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Fünf Zwillingspaare eingeschult

In Lampertswalde sehen Lehrer seit ein paar Tagen oft doppelt. Jetzt heißt es, Ruhe bewahren.

Alles doppelt in Lampe: Artur und Ludwig (vorn links) , Finn (oben links) und Bruder Nico (grünes Shirt), Hannah und Hannes (Mitte), Konstantin und Elisabeth (vorn rechts), Lina und Aaron (rechts übereinander).
Alles doppelt in Lampe: Artur und Ludwig (vorn links) , Finn (oben links) und Bruder Nico (grünes Shirt), Hannah und Hannes (Mitte), Konstantin und Elisabeth (vorn rechts), Lina und Aaron (rechts übereinander). ©  Kristin Richter

Lampertswalde. Da muss vor sechs Jahren etwas in der Luft gelegen haben. Denn an der Lampertswalder Grundschule sehen die Lehrer nun öfter doppelt als ihnen hin und wieder vielleicht lieb ist. Fünf Zwillingspaare sind dieses Jahr eingeschult worden. Da mussten selbst die Lehrer erst einmal innenhalten, um den quirligen Haufen zu ordnen.

Noch an einem Tag Geburtstag

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Ines Kutzner, die seit 1988 im Schuldienst ist, und hier seit über zehn Jahren die Vorschule durchführt, staunt auch nach den ersten Schultagen noch. „Das hatten wir noch nie“, sagt sie nur. Auch die Eltern hätten nicht schlecht geguckt beim ersten Elternabend. Denn wie es das Schicksal so will, kommen alle Kinder aus verschiedenen Familien und keines direkt aus Lampertswalde. Zwei Zwillingspaare sind immerhin aus Blochwitz, doch dann ist der Zufall mit Quersa, Brockwitz und Schönfeld gut um Lampertswalde herum verteilt. Um dem noch eins draufzusetzen, haben zwei Zwillingspärchen auch noch am gleich Tag Geburtstag. Am 26. Juli feiern Artur und Ludwig aus Schönfeld aber auch Lina und Aaron in Blochwitz. Zwei weitere Zwillingspaare haben noch hintereinander Geburtstag – jeweils am 4. und 5. Oktober, wie Schulleiterin Manuela Oestreicher erstaunt beim Lesen der Klassenbücher bemerkte.

Und weil zehn Zwillingskinder in einer Schulklasse wohl jeden Lehrer an den Rand seiner Wahrnehmungsfähigkeit bringt, hat man die muntere Kinderschar wenigstens auf beide erste Klassen aufgeteilt. In beiden Klassen werden 17 Kinder unterrichtet. Julia Thomschke hat in der 1a Hannes und Hannah sowie Artur und Ludwig sitzen. Elisabeth und Konstantin, Lina und Aaron sowie Finn und Nico sitzen bei Jeannette Großmann in der 1b. Die eineiigen Zwillinge Nico und Finn sind auch die Einzigen, die die Lehrerin versuchsweise an unterschiedliche Bänke gesetzt hat. „Die beiden schauen nur, was der andere macht, sie sind stark aufeinander fixiert. Mal sehen, ob sie sich mit der Zeit mehr auf sich konzentrieren“, erklärt Jeannette Großmann. Es bleibt ein Versuch. Sie ist selbst mit Zwillingen zur Schule gegangen und weiß aus Schülerperspektive – die beiden konnte nichts trennen. Da drei der Zwillinge aber ein Mädchen-Junge-Duo sind, haben die Lehrer die Hoffnung, dass die Kinder auch andere Freunde finden. In dieser Mädchen-Junge-Kombination übernimmt das Mädchen oft den fürsorglichen Part, weiß Jeannette Großmann. Ob die Mädels dann die Hausaufgaben machen und den Jungs die Sachen hinterhertragen? Oder eher mahnen, sich auf den Hosenboden zu setzen? Es dürften für Lehrer, Eltern und alle Kinder aufregende vier Jahre werden. Oder sogar eine spannende Aufgabe für einen Studenten, der sich mit Zwillingsforschung befasst. Wo sonst könnte man so viele Zwillinge in einem Umfeld vergleichen?

Das Netz ist jedenfalls voll mit guten Ratschlägen und Argumenten. Diskutiert wird dort allerdings nicht, ob die Kinder in einer Bank sitzen, sondern ob sie in eine Klassen gehen sollten.

Alles zusammen machen?

Dagegen spräche, dass sie unter sich bleiben und oft kaum andere Freundschaften suchen. Dementsprechend werden sie auch nur als „Eins“ wahrgenommen und von den Lehrern manchmal ungewollt verglichen. Tatsächlich haben Forscher beobachtet, dass sich oft nur einer die Hausaufgaben aufschreibt, und der andere verlässt sich darauf, dass die Schwester oder der Bruder es sich schon gemerkt hat. Für eine gemeinsame Klasse spricht, dass ihre besondere Verbindung akzeptiert wird, sie sich auch gegenseitig brauchen und unterstützen können. Beide Kinder haben in einer Klasse auch gleiche Voraussetzungen: Umfeld, Mitschüler, Lehrerin, Anforderungen der Lehrerin, Hausaufgaben.

Und auch für Eltern ist wichtig: zeitgleiche Ausflüge und Klassenreisen, Elternabende und andere Aktionen der Klasse. Das gilt natürlich auch für die Freizeit. Sollten beide in die gleiche Sportgruppe, was für die Eltern vielleicht praktisch ist? Ein Patentrezept ist es nicht. Durchhalten ist hier sowohl für die Kinder, die Lehrer als auch die Eltern angesagt. Und Dinge auf sich zukommen lassen, beobachten und miteinander ausprobieren. Die kommenden vier Jahre werden für alle an der Grundschule Lampertswalde aufregend.

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