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Schickes Landhaushotel öffnet am Berzdorfer See

Nach zwei Jahren Bauzeit haben es Roland Marth und Isolde Iser fast geschafft. Was jetzt noch kommt, kann die beiden nicht mehr schrecken.

Roland Marth und Isolde Iser haben das Gut am See zu einem Landhotel ausgebaut.
Roland Marth und Isolde Iser haben das Gut am See zu einem Landhotel ausgebaut. © nikolaischmidt.de

In der Hotelbar "Schwarzes Schaf" brennt schon mal der Kamin. Ein raffiniertes Teil ist das im neuen Landhotel "Gut am See" im südlichsten Görlitzer Ortsteil Tauchritz. Kein wirkliches Holz qualmt da vor sich hin, sondern das täuschend echt wirkende Gerät ist ein Imitat, produziert Wasserdampf, die angedeuteten Holzscheite werden rot angestrahlt - und so wirkt es anheimelnd wie in einem richtigen englischen Pub.  So soll es auch sein.

Ein Blick in die Hotelbar "Schwarzes Schaf" mit dem Kamin-Imitat. Über der Tür steht ein Modell der Titanic. Mit dem Namen der Bar nimmt das Hotel Bezug auf die frühere Nutzung dieser Scheune.
Ein Blick in die Hotelbar "Schwarzes Schaf" mit dem Kamin-Imitat. Über der Tür steht ein Modell der Titanic. Mit dem Namen der Bar nimmt das Hotel Bezug auf die frühere Nutzung dieser Scheune. © Nikolai Schmidt

Roland Marth und seine Partnerin Isolde Iser haben es fast geschafft: Ihr Landhotel in den früheren Scheunen des alten Gutes in Tauchritz ist innerhalb von zwei Jahren Wirklichkeit geworden. Es hat viel länger gedauert als gedacht, die ersten Kostenschätzungen sind auch Geschichte, aber jetzt sehen sie der Eröffnung frohen Mutes entgegen.

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Das Restaurant macht den Anfang am ersten Weihnachtsfeiertag mit Kaffeetrinken und am zweiten Weihnachtsfeiertag mit Essen à la carte. "Gutbürgerliche Kost", wie Marth sagt. Während zum Kaffeetrinken noch Anmeldungen entgegengenommen werden, sind die über 100 Plätze am zweiten Weihnachtsfeiertag bereits ausgebucht. Das kennen sie im "Gut am See" schon, denn auch ihr italienisches Restaurant ist häufig genug ausgebucht - der vielen Hochzeiten wegen, die hier ein ideales Umfeld finden. Sie sind nun auch eine Zielgruppe für das neue Hotel. Ja der Gedanke ans Hotel entstand auch deswegen, weil viele Pärchen nach einer Übernachtung für sie und ihre Hochzeitsgesellschaft nachfragten.

Die alte Scheune für Kühe und Schafe im Bauzustand Anfang des Jahres... 
Die alte Scheune für Kühe und Schafe im Bauzustand Anfang des Jahres...  © nikolaischmidt.de
... und in diesen Tagen als bereits eingerichtetes gutbürgerliches Restaurant. 
... und in diesen Tagen als bereits eingerichtetes gutbürgerliches Restaurant.  © Nikolai Schmidt

Deswegen haben Roland Marth und Isolde Iser ja auch in die zwei zusätzlichen Scheunen investiert. Knapp zehn Millionen Euro sind es am Ende geworden. Von den verfallenen Bauten ist nichts mehr zu sehen, der historische Charme der alten Scheunen verbindet sich mit modernem Chic. Wo einst Kühe gehalten wurden und später Schafe unterstanden, werden nun die Gäste im Restaurant Platz nehmen. Die Sessel sind in lila gehalten, die Farbe findet sich auch in den Zimmern beim Bettbezug wieder. Und kommt nicht von ungefähr.

Denn als Isolde Iser vor Jahren das erste Mal die Gebäude sah, das Areal erkundete, da war sie gleich an Südfrankreich erinnert, an lilafarbene Lavendelfelder bis zum Horizont. Und so findet sich lila auch hier nun überall, bis zu den Faltblättern, die in der Lavendelfarbe gehalten sind.

Auch in den Hotelzimmern findet sich das Lila als Farbe des Hotels.
Auch in den Hotelzimmern findet sich das Lila als Farbe des Hotels. © Nikolai Schmidt
48 Doppelzimmer, darunter auch zwei Studios und eine Suite, stehen zur Verfügung.
48 Doppelzimmer, darunter auch zwei Studios und eine Suite, stehen zur Verfügung. © Nikolai Schmidt
Auch in den Bädern finden sich Accessoires, die auf den Landhotel-Charakter hinweisen
Auch in den Bädern finden sich Accessoires, die auf den Landhotel-Charakter hinweisen © Nikolai Schmidt

Wer zwei Jahre baut, der erlebt auch Momente des Rückschlages, wenngleich Roland Marth über die Firmen, vor allem aus der Region, nur lobende Worte findet. Aber so ein Moment ereignete sich Mitte dieses Jahres, als Diebe wichtige Teile der neuen Heizung stahlen. Nicht nur, dass auf die Ersatzteile gewartet werden musste.

Neue Heizung sollte Estrich erwärmen

Die neue Heizung sollte den Estrich erwärmen, sodass gefliest werden konnte. So kam manche Verzögerung zusammen, anderes brauchte einfach mehr Zeit, sodass Marths optimistischen Einschätzungen von Anfang März, als die SZ schon einmal über diesen Bau berichtete, nicht zu halten waren.

Isolde Iser gibt freimütig zu, dass solche Momente sie schon manchmal an dem Gesamtprojekt zweifeln ließen. Aber nur kurzzeitig. Und nun wächst die Vorfreude bei ihr auf die Eröffnung. Zwar wird die Hälfte der 48 Doppelzimmer sowie die sechs Tagungs- und Kongressräume erst Mitte März fertig, aber der Anfang wird jetzt mit der Schäferscheune mit Restaurant, Hotelbar und ersten Zimmern gemacht, die schon weitgehend fertiggestellt wurde. Und wo Isolde Iser mit sicherem Gespür bereits ihrer Lust für Farben und Ausstattung Raum geben kann. Auch die Kernmannschaft aus Köchen, Servicemitarbeitern und Hotelangestellten ist gefunden, im März sollen es 30 Mitarbeiter sein.

Die Lage des Landhotels "Gut am See" in Tauchritz.
Die Lage des Landhotels "Gut am See" in Tauchritz. © Grafik: SZ

Manches brachten auch die Gäste ihres bisherigen Restaurants vorbei: Beispielsweise alte Schreibmaschinen, historische Kassen oder dergleichen Geräte mehr, wie sie jetzt im Restaurant gleich neben dem Weihnachtsbaum stehen. Es sind vor allem die Tauchritzer, die sich auf diese Weise auch bedanken, dass das Ehepaar ihren Ortskern belebt, zu dem auch noch die Kirche und das alte Wasserschloss gehören, das aber einem anderen Görlitzer Hotelier gehört.

Roland Marth engagiert sich im Heimatverein

"Die Einwohner unterstützen uns sehr", sagt Isolde Iser. "In den sechs Jahren, wo wir hier aktiv sind, ist nie ein böses Wort oder eine Beschwerde an unser Ohr gedrungen." Roland Marth engagiert sich zudem im Heimatverein, wenn er auch kein Mitglied ist. Aber Tauchritz, das lange Zeit eingekeilt lag zwischen dem Tagebau auf der einen Seite und dem Kraftwerk auf der anderen Seite, hat trotz des Endes der Energiewirtschaft , die Jobs für die Einwohner hatte, aber ihnen auch den Dreck frei Haus lieferte, wieder eine Zukunft. Sie ist eng mit dem Berzdorfer See und all den Aktivitäten zur Erholung und für den Tourismus verbunden.

Blick über den Gutshof auf die beiden zum Landhotel ausgebauten Scheunen, rechts ist die "Schäferscheune mit Restaurant, die nun eröffnet wird. Ein Verbindungsbau steht, wo die Scheunen zusammentreffen. Dort befindet sich die Küche und Räume fürs Personal
Blick über den Gutshof auf die beiden zum Landhotel ausgebauten Scheunen, rechts ist die "Schäferscheune mit Restaurant, die nun eröffnet wird. Ein Verbindungsbau steht, wo die Scheunen zusammentreffen. Dort befindet sich die Küche und Räume fürs Personal © Nikolai Schmidt

Dazu trägt sicher auch bei, dass Roland Marth den gesamten Gutskomplex als öffentliches Areal versteht. Nichts soll hier abgeriegelt werden, um Besucher abzuwimmeln, nur einen Poller kündigt er an, damit künftig kein unberechtigtes Fahrzeug in den Gutshof einfährt.

 Denn der Hof soll dem Verweilen und Flanieren dienen. Für die schöne Jahreszeit stehen 300 Stühle bereit, um über den Hof verteilt auf den Terrassen aufgestellt zu werden, viele von ihnen gepflastert mit originalem Königshainer Granit, der bei einer Straßensanierung in Zgorzelec anfiel.

Ohnehin sollen Besucher ein waches Auge für das Detail auf der Anlage wie auch in den Hotels haben. Über dem Eingang zur Bar thront ein Modell der "Titanic", die ja einst in Belfast vom Stapel lief. Und über der Theke in der Bar ist noch ein weiteres Boot zu finden. Auch wenn Roland Marth zusammen mit einem guten Freund darüber nachdenkt, was er mal für ein Boot vielleicht über den Berzdorfer See steuern wird - dieses Modell wird es nicht sein.

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