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"Ich weiß nicht, wie Langeweile geht"

Gunther Emmerlich steht seit 60 Jahren auf der Bühne. Doch der Terminkalender des 75-Jährigen ist nach wie vor randvoll.

Bei seinem ersten Auftritt nach Corona begeisterte Gunther Emmerlich die Gäste seiner musikalischen Buchlesung im Kloster Buch.
Bei seinem ersten Auftritt nach Corona begeisterte Gunther Emmerlich die Gäste seiner musikalischen Buchlesung im Kloster Buch. © Dietmar Thomas

Leisnig. Jetzt war der Sänger, Moderator, Autor und Weltmensch zu Gast im Kloster Buch – zum ersten Mal, wie er sagt. Es war auch sein erster Auftritt mit Publikum nach Corona. Er las aus seinem Buch „Spätlese“ und gab schon mal eine Kostprobe aus seinem neuen Werk, an dem er gerade schreibt.

Ein heiterer Abend mit tiefgründigem und wohltuendem Humor, klug und philosophisch und einem Spritzer Selbstironie. Zwischen den Texten gab es Musik. Sächsische.de sprach mit Gunther Emmerlich über die Corona-Zeit, Texte, die er mag, Berühmtheiten und Auftritte mit Döbelner Musikern.

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Herr Emmerlich, ungewöhnliche Wochen liegen hinter uns. Wie hat der Künstler und Privatmann Gunther Emmerlich die Zeit erlebt?

Dem Künstler ist eine Auszeit auferlegt worden. Das habe ich aber nicht so dramatisch genommen. Ich rede seit Jahren davon, dass ich weniger machen will, das hat nie geklappt. Ich habe die Zeit auch genutzt, um an meinem vierten Buch zu schreiben. Und als Privatmann begebe ich mich auf Zeitreisen, indem ich Schubfächer und Regale aufräume. Ich habe sehr viel gekocht – für mich und für alle Familienangehörigen, die mit mir im Haus wohnen. Und da das Ganze auch gegessen werden muss, habe ich nicht abgenommen in diesen Wochen.

Zu tun gab es genug. Ich hatte während dieser Zeit auch einen Fernsehauftritt bei Andy Borg, aber ohne Publikum. Das war schon komisch. Während der Aufzeichnung musste man ständig gegenwärtig sein, weil man stets und ständig damit rechnen musste, dass die Kamera auf einen gerichtet ist. Das war teilweise recht anstrengend, weil man ja im richtigen Licht erscheinen will. Hat aber Spaß gemacht.

Es wird ja viel davon geredet, dass wir aus der Corona-Pandemie lernen werden. Was hat Sie die Zeit gelehrt?

Vor allem Entschleunigung. Und ehrlich gesagt, die hatte auch was Wohltuendes. Da ich ohnehin nicht weiß, wie Langeweile geht, habe ich die Zeit gut genutzt für viele andere Dinge.

Mitten im Corona-Lockdown und fast unbemerkt ist Ihr neues Album erschienen, ein Konzeptalbum unter dem doppelsinnigen Titel „Fortgeschritten“. Was ist das Spannende an dem Album?

Das Album ist Ende März herausgekommen mit sehr gescheiten Texten aus der Schweiz. Von dort kam auch die Idee, eine CD zu machen. Produziert hat sie Uve Schikora. Schikora war damals schon ein berühmter Rockmusiker und Chef der Begleitband von Frank Schöbel, er hat für alle berühmten Leute etwas gemacht. Die Texte sind von dem Schweizer Dichter Ernst Bannwart. Sie beleuchten die Themen unserer Zeit. Die sind sehr witzig und haben mit meiner Generation zu tun. Es war mir wichtig, dass ich nicht Teenager-Themen nehme. Das wäre mir zu blöd. Aber so kann ich zu den Texten stehen. Auf der CD gibt es auch den Titel „Irgendwie hat sich die Welt verschoben“. Der passt, finde ich, so treffend in die Zeit, bekommt eine ganz neue Bedeutung.

Sie schreiben an Ihrem vierten Buch. Wann erscheint es und unter welchem Titel?

Ich schreibe erstmal. Wann es erscheint, weiß ich noch nicht. Ich lasse mich dabei von keinem hetzen. Und wenn ich fertig bin, finde ich auch den Titel. Ich weiß, manche machen es umgekehrt, sie haben den Titel und überlegen dann, was dazu passt. Eine Idee von mir war, es auch „Fortgeschritten“ zu nennen, so wie die CD, aber das würde viele wahrscheinlich irritieren und zu Verwechslungen mit dem Album führen. Es wird sich finden.

In Ihrem Buch „Spätlese“, das Sie 2016 veröffentlicht haben, heißt es „Wenn die Arbeit keine Freude mehr macht, dann höre ich wirklich auf. Das kann aber dauern.“ Inzwischen sind Sie 75. Was haben Sie außer ihrem Buch in Arbeit?

Mein gemeinsames Programm mit Katrin Weber wird es wieder geben. Wir sind voll auf Kino eingestellt und behaupten, dass das schönste am Film doch die Musik ist. Es fand gerade die Premiere statt und danach gab es drei Vorstellungen, dann kam Corona. Wir hatten volles Haus und Standing Ovations, es war ein voller Erfolg. Das hat uns viel Spaß gemacht. Das wollen wir fortsetzen. Es wird auch ein Programm mit Ludwig Güttler und meinem Freund Tom Pauls geben, auch das musste verschoben werden.

In Mainz spiele ich weiter den Gutenberg in „Gutenberg – das Musical“, in dem es um quicklebendige Geschichten um die Erfindung des Buchdrucks aus dem goldigen Mainz geht. Im Herbst wird es wieder Aufführungen geben. Im Frühjahr spielen wir in der Schweiz. Unterwegs bin ich auch mit Swing und Blues mit dem Dresdner Swing-Quartett. Ebenso mit der Dresden Big Band, mit der ich kürzlich in Berlin bei Didi Hallervorden im Schlossparktheater war. Es gibt weiterhin Lesungen zu meinen Büchern, bei denen ich auch meine Gitarre dabei habe. Ein heiteres Programm mit den passenden Liedern dazwischen, bekannte Spirituals.

Sie sind in der ganzen Welt aufgetreten, haben Prominente aus allen Bereichen des Lebens kennengelernt. Welche Begegnungen waren Ihnen die wichtigsten, von denen Sie heute noch zehren?

Das ist schwierig, denn es birgt eine Gefahr: Wenn man drei Namen nennt, sind dann 30 beleidigt. Ich bin aber dankbar, mit José Carreras gesungen zu haben und halte es bis heute für etwas Besonderes, Richard von Weizsäcker kennengelernt zu haben. Für etwas Besonderes halte ich auch, mit Mr. Acker Bilk (Klarinette) in der Philharmonie in Berlin auf der Bühne gestanden zu haben. Das ist sicher nicht vielen gelungen, das adelt.

Ich habe Christopher Lee beim Opernball kennengelernt, Roger Moore die Hand gegeben, ebenso Heinz Rühmann. Ich habe Menschen wie Günther Pfitzmann, Max Greger bis zum bekannten Jazzpianisten und Bandleader Horst Jankowski kennengelernt, bin in der Oper in Brasilien aufgetreten und habe in der New Yorker Carnegie Hall gesungen, da sollte man dankbar sein.

Lassen Sie uns ein Blick zurückwerfen, auf die Konzerte mit der Small Town Big Band Döbeln vor einigen Jahren. Wie war es dazu gekommen?

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60 Jahre steht der Dresdner Star auf den Bühnen und machte nun eine ganz neue TV-Erfahrung.

Ja, daran kann ich mich noch gut erinnern. Der Kontakt war damals über Hans Hombsch zustande gekommen. Er war ein Kollege von mir in der Staatskapelle, Solo-Bassposaunist. Hans hatte mir davon berichtet, dass er in Döbeln eine Big Band leitet. Auf diese Weise kam es zu dem ein und anderen Konzert. Mit dabei war auch Micha Winkler. Das hat Spaß gemacht. Das sind Amateurmusiker, die mit großem Engagement ihrem Hobby nachgehen. Ich bin heute noch ein Fan von Big Bands. Blut geleckt habe ich damals bei Günter Hörig (Chef der Dresdner Tanzsinfoniker, Anm. d. Red.) und ich bin ja noch heute mit Swing unterwegs, mit Micha Winkler und der Dresden Bigband. Heutzutage sind Big Bands leider rar geworden, umso mehr freut man sich, wenn es sie noch gibt. Das Publikum ist allemal für diese Musik vorhanden.

Es fragte: Dagmar Doms-Berger.

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