SZ +
Merken

Gute Bewerber werden rar

Sinkende Schülerzahlen und schlechte Noten auf den Abschlusszeugnissen bereiten Firmen Nachwuchssorgen.

Teilen
Folgen

Von Heiko Engel & Holger Gutte

Angebot und Nachfrage auf dem Lehrstellenmarkt nähern sich immer mehr an. Die Zahl der Bewerber ging laut Bautzener Arbeitsagentur 2007 weiter zurück. Die Zahl der angebotenen Lehrstellen in den Betrieben blieb hingegen nahezu konstant. Zudem wandern viele Jugendliche ab. Nach wie vor gibt es aber viele sogenannte „Altbewerber“, die bisher vergeblich einen Ausbildungsplatz suchten, so der Bautzener Agenturchef Günter Irmscher. „3062 Jugendliche im Agenturbezirk beendeten die Schule 2007.“

Trotz der rückläufigen Schüler- und Bewerberzahlen glaubt Kreishandwerksmeister Friedrich Berger allerdings nicht, dass das Lehrstellen-Versprechen von Ministerpräsident Georg Milbradt(CDU) innerhalb der nächsten zwei Jahre realistisch ist. Milbradt sagte jedem Schulabgänger ab dem Ausbildungsjahr 2009/2010 eine Lehrstelle zu. „Bei uns im Landkreis gibt es immer noch genügend Nachfragen nach einer Lehrstelle. Aber es ist schwieriger geworden, gute Bewerber zu finden. Unter anderem auch deswegen nimmt bei einigen Handwerksfirmen die Bereitschaft zum Ausbilden ab“, schildert der Friedersdorfer Tischlermeister. Die Kreishandwerkerschaft Oberlausitz, der er vorsteht, betreut elf Innungen mit circa 500 Mitgliedern im Landkreis Löbau-Zittau.

Auch der Erste Vorsitzende des Firmenausbildungsringes Oberland, Ernst Lieb, bestätigt, dass durch die geringen Schülerzahlen vor allem die guten Bewerber für Ausbildungsplätze knapp werden. „Weil die Tendenz abzusehen war, haben wir 2000 den Firmenausbildungsring gegründet. Auch wenn wir hier manchmal in einigen Bereichen über den Bedarf hinaus ausgebildet haben“, sagt er. Um weiterhin auf genügend Bewerber mit guten Schulabschlüssen nicht verzichten zu müssen, können ab September in seinem Unternehmen auch Mädchen den Beruf eines Zerspaners lernen. „Ich bilde doch lieber ein Mädchen mit guten, als einen Jungen mit schlechten Noten aus“, sagt der MBN-Geschäftsführer.

Große Qualitätsprobleme sieht auch die Industrie- und Handelskammer. Das Ziel einer grundsätzlichen Verbesserung der Ausbildungsreife sei noch nicht erreicht, meint Werner Mankel, Geschäftsführer Bildung der IHK Dresden. „Wirtschaft und Schule müssen ihre Anstrengungen verstärken, um leistungsschwächere Jugendliche für den Ausbildungsmarkt fit zu machen“, berichtet er. Der Landkreis Löbau-Zittau habe sachsenweit gesehen, schon sehr positive Akzente in den Ausbildungszweigen der Metallbranche gesetzt. „Über 70 Prozent sind hier der Meinung, dass sie sich ihre Facharbeiter selber ausbilden wollen“, so Werner Mankel.

Für die Schulbehörden sind die Klagen von Handwerk und Industrie nichts Neues. „Wir kennen die Kritikpunkte und wissen, dass es zum Beispiel Mängel in der Sozialkompetenz gibt“, sagte Mathias Peter, Pressesprecher der Bautzener Bildungsagentur. Bezogen auf den Landkreis Löbau-Zittau liegen aber keine konkreten Klagen vor. Schulen bemühten sich um bessere Abschlüsse. Um dies zu erreichen, würden beispielsweise die Ergebnisse der jährlichen Prüfungen mit den Schulleitern ausgewertet, so Peter. Schulen entwickelten zudem Konzepte für die Berufsorientierung oder hätten mit Unternehmen Kooperationen vereinbart.

Auf ein Wort