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Nach dem Raub: Ist das Stromnetz sicher?

Vor drei Wochen steckten Juwelenräuber in Dresden einen Stromkasten an. Was die Drewag unternimmt.

Feuerwehrleute löschten den Brand in diesem Raum an der Augustusbrücke. Das Feuer hatten offenbar die Juwelenräuber am 25. November gelegt, bevor sie ins Grüne Gewölbe einbrachen. Denn dadurch fiel ein Stromverteiler und damit die Straßenbeleuchtung aus.
Feuerwehrleute löschten den Brand in diesem Raum an der Augustusbrücke. Das Feuer hatten offenbar die Juwelenräuber am 25. November gelegt, bevor sie ins Grüne Gewölbe einbrachen. Denn dadurch fiel ein Stromverteiler und damit die Straßenbeleuchtung aus. © Roland Halkasch

Dresdner sind es gewohnt, dass die Stromversorgung gut funktioniert. Doch vor drei Wochen sorgte ein besonderer Ausfall für großes Aufsehen. Bevor die Juwelenräuber am 25. November ins Grüne Gewölbe einbrachen, hatten sie offensichtlich einen Niederspannungs-Verteilerkasten im Obergeschoss des Pegelhauses an der Augustusbrücke in Brand gesetzt. So fielen die Straßenleuchten am Theaterplatz und der Sophienstraße aus, sodass sie im Dunkeln agieren konnten.

Mit mehreren Löschzügen war die Berufsfeuerwehr der Altstädter Wache angerückt. In der oberen Etage des Pegelhauses war der Brand gelegt worden.
Mit mehreren Löschzügen war die Berufsfeuerwehr der Altstädter Wache angerückt. In der oberen Etage des Pegelhauses war der Brand gelegt worden. © Roland Halkasch

„Brände an solchen Anlagen sind selten“, erklärt Ralf Bachmann, der für das Management der Drewag-Stromanlagen zuständig ist. Mit Abteilungsleiter Torsten Schöley erläutert er, wie es in diesem Fall weitergeht und wie sicher das Dresdner Stromnetz ist.

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Die Übergangslösung: Ersatzkasten aufgestellt

In dem Raum an der Augustusbrücke haben sich der Stromverteiler und andere Anlagen befunden. Nach dem Brand wurden ein Notstromaggregat und später ein provisorischer grauer Verteilerkasten hinter dem Pegelhaus aufgestellt. Die Brandermittler hätten den Raum noch nicht freigegeben, sodass unklar ist, wann diese und die weiteren Anlagen instandgesetzt werden können. Auf Anfrage erklärt die Stadt, dass dies noch nicht feststeht.

So ein Fall ist selten. Zwar gibt es ab und zu Hausbrände. Doch höchstens einmal jährlich fällt eine Drewag-Anlage wegen eines Feuers aus. Als Beispiel führt Bachmann einen Brand in einem Kellerraum im Hochhaus am Prohliser Albert-Wolf-Platz 2 im Februar 2016 an. Er hatte Störung an einer Umspannstation ausgelöst. Betroffen war das Mittelspannungsnetz, was zu massiven Stromausfällen führte.

Noch haben die Brandermittler den Raum an der Augustusbrücke gesperrt. Dieser provisorische Verteilerkasten wurde dahinter aufgestellt und sichert, dass die Straßenbeleuchtung wieder funktioniert.
Noch haben die Brandermittler den Raum an der Augustusbrücke gesperrt. Dieser provisorische Verteilerkasten wurde dahinter aufgestellt und sichert, dass die Straßenbeleuchtung wieder funktioniert. © Foto: SZ/Peter Hilbert

Die Störungen: Oft kappen Bagger Stromleitungen

Im 2.736 Kilometer langen Drewag-Niederspannungsnetz mit 230/400 Volt gibt es 4.300 solche Verteiler wie an der Augustusbrücke. Jährlich werden 150 Ausfälle gemeldet. Knapp die Hälfte davon wird durch sogenannte Fremdeingriffe verursacht, bei denen Bauarbeiter mit Baggern oder der Schaufel Kabel erwischen. Mitunter fällt der Strom erst später aus, wenn die Leitung nur beschädigt wird und Rost ihr später noch zusetzt.

Vor den Arbeiten sollten Tiefbaufirmen eigentlich eine Auskunft zum Leitungsverlauf bei der Drewag Netz einholen, die kostenlos ist. Doch die Firmen stünden mitunter unter enormem Druck, „Deshalb wird das oft aus Zeit- oder Aufwandsgründen nicht getan“, sagt Bachmann.

Der andere Teil der Schäden entsteht vor allem an älteren Kabeln oder Anlagen. Beispielsweise fallen sie aus, wenn Muffen nicht mehr dicht sind, Wasser eindringt und der Aluleiter anfängt zu rosten. Mitunter geschieht das erst nach Jahren.

Oft kappen Bagger Stromleitungen. Am vergangenen Mittwoch war das an einer Mittelspannungsleitung in der Neustadt passiert, sodass der Strom im Regierungsviertel ausfiel.  
Oft kappen Bagger Stromleitungen. Am vergangenen Mittwoch war das an einer Mittelspannungsleitung in der Neustadt passiert, sodass der Strom im Regierungsviertel ausfiel.   © Archiv: Arvid Müller

Höhere Spannung: Ausfälle haben größere Konsequenzen

Im 10- sowie 20-Kilovolt Mittelspannungsnetz gibt es nur etwa 30 Ausfälle jährlich, beim 110-Kilovolt Hochspannungsnetz fast nie. „Dabei hat sich die Erneuerung klar ausgezahlt“, sagt Abteilungsleiter Schöley. Allerdings sind die Folgen größer, wenn ein Bagger ein Mittelspannungskabel erwischt. Das geschah am vergangenen Mittwoch gleich in zwei Fällen. Am Vormittag war ein Kabel zum Neustädter Umspannwerk an der Friedensstraße angebaggert worden. Deshalb fiel im Bereich zwischen Industriegebiet und Regierungsviertel der Strom aus. Kurz danach geschah dass aus diesem Grund auch in Teilen von Weixdorf und Langebrück.

Allerdings konnte in beiden Fällen der Strom nach kurzer Zeit wieder zugeschaltet werden. Möglich ist das, da es im Hoch- und Mittelspannungsnetz geschlossene Ringe gibt, bei denen die Umspannstationen von zwei Seiten versorgt werden. Fällt eine Leitung aus, kann schnell auf die andere umgeschaltet werden.

Am strahlenförmig verlaufenden Niederspannungsnetz besteht diese doppelte Sicherheit nicht. Wird ein Schaden in der Leitstelle gemeldet, muss mitunter erst einmal ein Notstromaggregat eingesetzt werden, bis er behoben ist. „Meistens sind wir aber nach spätestens sechs Stunden wieder am Netz“, erklärt Schöley.

Regelmäßig kontrollieren Drewag-Fachleute die Anlagen. Hier inspizieren Monteur Konrad Kreische (l.) und Netzmeister Marcus Ziesche die Verteiler-Station an der Wintergartenstraße. 
Regelmäßig kontrollieren Drewag-Fachleute die Anlagen. Hier inspizieren Monteur Konrad Kreische (l.) und Netzmeister Marcus Ziesche die Verteiler-Station an der Wintergartenstraße.  © (c) Christian Juppe

Die Überwachung: Drewag inspiziert regelmäßig Anlagen

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Um Ausfällen vorzubeugen, kontrollieren Drewag-Fachleute die Anlagen regelmäßig. So werden die 14 Umspannwerke alle zwei Wochen, die über 4.000 Verteilerschränke mindestens einmal jährlich überprüft und auch gereinigt. Das geschieht in einem größeren Abstand, da in diesem Fall die Anlage abgeschaltet werden muss. Für den Fall der Fälle steht den Drewag-Kunden die Leitstelle bei Störungen rund um die Uhr unter 205858686 telefonisch zur Verfügung.

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