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Corona-Ärger: Grundrechte und Atemschutz

Am Dresdner Palaisteich versammeln sich wieder mehrere Hundert Menschen, um ihren Unmut über die Corona-Beschränkungen zu zeigen.

Offiziell ist das Treffen nicht, und doch treffen sich Sonnabend für Sonnabend mehrere hundert Menschen am Palaisteich im Großen Garten.
Offiziell ist das Treffen nicht, und doch treffen sich Sonnabend für Sonnabend mehrere hundert Menschen am Palaisteich im Großen Garten. © Foto: Alexander Schneider

Dresden. Die Angst vor dem Impfen, so scheint es, wird ein immer größeres Thema bei den ungeplant-geplanten Treffen von Corona-Protestierern im Großen Garten. Seit fünf Wochen schon kommen sie, die Unzufriedenen, regelmäßig gegen 15 Uhr zum Palaisteich. Viele glauben auch, mit Meditation und Gymnastik, ihre Abwehrkräfte zu stärken. Andere machen klar, dass sie von den traditionellen Medien, vor allem dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk und Fernsehen wenig halten.

Es liegt sicherlich an den niedrigen Temperaturen und dem regnerischen Wetter, dass sich an diesem Sonnabend jedoch weniger Leute am Palaisteich einfinden. 200 bis 300 Menschen versammeln sich etwa. Viele haben wieder ein Grundgesetz dabei oder erinnern mit selbst gemalten Plakaten an die Grundrechte, die sie im Zusammenhang mit den Ausgeh- und Kontaktverboten zur Eindämmung der Corona-Pandemie stark eingeschränkt sehen.

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Spürbar weniger Leute vertreten auch Verschwörungstheorien, die angeblichen Machenschaften des Milliardärs und Microsoft-Gründers Bill Gates sind nach wie vor ein brennendes Thema. Dies manifestiert sich in dem mehrfach zu lesenden Spruch „Gib Gates keine Chance!“ Viele kritisieren jedoch vor allem die Masken – mal als „Maulkorb“, mal als Gesundheitsrisiko oder als Zeichen für Unterdrückung. „Wo ist Euer Lachen?“, steht neben einem großen Atemschutz auf dem Schild einer Mutter.

Antifa-Besuch mit Megafon

Es ist trotzdem ein auffallend ruhiges Treffen. Viele kennen sich offensichtlich inzwischen von den vergangenen Malen. Laute Forderungen werden auch an diesem Samstag nicht gestellt. Es scheint, als hätte auch niemand Interesse an einer Kundgebung.

Dennoch gibt es eine überraschende Ansprache per Megafon – die stammt von einer Gruppe linker Antifa-Sympathisanten, die unter anderem kritisieren, dass Rechtsextremisten und Anhänger wirrer Verschwörungstheorien gezielt versuchten, die Unzufriedenheit der Menschen in ihrem eigenen Interesse zu instrumentalisieren.

Einige wenige im Großen Garten reagieren darauf lautstark, andere beginnen, mit den "Antifas" zu diskutieren. Auch die jedoch haben zuvor keine Kundgebung oder ähnliches angemeldet. Die Polizei ist trotzdem mit zahlreichen Beamten und Fahrzeugen sichtbar präsent, hält sich jedoch im Hintergrund.

Es bleibt festzuhalten: An vergangenen Sonnabenden wurde hier mehr gebrüllt, selbst als sich zuletzt erst Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) anhörte, was die Leute bewegt. 

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Vom Großen Garten zum Neumarkt

Ein Großteil der Versammelten soll sich später am Neumarkt wiedertreffen. Dort findet gegen 17 Uhr eine Kundgebung der Initiative Seebrücke statt, die fordert, gerade angesichts der Corona-Krise das Schicksal der Flüchtlinge nicht zu vergessen. Eine Rednerin kritisiert die vermeintliche Doppelmoral der Bundesregierung: einerseits hunderttausende Deutsche in gecharterten Flugzeugen für Unsummen von Geld aus aller Welt nach Hause zu fliegen und sich andererseits überfordert zu zeigen, 50 minderjährige Flüchtlinge aus dem Chaos in Griechenland zu retten.


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