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Gruseliges von ganz weit oben

Unsere Politiker haben ständig ein Auge auf uns – aber offenbar inzwischen nicht nur sie.

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Von Gunnar Saft

DARF Sachsens Regierung uns Bürger einfach so erschrecken? Ja, das darf sie und das tut sie auch. Nur im Schrecken steckt schließlich unser aller Rettung. Das denkt sich zumindest Frank Kupfer, der neue Überlebensbeauftragte am Dresdner Kabinettstisch. Im Normalberuf Umweltminister, ist er zurzeit vor allem dafür zuständig, dem gemeinen Sachsen das Fürchten zu lehren. Weil Kupfer aber weder Ministerpräsident noch FDP-Mitglied ist, stehen ihm dafür leider keine Regierungserklärungen und auch keine Eierschecke zur Verfügung. Er wagte deshalb etwas Neues: Den Anti-Durst-und-Hunger-Kalkulator für die gesamte Familie. Per Internet und einem bunten Werbefilm rechnet er uns nun schon seit Wochen vor, was alle Leute im Keller und in den Schränken bunkern müssen, um der absoluten Katastrophe zu trotzen – dem in Notfällen wie Flut oder Erdbeben geschlossenen Supermarkt. Doch leider läuft seine Kampagne bisher noch ins Leere. Vor allem Sachsens Jugend winkt träge ab und meint, in dem Fall fährt man eben zur Tankstelle, dort gibt es immer Bier und Zigaretten. Andere Bürger erklärten wiederum empört, sie würden jetzt sofort nur noch FDP wählen. Bei denen wäre sicher immer alles offen – auch sonntags.

DAS traurige Fazit: Der erste Versuch, uns gehörig zu erschrecken, ist leider gescheitert. Damit es irgendwann noch mal klappt, muss man sich nur etwas Schlimmeres einfallen lassen als die FDP. Weil das aber dauern kann, wechseln wir hier das Thema. Kommen wir lieber zu den Außerirdischen, die uns kürzlich besucht haben sollen. Tatsächlich liegt der Regierung zurzeit eine Anfrage einer Landtagsabgeordneten der Grünen vor. Darin erkundigt sie sich nach jener geheimnisvollen Drohne, welche die Besucher eines Fußballspiels in Leipzig am 22. Juni überflogen und fotografiert haben soll. Sie vermutete, dass es sich um die neueste Überwachungstechnik der Polizei gehandelt hat – den sogenannten SensoCopter. In seiner jetzt vorliegenden Antwort erklärt Innenminister Markus Ulbig jedoch, das fliegende Auge der Polizei, also der SensoCopter, sei an dem Tag nicht im Einsatz gewesen. Damit hat der Freistaat seine erste Akte X: Ein unbekanntes Flugobjekt, über das jetzt trefflich spekuliert werden darf. Mhhh, die Amerikaner werden es wohl nicht gewesen sein, die haben ja das Internet und brauchen keine UFOs, um uns auszuspionieren. Sachsens Verfassungsschutz fällt auch raus, da wäre das Ding niemals ordentlich gestartet und dann auch noch sicher zurückgeflogen. Die FDP? Nein, die hätten das Ding auf jeden Fall blau-gelb angemalt. Also wer oder besser was war das? Liebe Regierung, jetzt ist es so weit: Ich bekomme wirklich Angst.