dem Grün kaum noch zu sehen. © Rolf Ullmann

Seit geraumer Zeit blickt das Ehepaar Swienty gar nicht mehr so gern aus dem Fenster auf den Abschnitt des Weißen Schöps, der unmittelbar an seinem Grundstück in Hammerstadt vorüber führt. In einem Leserbrief an die Sächsische Zeitung machen beide ihrem Ärger Luft. In ihrem Schreiben heißt es: „Die unmittelbaren Anwohner des Gewässers blicken Tag für Tag in diese Kloake. So sah es vor der Flussverlegung, welche ein paar Jahre zurückliegt, schon aus – und jetzt fast noch schlimmer. Es wimmelt von Mücken und ist für Insekten sicherlich ein gefundenes Plätzchen. Auch der Geruch ist nicht verlockend.“ 

Sie werfen auch die Frage auf, ob die Flussböschung nicht zweimal im Jahr gemäht werden sollte. Ihre Sorge gilt jedoch dem Fall eines Hochwassers, insbesondere eines Jahrhunderthochwassers, vor dessen Auswirkungen der Fluss zum Schutz in diesem Ausmaß verlegt worden sei. „Soll sich das Wasser durch dieses Gestrüpp den Weg bahnen?“, fragt sich das Ehepaar und will wissen, warum sich niemand um die Pflege kümmert und warum das dafür verantwortliche Unternehmen nicht zur Rechenschaft gezogen wird. In Richtung der Gemeindeverwaltung stellt es die Anfrage, ob diese nicht an einem sauberen, zum Wohnen und Leben einladenden Ort interessiert sei.

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Anknüpfend an den zuletzt genannten Vorwurf in Richtung der Gemeindeverwaltung Rietschen stellt Bürgermeister Ralf Brehmer klar, dass für Pflege und Unterhaltung des Weißen Schöps die Talsperrenverwaltung Bautzen verantwortlich ist. Der Bürgermeister verweist auch darauf, dass bei der Umverlegung großer Wert auf die Berücksichtigung ökologischer Ansprüche von allen beteiligten Seiten gelegt worden sei. Die naturnahe Gestaltung des Flusslaufes und seiner Umgebung sei dabei sehr aufwendig vorgenommen worden. Hinsichtlich der Gefahren durch ein Jahrhunderthochwasser sagt das Gemeindeoberhaupt: „Ich bin zuversichtlich, dass die damals vorgenommenen Berechnungen eines solchen Hochwassers stimmen und der Schutz letztendlich funktioniert.“

Corina Fiskal, Leiterin des Projekts Umverlegung des Weißen Schöps, damals in der Regie des Bergbauunternehmens und Leag-„Vorgängers“ Vattenfall, bestätigt, dass die Verantwortung für das Gewässer bei der Talsperrenverwaltung Bautzen liegt. Die Leag sei nur noch für das Monitoring verantwortlich. Sie weist darauf hin, dass die extreme Niedrigwassersituation generell ein Problem für die Gewässer sei. „Es kommt zur starken Aufheizung. Nährstoffgehalt und Wachstum nehmen zu. Bei einigen Gewässern trocknet das gesamte Flussbett aus, beim Weißen Schöps haben wir noch immer in der Niedrigwasserrinne einen Abfluss“, so Corina Fiskal.

Zum Thema Pflege äußert sich auch die Talsperrenverwaltung Bautzen. Die Anzahl der Pflegegänge am Weißen Schöps sei unterschiedlich angesetzt. So sei vorgesehen, die Abschnitte des Gewässers, die mit einem Deich versehen sind, zweimal jährlich zu pflegen. Ist in dem Abschnitt, so wie hier am beschriebenen Teilstück in Hammerstadt, kein Deich vorhanden, so findet pro Jahr ein Pflegegang statt. Eine solche Pflege umfasst die Mahd im Gewässerbereich, das Entkrauten sowie bei Notwendigkeit das Beräumen von Sedimenten.

Auf die Fragen der Familie Swienty wird mitgeteilt, dass im Hammerstädter Abschnitt bereits Mitte Januar entkrautet wurde. Sie erstreckte sich bis etwa 600 Meter oberhalb der Brücke über den Schöps. „Im zweiten Halbjahr des Jahres werden wir in dem Abschnitt die Pflege gemäß dem Entwicklungsplan durchführen,“ teilt Alice Beckmann, Sachbearbeiterin in der Prüf- und Koordinationsstelle der Talsperrenverwaltung, mit. Hinsichtlich der Gefahren bei einem eventuellen Jahrhunderthochwasser werde laut Talsperrenverwaltung die hydraulische Leistungsfähigkeit nicht beeinträchtigt. Mit anderen Worten: Der Weiße Schöps bahnt sich bei einem Hochwasser seinen Weg auch durch das viele Grün, das von vielen Anwohnern nicht nur als Ärgernis, sondern auch als eine Gefahr betrachtet wird.

Übrigens bietet der Weiße Schöps auch im Abschnitt an der Furt zwischen Reichwalde und Kreba-Neudorf ein ähnliches Bild.

Mehr Lokales unter:

www.sächsische.de/niesky

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