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Grünes Gewölbe: Vier Wachmitarbeiter im Visier 

Nach dem Einbruch ins Grüne Gewölbe ermittelt die Polizei gegen vier Mitarbeiter der Wachschutzfirma. Eine Person soll Unterlagen weitergegeben haben.

Kurz nach der Tat steht die Polizei am Residenzschloss.
Kurz nach der Tat steht die Polizei am Residenzschloss. © Archivfoto: Ronald Bonß

Dresden. Nach dem spektakulären Einbruch ins Grüne Gewölbe ermittelt die Polizei insgesamt gegen vier Mitarbeiter der Wachschutzfirma des Residenzschlosses. 

Nach einem Bericht von Sächsische.de, dass schon in der ersten Woche nach der Tat bei zwei Mitarbeiter Durchsuchungen stattgefunden hatten, bestätigte nun die Staatsanwaltschaft Dresden. Zudem gebe es Ermittlungen gegen zwei weitere Mitarbeiter.

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Allerdings habe sich der Verdacht gegen die beiden zunächst verdächtigten Wachpersonen bislang nicht erhärtet, sagte Behördensprecher Oberstaatsanwalt Jürgen Schmidt nun auf Anfrage von Sächsische.de. 

Schon bei der Vorführung einer Verdächtigen beim Ermittlungsrichter habe die Staatsanwaltschaft daher die Aufhebung des beantragten Untersuchungshaftbefehls beantragt. Zunächst waren die Ermittler davon ausgegangen, die Verdächtige habe Unterlagen über das Grüne Gewölbe und das Sicherheitssystem an die nach wie vor unbekannten Haupttäter weitergegeben.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft seien aber bei einer Wohnungsdurchsuchung und weiteren Maßnahmen "keine relevanten Gegenstände", also Indizien oder Beweise, sichergestellt worden.

Anzeige von Privatperson

Ein zweiter Mitarbeiter stehe in Rede, den Einbruch "in Bezug auf die Alarmanlage" begünstigt zu haben. Genauer wurde Schmidt nicht, was damit gemeint ist. Bei diesem Verdächtigen fanden ebenfalls noch Ende November Durchsuchungen statt. Doch auch in diesem Fall seien keine relevanten Gegenstände gefunden worden. 

Schmidt betonte, diese Ermittlungsansätze aufgrund des "relativ dünnen Verdachts" zunächst nicht kommuniziert zu haben. Im Falle einer Verhaftung hätte die Staatsanwaltschaft das jedoch mitgeteilt.

Die Betroffenen verhielten sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft kooperativ und hatten zunächst angekündigt, Angaben zur Sache zu machen. Davon seien sie später jedoch abgerückt und hätten von ihrem Schweigerecht Gebrauch gemacht. Eine förmliche Vernehmung habe bislang noch nicht stattgefunden. Auch das ist wohl ein Hinweis auf einen eher geringen Verdacht seitens der Ermittler.

Darüber hinaus ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft gegen zwei weitere Mitarbeiter der Wachschutzfirma. Diese wurden "von einer Privatperson" angezeigt. Diese macht den Betreffenden den Vorwurf, im Zusammenhang mit dem Einbruch "nicht adäquat" reagiert und den Diebstahl der Steine nicht verhindert zu haben, so Schmidt.

45 Beamte in Sonderkommission

Am Montag, 25. November, sind Unbekannte kurz vor 5 Uhr in das Grüne Gewölbe eingebrochen, indem sie ein vergittertes Fenster überwunden hatten. Im Juwelenzimmer schlugen zwei Täter mit Äxten eine mit Sicherheitsglas geschützte Vitrine auf und erbeuteten zahlreiche Diamanten und Juwelen. Der Wert der Steine ist nicht zu beziffern.

Die „Sonderkommission Epaulette“, die mit 45 Beamten ermittelt, geht von mindestens sieben Tätern aus. Für Hinweise, die zu ihrer Ergreifung führen, wurden 500.000 Euro ausgesetzt.

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Als Motiv für die offensichtlich lange geplante und gut vorbereitete Tat sind verschiedene Szenarien denkbar. Die Täter könnten versuchen, die Steine umschleifen zu lassen und zu verkaufen, sie könnten jedoch auch versuchen, den Freistaat um ein Lösegeld in Millionenhöhe zu erpressen. Nicht ganz ausgeschlossen, aber nach Ansicht von Kunstexperten eher unwahrscheinlich, ist auch das dritte Szenario: Der Schmuck könnte im Auftrag eines reichen Kunstliebhabers gestohlen worden sein, der sich nun ganz privat an den sächsischen Juwelen erfreut.

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