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Gute Chancen für die alte Villa

Ein Investor hat der Stadt ein Angebot unterbreitet, das historische Gebäude zu kaufen. Ein paar kleinere Hürden sind nun aber noch zu nehmen.

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© Willem gr. Darrelmann

Von Jens Fritzsche

Die Abrissbagger machen einen Bogen um die historische Verleger-Villa am Eingang zur Radeberger Innenstadt! Und das ist offenbar ein gutes Zeichen. „Die Verhandlungen mit dem möglichen Investor verlaufen so, dass ich optimistisch bin, dass die Villa doch nicht abgerissen wird“, freut sich Radebergs OB Gerhard Lemm (SPD). Ein echtes Ostergeschenk für die Innenstadt könnte das Ganze dabei werden.

Der Dresdner Immobilienunternehmer Thomas Kühn will das schmucke Gebäude gleich gegenüber des Kaiserhofs am Beginn der Hauptstraße retten. Will es sanieren und die Wohnungen vermarkten. Hundert Prozent Sicherheit für diese Entscheidung kann Lemm aber noch nicht verkünden, sagt er. „Denn erst müssen ja noch entsprechende Entscheidungen in den Gremien der Stadt getroffen werden, auch der Notar-Vertrag ist noch nicht unterschrieben“, beschreibt er. Aber die Chancen stehen offenbar richtig gut, dass die historische Villa auch künftig zum Stadtbild gehören wird.

Dabei sollte das seit Jahren leer stehende Gebäude eigentlich dieser Tage abgerissen werden. Die Stadt hatte das Areal samt der Villa und der alten Druckerei im hinteren Bereich der Fläche bekanntlich vor Jahren gekauft, wollte es entwickeln. Aber, so erläutert Radebergs Stadtsprecher Jürgen Wähnert regelmäßig, es habe zwar mehrere Gespräche mit möglichen Investoren gegeben, „doch keines der Projekte war letztlich umsetzbar gewesen“. Und als dann vor gut anderthalb Jahren Zündler die Druckerei abgefackelt hatten, die dann nicht mehr zu retten gewesen war, hatte im Januar der Technische Ausschuss des Stadtrats den Abriss-Beschluss für Druckerei und Villa gefasst. In dieser Sitzung hatte allerdings die Radebergerin Margitta Walter als Zuhörerin gesessen und fand, es sei schade um das historische Gebäude. Und sprach daraufhin mit der Denkmalbehörde und bekam dort den Hinweis auf die Dresdner Immobilienfirma Senator, die bereits in Radeberg mehrere historische Gebäude gekauft und vorm Verfall gerettet hatte. Die Radebergerin telefonierte mit dem Unternehmen – und Firmenchef Thomas Kühn schaute sich die Villa dann unter anderem gemeinsam mit dem Radeberger Stadtrat Wolfgang Seifert (Freie Wähler) an, der sich ebenfalls für den Erhalt historischer Gebäude in Radeberg starkmacht.

Und Thomas Kühn zeigte sich im Anschluss durchaus angetan vom Gebäude – und hat nun ein Konzept vorgelegt. Die Abrissbagger jedenfalls, die seit einigen Tagen die Druckerei annagen, werden die Villa verschonen. „Das ist bereits so besprochen“, erläutert OB Gerhard Lemm. Der Technische Ausschuss hatte jüngst die Abrissarbeiten genau mit dieser Maßgabe vergeben, dass der Abrissauftrag zwar für beide Gebäude gilt, allerdings bei einer Zusage des Investors, die Villa wieder aus dem Auftrag gestrichen wird. In den nächsten Wochen werden nun also die letzten bürokratischen Hürden genommen werden – dann kann gesagt werden: Die Villa ist gerettet.

Villa und Druckerei an der Hauptstraße sind dabei durchaus geschichtsträchtige Orte. Hier lebte seit Ende des 19. Jahrhunderts die Verlegerfamilie Hordler. Herman Hordler hatte hier eine Zeitung gegründet, die seine Söhne Waldemar und Willy 1909 übernahmen, „Radeberger Tageblatt“ nannten und fortan täglich haben erscheinen lassen.