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Gut Waldhof wird wieder aufgebaut

Seit dem Krieg steht das ehemalige Erholungsheim leer und verfällt. Jetzt sollen Wohnungen darin entstehen.

© André Wirsig

Von Kathrin Kupka-Hahn

Ein großes Bauschild am Ausflugslokal Waldmax in der Jungen Heide kündigt schon seit einigen Wochen an: Gut Waldhof soll saniert werden. Doch nur aufmerksame Fußgänger finden das rund 250 Meter davon entfernte, etwas abseits auf einer Anhöhe gelegene Anwesen in der Waldhofstraße 8 – oder zumindest das, was davon übrig ist. „Denn seit dem Zweiten Weltkrieg steht der ehemalige Gutshof leer. Entsprechend ist der bauliche Zustand“, sagt Jens-Peter Schulz, Projektleiter des Bauträgers F & H.

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So stellen sich die Planer den neuen Waldhof vor. Die Bauarbeiten sollen noch in diesem Jahr beginnen. Visualisierung: Dresden Haus GmbH
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Das Dresdner Unternehmen ist seit etwa eineinhalb Jahren Eigentümer des rund 30 000 Quadratmeter großen Geländes und plant, das ehemalige Gutshaus zu einem Wohnhaus umzubauen. „Vor vier Wochen haben wir die Baugenehmigung erhalten“, so Schulz. Sechs luxuriöse Eigentumswohnungen sollen dabei entstehen, jede zwischen 109 und 202 Quadratmeter groß. Die Zimmeranzahl je Wohnung ist variabel, von drei bis sechs Räumen ist alles möglich. Diese liegen auf mehreren Etagen verteilt, sodass Eigenheimcharakter entsteht. Dazu gehört auch ein eigener Garten. „Vor Kurzem haben wir mit dem Verkauf der Wohnungen begonnen“, sagt Schulz.

Der Preis beträgt ab 3 450 Euro pro Quadratmeter – nach oben offen. Kein Schnäppchen, was jedoch nicht nur an der geplanten luxuriösen Ausstattung, unter anderem mit Parkettboden, Kaminofen oder Sauna, liegen dürfte. „Das Gutshaus steht unter Denkmalschutz und gilt als Kulturdenkmal“, sagt der Projektleiter. Entsprechend anspruchsvoll sind die Auflagen für den Wiederaufbau. „Das alte Farbkonzept beispielsweise und auch alte Malereien werden übernommen oder nachempfunden“, erklärt Schulz. Wie viel sein Unternehmen in den Wiederaufbau investieren wird, wollte er nicht verraten. Baustart soll im dritten Quartal dieses Jahres sein. „Dann werden wir die Hälfte der Wohnungen bereits verkauft haben.“

Als großes Plus sieht der Projektleiter nicht nur das Außergewöhnliche dieses Bauvorhabens, sondern auch die idyllische Lage am Rand der Jungen Heide. Diese haben bereits frühere Generationen zu schätzen gewusst. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Waldhof als Erholungsstätte für an Tuberkulose erkrankte Kinder, später als privates Frauenbildungsheim genutzt. „Der Kurerfolg war bei nahezu allen Kindern befriedigend ... Es konnten alle als schulfähig entlassen werden“, ist in einem Jahresbericht von 1928 nachzulesen, den Schulz bei seinen Recherchen im Stadtarchiv entdeckt hat. Dabei ist er auf weitere geschichtliche Informationen über das Anwesen gestoßen.

Demnach errichtete Balthasar Zimmermann, Landvermesser des Kurfürsten Johann Georg I., um 1625 das erste Weingut auf der Anhöhe zwischen Moritzburg und Dresden. „Dabei zählte er 104 junge Eichen, die auf dem Grundstück wuchsen“, erzählt Schulz. In den darauffolgenden Jahrhunderten wechselte das Gut mehrfach seinen Besitzer. 1793 soll es der Kreissteuereinnehmer Benjamin Friedrich Ermel übertragen bekommen haben, weshalb es im Volksmund „Ermelberg“ genannt wurde. Der Dresdner Bildhauer und Stuckateur Peter Hensler erwarb das Anwesen 1884. „In dieser Zeit erhielt es auch den Namen Waldhof“, so der Projektleiter. Einige von Henslers Skulpturen sind auf dem Grundstück, das auch als Gartendenkmal gilt, erhalten geblieben. Sie schmücken noch heute die Zufahrt des Gutes.