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Weißwasser

Grundschüler auf den Spuren der Vorfahren

Ein Projekttag zeigte den Kindern das „Lernen früher“ und das „Leben der Bauern früher“.

Hartwig Balzke zeigte den Schülern das Gras-Mähen mit der Sense. Die Schüler sollten zudem Holz in den Backofen tragen und Pflanzen auf dem Hof gießen.
Hartwig Balzke zeigte den Schülern das Gras-Mähen mit der Sense. Die Schüler sollten zudem Holz in den Backofen tragen und Pflanzen auf dem Hof gießen. © Foto: Andreas Kirschke

Trebendorf. Lennox Schnabel (9), Finn Seeliger (9), Lucien Herrgesell (9) und Annemarie Frömer (9) freuen sich auf die Heu-Ernte. Erwartungsvoll hören sie im Hans-Schuster-Hof Trebendorf zu. Dienstag gehören sie zu den 16 Schülern der Klasse 3 A der Grundschule Schleife „Dr. Marja Grollmuß“ beim Projekttag im Sachunterricht. Es geht um „Schule früher“. Es geht um das „Leben der Bauern früher“. „Gerade auf dem Hans-Schuster-Hof ist praxisnahes Lernen möglich. Gerade hier können wir Sachunterricht und Sorbisch-Unterricht gut miteinander verbinden“, unterstreicht Klassenlehrerin Silvia Seitz, Lehrerin für Sorbisch, Deutsch, Mathematik und Sachunterricht.

Beginn des Gesamtprojekts war am 6. Mai. Auf dem Naturlehrpfad Borstelweg in Schleife ging es mit Forstwissenschaftlerin Uta Pleschak, Gründerin der Naturschule Sachsen, um „Tiere der Wiese“. Die Schüler sammelten etliche Pflanzen im Grünen. Sie trockneten und pressten sie als kleine Herbarien. Sie bastelten originelle Karten für den Vatertag. „Heute in Trebendorf ist der Abschluss des Projekts“, sagt Silvia Seitz. „Gerade hier auf dem Hans-Schuster-Hof können die Schüler hautnah die Arbeit und Schulzeit ihrer Vorfahren erleben. Veronika Jentho aus Rohne, 1971–2011 Sorbisch-Lehrerin in Schleife und seit 1967 Mitglied der Domowina-Ortsgruppe Rohne, erläutert den Schülern in der Scheune den Unterricht um 1870. Strenge Regeln prägten damals den Schul-Alltag. Die Mädchen und Jungen in der Dorfschule schrieben noch auf Schiefertafeln. „Das Melden geschieht bescheiden nur mit dem Zeigefinger.“ „Lachen, Flüstern, Gaffen und Umherlaufen ist verboten“. „Beim Eintritt des Lehrers hat jeder Schüler aufzustehen und zu grüßen.“ „Jeder Schüler hat seine Füße nebeneinander aufzustellen.“

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Regel für Regel liest Veronika Jentho Auszüge aus der Klassenordnung 1870 vor. Sie zeigt auch Schiefertafeln, frühere Fibeln, Schulhefte und eine alte Bibel. Lange Zeit schrieben die Schüler in alter deutscher Schrift. „Diese Schrift wurde bis 1940 geschrieben. So lernten die Schüler früh das Schönschreiben“, sagt Veronika Jentho. Sie selbst kam 1957 in die Schule. Von Klasse 1 bis 8 lernte sie in Rohne. Von Klasse 9 bis 10 ging sie in Schleife zur Schule. „Wichtig ist mir, die Erinnerungen weiterzugeben. Die Kinder sollen sich in den früheren Schul-Alltag hineinversetzen“, meint die Rohnerin. „Sie sollen ihn so authentisch und lebensnah wie möglich miterleben.“ Dabei liest sie gern Auszüge aus der Schulzeit des ersten sorbischen Volksschriftstellers Hanzo Njepila-Rowniski (1766–1856) vor. Ebenso liest sie gern aus Reinhard Wieriks Buch „Geschichten aus dem Fünf-Pfennig-Brötchen-Land“ vor. Der gebürtige Rohner erinnert sich darin an seinen ersten Schultag 1954 und an weitere Ereignisse. „Neben Deutsch war damals auch noch Sorbisch als Umgangssprache weit verbreitet“, heißt es im Buch. „Sein Vater war Malermeister und führte einen Handwerksbetrieb.“ Nach der Grundschule besuchte Reinhard Wierik die Sorbische Erweiterte Oberschule Cottbus. Er studierte Elektrotechnik an der Bergakademie Freiberg. Als junger Diplomingenieur kehrte er nach Cottbus zurück. Bis zu seinem Renten-Eintritt arbeitete er später in der Braunkohlen-Industrie.

Von seiner Kindheit erzählt auch Hartwig Balzke. Zum Projekttag auf dem Hans-Schuster-Hof zeigt er den Kindern das Grasmähen mit der Sense. Die Schüler tragen auch Holz in den Backofen und gießen die Pflanzen auf dem Hof. „Und immer im Halbkreis die Sense nah am Boden führen. Ich habe sie extra für euch scharf gedengelt“, erläutert er und zeigt jedem Einzelnen das Mähen mit der Sense. Der 68-jährige heutige Trebendorfer stammt aus Bahren bei Zelz an der Neiße. Seine Eltern Käthe und Rudolf Balzke lebten dort noch mit den Großeltern väterlicherseits, Marie und Richard Balzke, zusammen auf dem Hof. „Wir hatten sieben, acht Kühe, drei Pferde, den Stall voller Hühner“, erzählt Hartwig Balzke. „Wir Kinder mussten frühzeitig mithelfen – ob bei der Heu-Ernte, beim Kartoffeln-Lesen oder beim Aufstellen der Getreide-Garben auf dem Feld. Später, im Herbst, halfen wir Rüben ernten.“ Von all diesen Erinnerungen kann er heute beim Projekttag den Kindern erzählen. Sie sollen Achtung und Wertschätzung für die harte Arbeit ihrer Vorfahren entwickeln. Sie sollen sich in deren Lebensalltag hineinversetzen. „Die Zusammenarbeit mit der Grundschule Schleife durch Projekte auf dem Hans-Schuster-Hof ist uns ganz wichtig. Sie bereichert unsere inhaltliche Arbeit“, unterstreicht Angelika Balzke, seit 2009 Vorsitzende der Domowina-Ortsgruppe Trebendorf. „In erster Linie geht es uns um den Erhalt der sorbischen Sprache.“ Zum Projekttag begrüßt und begleitet sie die Schüler der Klasse 3 A in sorbischer Arbeitstracht. Nach traditionellem Rezept bäckt sie mit den Kindern noch Plinse. Die lässt sich jeder am Ende nach Herzenslust schmecken.

Auf dem Hans-Schuster-Hof Trebendorf sind noch Projekttage für Grundschulen möglich. Unter anderem zu den Themen „Schule früher“ und „Arbeit der Bauern früher“. Schulen können sich melden unter Tel. 035773 70309 oder per E-mail unter [email protected] Ansprechpartnerin ist Angelika Balzke, Vorsitzende der Domowina-Ortsgruppe Trebendorf.

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