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Guck mal, ich bin ein Forstfestkind

Über 900 Kamenzer Mädchen und Jungen zogen gestern durch die Stadt. Tausende Gäste sahen zu.

© es gelten meine agb.

Von Ina Förster

Der Garten ruft

Die Gartenzeit läuft aber nichts geht voran? Tipps, Tricks und Wissenswertes haben wir hier zusammengetragen. Vorbei schauen lohnt sich!

Forstfestmontag in Kamenz. 11 Uhr. Die Straßen sind wie leer gefegt am Vormittag. Hier und da herrscht bereits absolutes Halteverbot. Es hat wenig Sinn, seinen Wagen auf dem Markt zu parken. Die meisten wissen das. Und sorgen vor. Gegen 12 Uhr stellen die ersten Zuschauer ihre Hocker am Wegesrand auf. In der Bäckerei Garten verkauft man noch ein paar Schleißküchel. Heute sind alle aufs Forstfest eingestellt. Das besondere Gebäck gehört dazu, wie später die Kamenzer Würstchen mit Kartoffelsalat.

Im Menü-Imbiss an der Klosterstraße kommt die Spezialität heute öfters auf die Teller. Eine kleine Stärkung vor dem anstrengenden Zuschauen muss sein, denken sich viele. Auch im Café Emilia unter den Fleischbänken sitzen sich derweil die ersten Gäste fest und werden bis nach dem Umzug nicht wieder aufstehen. Die Sicht ist gut. Während die halbe Stadt genießt und der Dinge harrt, die da kommen, sind andere seit dem frühen Morgen im Dienst des Forstfestes unterwegs. Der Hausmeister-Pool der Stadtverwaltung hat sich beizeiten mit den Festzugs-Koordinatoren getroffen. Diese Dienstberatung hat Tradition. Man hat Wege vermessen, Absperrband gezogen, seltsame Kreidezeichen auf das Pflaster gemalt. Hier steht später mal der erste Block der sechsten Klasse auf dem Schulplatz, da drüben der erste Stern. Dafür gibt es sogar erstmals laminierte Schildchen. Der Festzug verlangt den Organisatoren einiges ab. Vor allem Nerven.

„Für mich beginnt das Forstfest erst richtig, wenn der Umzug am Montag gut gelaufen ist“, sagt Lehrerin Martina Laube, die alles mitkoordiniert. Sie wedelt aufgeregt mit dem extra entworfenen Plan. Den bekommen alle Einweiser. Steffen Mangold hat ein paar Nächte am PC verbracht, bis die Übersicht fertig war. Jedes Orchester, jede einzelne Klasse samt Lehrer ist darauf vermerkt. Nichts wird dem Zufall überlassen. Immerhin haben sich wieder 912 Kamenzer Schülerinnen und Schüler für die Umzüge am Montag und Donnerstag angemeldet. Plus/minus null – ein paar könnten krank werden, andere Kurzentschlossene dazustoßen. Es ist kurz vor 13 Uhr und der Countdown läuft. „Ein paar Kleinigkeiten wird man immer haben, die auch kurz vorher nicht stimmen, aber die sind zu verschmerzen“, meint Steffen Mangold. Er ist die Ruhe selbst. Das tut gut in aller Hektik. Frank Hohlfeld von der Stadtkapelle Kamenz fehlt noch fünf Minuten vor der Angst der angeforderte Ersatz-Trompeter. Der Ständer des einen Lautsprechers gleich neben der Stadt-Info stört. Der muss weg, sonst stolpert noch jemand darüber. Ja und dürfen denn eigentlich so viele Fotografen dort mitten vor den Türen „Lerne Weisheit“ und „Übe Tugend stehen“?

Die Rathausglocke schlägt, das Orchester der Lessingstadt spielt seinen ersten Ton. Man ist in Übung, das Forstfest läuft seit Freitagabend. Instrumente und Musiker sind „gut geölt“. Wenn schon ein bisschen pflastermüde. Die Schüler strömen unaufhaltsam aus dem Schulhaus. Das erste Lied ist bald gesungen, zehn Minuten später kommen die ersten Kränze durchs Klostertor. „Die Heide sieht aber heute dürr aus“, bemerken Zuschauer am Rand. Die Gärtner werden diesen Eindruck später bestätigen. Zu wenig Regen hat das Heidegewächs nicht optimal wachsen lassen. Eichenkränze sind auch Seltenheit im Umzug. Doch der Gesamteindruck stimmt wie immer: Über 900 Schüler, dazu weiß gewandete Lehrer, Sanitäter und Feuerwehrleute, fünf Orchester und Spielmannszüge, unzählige Blütenkränze auf süßen Lockenköpfchen, Gere, Asternkränze, Bögen, Lyren, Fähnchen, dichtes Gedränge am Straßenrand und ein übervoller Rathausbalkon sorgen für ein Déjà-vu nach dem anderen. Ist es wirklich schon ein ganzes Jahr her?

Gegen 13.45 Uhr das große Zittern – es beginnt zu regnen. Hunderte Schirme versperren plötzlich die Sicht. Aber die Zitterpartie dauert nur einen Augenblick. Zehn Minuten später sind alle durch. Der Markt ist verwaist. Die Geschäfte könnten eigentlich schließen. Man verabredet sich auf später für den Forst. Eltern schaffen ihre Kinder zu den Spielen, zuvor wartet das Schleißküchelessen daheim. So will es die Tradition. So will es der Kamenzer.