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Beste Freundin wird zur Retterin in der Not

Kann ein Autist in eine normale Grundschule gehen? Er kann! Doch für Sanael aus Leutersdorf ist diese Frage immer noch nicht restlos geklärt.

Mareike Schneider hat extra Urlaub genommen, damit Sanael in die Schule gehen kann.
Mareike Schneider hat extra Urlaub genommen, damit Sanael in die Schule gehen kann. ©  Rafael Sampedro

Wie gut, dass es gute Freunde gibt. Solche wie Mareike Schneider - die zwei Wochen Urlaub nimmt, damit der Sohn ihrer besten Freundin in die Schule gehen kann! Vorige Woche hatte es große Aufregung gegeben um den Schulbesuch von Sanael aus Leutersdorf.

Der Siebenjährige ist Autist und braucht eine Schulbegleitung, die ihm hilft, mit dem Lernen in einer normalen Grundschule zurechtzukommen. Allein würde der Junge es nicht schaffen, die vielen Informationen zu ordnen und zu filtern, die in einem Klassenzimmer auf ihn einstürzen. Dabei ist Sanael genauso intelligent wie gesunde Kinder seines Alters. Ein sonderpädagogisches Fördergutachten empfiehlt den Eltern deshalb, ihr Kind mit einem Lernbegleiter integrativ in eine normale Grundschule einzuschulen.  

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Und da sitzt Sanael nun auch an diesem ersten Schultag im Klassenzimmer der 1a in der Grundschule Mittelherwigsdorf. Zusammen mit 15 anderen kleinen ABC-Schützen, die genauso aufgeregt sind wie er. Vorige Woche war das noch gar nicht so sicher. Denn die Schulbegleitung für den Jungen war noch nicht geklärt - personell nicht, und für den Hortbesuch auch finanziell nicht. Über die Geldfrage wird inzwischen nicht mehr diskutiert. Am letzten Mittwoch hatte es ein klärendes Gespräch gegeben. Und alle Beteiligten sind sich einig, dass die Kosten auch für die Hortbetreuung übernommen werden, die normalerweise nicht in die Zuständigkeit des Landkreises fällt. "Dafür sind wir allen sehr dankbar", sagt Sanaels Mutter, Carola Jänsch. Sogar der CDU-Landtagsabgeordnete Stephan Meyer habe sich eingeschaltet und Druck gemacht.

Jetzt aber fehlt es am Personal. "Wir haben noch gar keinen Integrationshelfer gefunden", sagt Carola Jänsch. Auf die Schnelle sei das einfach nicht möglich gewesen. Dass Sanael nun trotzdem zwischen den anderen Erstklässlern der 1a im Klassenzimmer sitzt, das hat er Mamas bester Freundin zu verdanken: Mareike Schneider, die eigentlich an der Hochschule in Zittau arbeitet, kennt Sanael seit seiner Geburt und weiß genau, was der Junge braucht. "Ich wollte einfach helfen", sagt sie und hat zwei Wochen Urlaub genommen. Den verbringt sie nun mit dem Sohn ihrer besten Freundin in der Schule. 

Bis zum 30. August wird sie das tun können, sagt Mareike Schneider, dann muss sie wieder an ihre eigentliche Arbeitsstelle. "Wir hoffen alle sehr, dass bis dahin eine Lernbegleitung gefunden ist", sagt sie. Das hofft auch Klassenlehrerin Brigitte Albert. Sie freut sich für Sanael, dass er auf diese Art und Weise in einer normalen Schule lernen kann. "Es ist doch wichtig, dass jedes Kind seine Chance bekommt", sagt sie. "So einen Fall hatten wir an unserer Schule noch nicht. Aber ich denke, wir haben hier in den kleinen Klassen sehr gute Bedingungen dafür".

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