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Grundstein für neues Kraftwerk gelegt

Trotz Coronakrise geht der Bau der hochmodernen Reicker Anlage zügig voran. Was das Besondere an dem Großprojekt ist.

Von Peter Hilbert
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So soll das hochmoderne Reicker Kraftwerk künftig aussehen.
So soll das hochmoderne Reicker Kraftwerk künftig aussehen. © Visualisierung: archlab

Dresden. Auf dem Gelände des alten Heizkraftwerks Reick arbeiten seit Ende November vergangenen Jahres Bagger und Baumaschinen. Ausgehoben und gesichert wurde die Baugrube für das neue, hochmoderne Kraftwerk. Die Fundamente für das neue Kraftwerksgebäude sind errichtet und der Hochbau soll im Mai beginnen. An diesem Mittwoch war die symbolische Grundsteinlegung. Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP), Drewag-Geschäftsführer Frank Brinkmann versenkten zusammen mit Drewag-Bereichsleiter Rutger Kretschmer und Projektleiter Thomas Doltze die Kupferkartusche mit aktuellen Tageszeitungen und Unternehmensmagazinen.

Drewag-Chef Frank Brinkmann versenkt am Mittwoch die Grundsteinkassette im Untergrund. Mit dabei waren Drewag-Bereichsleiter Rutger Kretschmer, OB Dirk Hilbert, und Drewag-Projektleiter Thomas Doltze (v.l.).
Drewag-Chef Frank Brinkmann versenkt am Mittwoch die Grundsteinkassette im Untergrund. Mit dabei waren Drewag-Bereichsleiter Rutger Kretschmer, OB Dirk Hilbert, und Drewag-Projektleiter Thomas Doltze (v.l.). © Christian Juppe

Die Stadtwerke investieren rund 95 Millionen Euro für die neue Anlage, um eine flexible und sichere Energieversorgung der Stadt zu gewährleisten. Generalauftragnehmer ist die finnische Firma Wärtsilä. Für sie ist es das zweite Werk dieser Größenordnung in Deutschland, ein weiteres wird in der Nähe von Mainz gebaut. Die Drewag ist eines der ersten Unternehmen, das so ein hochmodernes Kraftwerk errichten lässt. Mit dem Tiefbau- und Fundamentarbeiten hatte Wärtsilä das Unternehmen Dreßler Bau beauftragt.

Geplant sind in dem neuen Kraftwerk acht Gasmotoren mit einer Leistung von insgesamt 90 Megawatt, die speziell für die Energiewirtschaft und die Schifffahrt entwickelt wurden. Sie werden im Wärtsilä-Werk im finnischen Wasa hergestellt.

Die hochmodernen Anlagen werden nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) Strom und Fernwärme erzeugen, sind sehr flexibel und können schnell zu- oder abgeschaltet werden. So ist es auch im Falle eines großflächigen Stromausfalls, einem Blackout, weiter möglich, die Bürger und die Wirtschaft der Stadt zu versorgen. In der Fachsprache nennt sich das Schwarzstartfähigkeit. Im Winter kann die Anlage etwa ein Viertel des Dresdner Wärmebedarfs decken. Jährlich werden mit der Gasmotorentechnologie gegenüber herkömmlichen Werken rund 80.000 Tonnen Kohlendioxid eingespart.

„Mit dem Integrierten Energie- und Klimaschutzkonzept verfolgt die Landeshauptstadt seit 2013 ehrgeizige Ziele“, erklärte der OB. „Um die Treibhausgasemissionen wie versprochen massiv zu senken, ist die DREWAG einer unserer wichtigsten Partner. Insofern legen wir hier tatsächlich einen Grundstein für Dresdens Zukunft.“ Für die Wirtschaft sei es sehr wichtig, dass sich auch in dieser Krisenzeit weiter die Baukräne drehen. So würde nicht nur das Kraftwerk, sondern auch das Fernwärmenetz Dresdens derzeit weiter ausgebaut. Hilbert verwies zudem darauf, dass auch in dieser schwierigen Zeit das Krisenkonzept der Drewag greift und sie die Stadt zuverlässig mit Strom, Trinkwasser, Gas und eben auch Fernwärme versorgt.

Drewag-Chef Brinkmann sieht die KWK-Anlage als konkrete Antwort auf die Energiewende in Dresden. „Wir stellen uns auf erneuerbare Energien genauso ein wie auf Versorgungssicherheit, denn beides leistet die Anlage mit ihrer hohen Einsatzflexibilität“, sagte er.

Bei den bisherigen Bauarbeiten mussten Tausende Tonnen belasteter Boden aus der Zeit des ehemaligen Gaskraftwerks entsorgt werden. Es war mehr als ursprünglich gedacht, erklärte Projektleiter Doltze. 2017 war damit begonnen worden. Noch jetzt müssen beim Tiefbau Teerrückstände entsorgt werden.

Noch wird am Tiefbau im Reicker Kraftwerksgelände gearbeitet. Schon im nächsten Monat soll der Hochbau beginnen.
Noch wird am Tiefbau im Reicker Kraftwerksgelände gearbeitet. Schon im nächsten Monat soll der Hochbau beginnen. © Christian Juppe

Seit März hatte auch die Coronakrise die Bauarbeiten erschwert. Dennoch kann Ende Mai das sächsische Bauunternehmen Karl Köhler mit den Arbeiten über der Oberfläche beginnen. Auch die Baugenehmigung liegt jetzt vor. Die Genehmigung für den Baukörper hatte die Drewag am Tag der Grundsteinlegung von der Landesdirektion erhalten, erklärte der Drewag-Chef. Die äußere Gestaltung war von der Drewag nach Einbeziehung der Gestaltungskommission der Landeshauptstadt überarbeitet worden und ist nun deutlich akzentuierter.

Bis Oktober 2020 soll die Gebäudehülle soweit fertig gestellt sein, dass die Aggregate und die umfangreichen Ausrüstungen für die Wärmeerzeugung eingebaut werden können. Die Schwertransporte mit den Gasmotoren und anderen Anlagen sollen Ende dieses Jahres mit Schwertransporten anrollen, erläuterte Projektleiter Doltze. Sind die Hauptanlagen installiert, werden sie komplettiert und alle weiteren Ausrüstungen installiert.

Dann wird in der neuen hochflexiblen Anlage Strom mit der Spitzenleistung von 90 Megawatt von den acht Motoren erzeugt. Gleichzeitig werden 84 Megawatt Wärme in das Zentrale Fernheiznetz der Landeshauptstadt eingespeist. So funktioniert die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK).

Die KWK-Anlage ist dafür konzipiert, minutengenau Strom dann zu produzieren, wenn er am wertvollsten ist. Sie wird so einen perfekten Ausgleich zu den erneuerbaren Energien leisten. Mit höchstem Wirkungsgrad und modernsten Abgasreinigungsanlagen ausgestattet, soll die Anlage sichere und bezahlbare Energie für die Landeshauptstadt in den nächsten Jahrzehnten liefern. Ende nächsten Jahres soll das neue Kraftwerk in Betrieb gehen.

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