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Grünland auf der Brache

Beim Ausbau der B 175 werden große Flächen versiegelt. Die Kompensation erfolgt manchmal an weit entfernten Stellen.

© Jens Hoyer

Von Jens Hoyer

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Wenn es in den Innenstädten nach gebrannten Mandeln riecht, die Tage kürzer und die Abende länger werden, dann steht die Weihnachtszeit vor der Tür.

Döbeln. Auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände in Kleinmockritz wühlt ein mächtiger Bagger im Untergrund und siebt alte Ziegel aus. In den vergangenen Wochen war dort eine alte Lagerhalle abgerissen worden. Und zwar wegen des Ausbaus der B 175 in Döbeln Ost. Die Logik dahinter erschließt sich erst beim zweiten Hinsehen, denn die beiden Orte liegen fünf Kilometer voneinander entfernt. Und doch hat Kleinmockritz etwas mit der Bundesstraße zu tun. Weil in Döbeln große Flächen, Wiesen und Ackerland versiegelt werden, muss der Bauherr sogenannte Ausgleichmaßnahmen an anderer Stelle vornehmen. Aus dem ehemaligen Bahnhofsgelände wird ein grüner Streifen.

Als die Bahnlinie Gärtitz-Wilsdruff 1911 in Betrieb ging, entwickelte sich der zwischen Feldern angelegte Kleinmockritzer Bahnhof zu einem belebten Mittelpunkt der Gegend. Der jetzt abgerissene Lagerkomplex war ein Getreidehandel, das „Döbelner Kornhaus“, an das die Bauern der Umgebung ihre Ernte lieferten. Nachdem die Bahnlinie 1970 stillgelegt wurde, sei das Gelände noch einige Jahre von der BHG, der bäuerlichen Handelsgenossenschaft, genutzt worden, sagte Reiner Geßner, Hobbyhistoriker aus dem nahen Beicha. „Es gab dort auch ein kleines Geschäft, in dem sich die Bauern mit dem eindecken konnten, was sie brauchten.“ Auch Saatgut und Düngemittel seien verkauft worden.

Ein Haus, in dem die Eisenbahner früher wohnten, hatte die Gemeinde Mochau schon vor Jahren abreißen lassen. Das alte hölzerne Wartehäuschen des Bahnhofs holte sich der Waldheimer Kleinbahnverein vor drei Jahren nach Rauschenthal und restaurierte es. „Ich bin froh, dass das Wartehäuschen wiederbelebt wurde“, sagte Geßner.

Wie ein grünes Band schlängelt sich die alte Kleinbahnlinie heute durch die Felder der Döbelner und Lommatzscher Pflege. In Kleinmockritz kommt jetzt ein Stück dazu. Im Fachjargon des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) heißt das „Biotopvernetzung durch Bepflanzung eines ehemaligen Bahndammes“.

Auf rund 12 000 Quadratmeter Fläche werden einheimische Heister und Sträucher gepflanzt, so Nicole Wernicke von der Pressestelle des Landesamtes. Neben dem Abriss des alten Getreidelagers werden auch rund 2 000 Quadratmeter durch das Entfernen der ehemaligen Zufahrt „entsiegelt“. Für Döbelns Baudezernenten Thomas Hanns ist das der Idealfall: Eine alte Brache wird entsorgt und dafür Grün anpflanzt. Es sei schwierig, solche Flächen zu finden.

Die Stadt hat dem Lasuv auch noch einen Streifen in Masten zur Verfügung gestellt. Dort werden zwischen der Bahnlinie und dem Wohngebiet Mastener Ring fast 11 000 Quadratmeter mit Gehölzen bepflanzt. Eine dichte Hecke soll das Wohngebiet zur Bahn abschirmen. Eine andere Form der Kompensation sei, dass das Lasuv Geld für die Pflege solcher Flächen zur Verfügung stellt, so Hanns.

Auch an der Ausbaustrecke in Döbeln Ost wird das Lasuv etwas zum Ausgleich der Eingriffe tun müssen. So wird die jetzige B 175 zu großen Teilen zum Feldweg zurückgebaut. Rund 11 000 Quadratmeter Fläche werden dadurch entsiegelt, so Wernicke.

Entlang der B 175 und den Einmündungen sollen mehr als 300 Bäume stehen. Im Gewerbegebiet Ost 1b werden rund 6 600 Quadratmeter mit Hecken und Gehölzen bepflanzt. Der Bach im Bereich der Trasse soll neu gestaltet und mit Bäumen und anderen Gehölzen besetzt werden.

Im Zuge des Baus einer Zufahrtsstraße nach Oberranschütz hatte sich das Lasuv quer durch den Grüngürtel des Gewerbegebiets Döbeln Ost gebaggert. Als Kompensation wird am Gewerbegebiet auf mehr als einem Hektar eine Streuobstwiese angelegt. Dafür werden etwa 180 Obstbäume lokaltypischer Sorten gepflanzt, teilt das Lasuv mit.

An anderer Stelle – nämlich in der Nähe der Anschlussstelle Döbeln Ost – lässt der Bauherr eine Fläche von 6 000 Quadratmetern manierlich verwildern. Im Fachjargon heißt das „gelenkte Sukzession“. Und am Amselgrundbach zwischen Zschäschütz und Zschackwitz entsteht ein Auengehölz. Dafür werden die Landschaftsgestalter eine bisher als Grünland genutzte 3 600 Quadratmeter große Fläche bepflanzen.