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Gut fürs Gefühl

Neustadt. Die Stadt hatdrei Tage gezeigt, wieman richtig feiert.

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Von Heike Sabel

Mit einer Schürze vor dem Bauch wird aus Franz, dem Baumaschinenschlosser, Franz der Schokoladenzäpfchen-Hersteller. Mit ruhiger Hand füllt er die flüssige braune Masse in die kleinen Löcher. „Eins mach ich noch“, sagt er, „dann ist Schluss.“ Dass der Neustädter das Experiment wagte, ist das Einlösen einer Wette vom Vorabend. Nebenan, vor der Stadt-Apotheke, werden Marzipan-Pillen gedreht. Die helfen gegen Herz-Schmerz und Seelen-Weh. Gebraucht werden sie am Wochenende freilich nicht, aber sie sind ein nettes Mitbringsel. Und so kommt die Apothekerin auch gar nicht hinterher. Hinter ihr liegt ein Stapel Neustadt-Beutel. Ein alter Neustädter sagt anerkennend: „Mensch, sogar Beutel hat der Bürgermeister drucken lassen.“ Wie Franz sagt auch er: „Dieses Fest ist gut für die Neustadt, gut fürs Gefühl.“ Wer nichts für sein Gefühl findet, scheint selbst schuld zu sein.

Auf dem Platz vor dem Freizeitbad liefern sich Steffen Jeske und seine Tochter Sophie gerade eine Partie Tischfußball. Papa gewinnt, aber statt auf Revanche drängt Sophie auf Weitergehen. Beim Hometrainer-Wettfahren hat Kathi die 500 Meter gerade in 43 Sekunden geschafft. Linda hat sich beim Polizei-Stand selbst eine Plakette gestanzt. Und der Kreissportbund ehrt die Sieger im Streetball-Turnier. Die Neustädter haben ihren Heimvorteil ausgenutzt. Zwischen all den jungen Leuten eine etwas ältere Dame. Friederike Hentsche ist aus Dresden gekommen und das erste, aber sicher nicht das letzte Mal in Neustadt. „Das ist gar keine schlechte Stadt, die haben wirklich eine ganze Menge auf die Beine gestellt“, sagt sie begeistert. Und dass hier so viel für die Jugendlichen los ist, das sei ganz wichtig.

Über der Straße an der Neustadthalle muss Melanie Heitel aufpassen, nicht in die Luft zu gehen. Gerade hat sie Luftballon-Nachschub geholt. Etwa 130 Stück flattern jetzt im Wind. Die billigsten kosten 3,50 Euro. Mancher der Knirpse zieht mit betretenem Gesicht wieder ab. Alles geht eben nicht, auch nicht beim Kinderfest des Vereins für Begegnung, Beratung, Bildung. Für ein paar Minuten ist das rege Treiben durch einen kräftigen Regenschauer unterbrochen. Schnell haben die Trödler alles abgedeckt. Und genau so schnell ist alles wieder ausgebreitet. „Wo nichts drauf steht, das kostet einen Euro“, wirbt ein Postkartenhändler. Die Trödelmeile ist zwar etwas kurz geraten, doch sie verbindet die Veranstaltungsorte. Schnell ist man so wieder auf dem Markt. Meister Goll alias Gerd Klingner rollt gerade wieder das sagenhafte Wagenrad mit einem Gehilfen übers Pflaster. Immer wieder müssen sie für die Fotografen anhalten. „Jeder, der fotografiert, muss einen ausgeben.“ Prompt antwortet eine hessische Neustädterin: „Dann können sie aber nicht mehr rollen.“