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Gut gemeint, schlecht gemacht

Der Bezirk Usti hat den Regionalbusverkehr reformiert. Die ersten Tage gab es Chaos.

Von Steffen Neumann

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Usti n.L. Nicht nur zum Vergnügen hat sich der Bezirksrat für Verkehr, Jaroslav Kominek, in der vergangenen Woche hinter das Lenkrad eines Regionalbusses gesetzt. Für zwei Tage tauschte er sein Büro mit einem der neuen grünen Busse, die seit Anfang des Jahres im ganzen Bezirk eingesetzt werden. Ziel der Aktion war, den zahlreichen Beschwerden, die sich seit Jahresbeginn häufen, nachzugehen, aber auch das von ihm eingeführte neue Verkehrssystem zu verteidigen. Für Kominek war diese öffentlichkeitswirksame Geste kein Problem. Er hat einen Busführerschein und ein intaktes Gesundheitszeugnis.

Doch die Geste war dringend nötig, denn die Reisenden im Regionalbusverkehr des Bezirkes fühlten sich alleingelassen. Nicht selten hatten Busse eine halbe Stunde und mehr Verspätung, weshalb viele Anschlüsse nicht mehr passten. Die Busfahrer kannten sich nicht aus auf ihren Strecken. Zum Erwerb der neuen elektronischen Monatskarten mussten stundenlange Wartezeiten in Kauf genommen werden. Außerdem wurden die Tarife teils erhöht, Verbindungen eingestellt.

Die Liste der Grausamkeiten ist lang. Und das mit der Umstellung verbundene anfängliche Chaos weicht nur langsam. Dem Bezirk als Besteller des Regionalverkehrs ist offenbar auf die Füße gefallen, zu viel auf einmal verändert zu haben.

Klimatisierte Niederflurbusse

Dabei wurde das neue System zu Recht eine kleine Revolution genannt, deren positive Seiten zunächst in den Hintergrund getreten sind. Da sind die 241 neuen Niederflurbusse aus tschechischer (SOR, Iveco), polnischer (Solaris) und deutscher (Mercedes) Produktion. Eltern mit Kinderwagen und Rollstuhlfahrer können sich nun darauf verlassen, in jedem Autobus mitfahren zu können. Bildschirme und Durchsagen geben Auskunft über die nächsten Haltestellen. Und die Klimaanlagen in den Bussen kommen sommers wie winters gut an.

Anspruchsvoller durchzusetzen ist jedoch das neue Prinzip, einen in verschiedene Tarifzonen aufgeteilten einheitlichen Verkehrsverbund zu schaffen. Bezirksrat Kominek gibt zu, dabei die sächsischen Verkehrsverbünde als Vorbild gehabt zu haben. Reisende zahlen also einen einheitlichen Tarif je Zone, egal wie oft sie umsteigen. Ziel der Verkehrsreform ist zudem, beliebig zwischen Bussen, Zügen und zwischen Regional- und Stadtverkehr wechseln zu können. Das klappte bisher nur in Teplice (Teplitz).

„Die Eisenbahn soll Mitte des Jahres in das System eingebunden werden. Mit den Städten verhandeln wir“, sagt Kominek. Dass nicht alle Städte zu Jahresbeginn dabei sind, erklärte er mit den Kommunalwahlen im letzten Herbst, die in vielen Rathäusern Wechsel mit sich brachten. Aber Most (Brüx), Usti nad Labem (Aussig) und Decin (Tetschen) sollen bald folgen.

Gerade in Decin ist das wichtig, denn die Stadt hatte bisher schon einen ausgereiften Fahrplan von Überlandbussen in die Nachbarstädte Jilove (Eulau) und Libouchec (Königswald). Pendler aus diesen Orten zahlten den Deciner Tarif, jetzt müssen sie zwei Tickets pro Fahrt lösen. Außerdem hat der Bezirk die Busverbindung nach Sneznik (Schneeberg) auf das Wochenende und die Ferien beschränkt. Die Stadt Jilove finanziert deshalb seit Januar unter der Woche eine eigene Verbindung. Auch der Bezirk will als Ergebnis der vielen Beschwerden bei manchen Verbindungen nachbessern. Das neue Verkehrssystem bringt für sächsische Ausflügler eher Vorteile. Weniger beim einheitlichen Tarif. Den gibt es schon mit dem bequemen Elbe-Labe-Ticket, das sowohl in Zügen und Bussen als auch im Stadtverkehr in Nordböhmen gilt. In Zukunft sollen die Verbindungen aber noch mehr aufeinander abgestimmt werden. Taktfahrpläne werden auch in Nordböhmen die Normalität. Und bequeme neue Busse wissen auch Reisende aus Sachsen zu schätzen.

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