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Gute Geschäfte mit dem Asylheim

Das ehemalige Leonardo-Hotel wurde verkauft – mit einem Millionengewinn.

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Von Jane Jannke und Tobias Winzer

Das ehemalige Leonardo-Hotel in Döhlen hat seine besten Zeiten hinter sich. Die Fassade ist schmutzig. Das Gebäude versprüht den zweifelhaften Charme der 90er-Jahre. Doch seit Anfang März die ersten Asylbewerber in das Haus eingezogen sind, scheint sich der Wert der Immobilie vervielfacht zu haben. Ein Luxemburger Unternehmen ist nun bereit, fünf Millionen Euro für das Objekt zu bezahlen. Das geht aus einem notariell beglaubigten Kaufvertrag hervor, der der SZ vorliegt.

Der Verkauf habe stattgefunden, bestätigt Bernd Gonther, Geschäftsführer der Betreiberfirma Pro Shelter. Nach den Unterlagen hat die Projekt Freital GmbH, die zur selben Unternehmensgruppe wie Pro Shelter gehört und Ende Februar offenbar eigens zu diesem Zweck gegründet worden war, Anfang März das Haus von der Fattal Hotel Dresden GmbH gekauft – einer Tochtergesellschaft der großen israelischen Hotelkette von David Fattal. Diese hatte das Objekt Anfang der 2000er-Jahre ersteigert und zum Leonardo-Hotel umgebaut.

Am 29. Mai wurde die Immobilie weiterverkauft – von der, laut Vertrag, noch immer in Gründung befindlichen Projekt Freital GmbH an die Samato-Aktiengesellschaft mit Sitz in Wasserbillig, Luxemburg. Über das Unternehmen ist wenig bekannt. Im Internet finden sich weder Hinweise zum Geschäftsfeld noch Ansprechpartner. Deswegen ist derzeit unklar, was Samato mit der Freitaler Einrichtung vorhat. Laut Vertrag soll sie zunächst weiter als Flüchtlingsunterkunft genutzt werden.

Wie aus den Dokumenten weiter hervorgeht, hat Projekt Freital aus dem Verkauf einen erstaunlichen Gewinn erzielt. So zahlte die GmbH im März 1,1 Millionen Euro für das Haus. Kaum drei Monate später wurde es für fünf Millionen Euro weiterveräußert. „Dazu kann ich nichts sagen. Das weiß ich nicht“, sagt Gonther auf Nachfrage. Der zuständige Ansprechpartner bei Projekt Freital sei derzeit im Urlaub. Auch zu den Gründen des Verkaufs kann oder will Gonther nichts sagen.

Für die Asylbewerber soll sich ihm zufolge aber nichts ändern. „Pro Shelter bleibt weiterhin der Betreiber der Unterkunft“, sagt er. Gemäß dem Kaufvertrag soll das Landratsamt in Pirna das Hotel von der Projekt Freital GmbH anmieten. Je länger der Mietvertrag, den die Firma dabei herausschlägt, desto mehr Geld fließt von Samato an Projekt Freital – bis zu 1,5 Millionen Euro zusätzlich und damit insgesamt 6,5 Millionen sind somit für Projekt Freital aus dem Verkauf maximal drin.

Inwieweit das Landratsamt Kenntnis von den Vorgängen hatte, ist unklar. Auf Anfrage gibt sich die Behörde einsilbig, eine Veräußerung sei dort nicht bekannt. Weitere Angaben waren bis Redaktionsschluss nicht zu bekommen.

Fakt ist aber, dass die Versorgung der Flüchtlinge im Leonardo-Hotel den Kreis derzeit jährlich rund 700 000 Euro mehr kostet, als Mittel dafür seitens des Freistaates zur Verfügung stehen. Der zahlt aktuell rein für die Unterbringung 7 600 Euro pro Asylbewerber und Jahr an den Kreis – zu wenig, wie der Kreistag im Mai befand. 9 000 Euro wären nötig. Grund sind die exorbitant steigenden Flüchtlingszahlen. Bereits im März waren die Kapazitäten ausgeschöpft, mit denen man für das gesamte Jahr geplant hatte. Somit ergibt sich für 2015 ein Fehlbetrag im Kreishaushalt von insgesamt vier Millionen Euro bei der Flüchtlingsunterbringung.

Die aktuelle Vereinbarung zwischen Kreis und Pro Shelter für das Leonardo-Hotel sieht einen Betrieb bis 31. März 2016 auf Basis einer Hotelunterbringung vor. Unterkunft und Verpflegung kosten im Hotel aber weit mehr als im gewöhnlichen Heim – nämlich 37,50 Euro pro Tag und Flüchtling, statt 19,40 Euro.

Ein von Pro Shelter formlos gestellter Bauantrag zum Umbau des Hotels zur zentralen Unterkunft ist derzeit in Bearbeitung bei der Stadt Freital. Ein neuer Mietvertrag ab 2016 würde demzufolge wahrscheinlich auch die sinkenden Betriebskosten berücksichtigen und geringere Zahlungen des Kreises an den Betreiber Pro Shelter nach sich ziehen.

Die Stadt Freital will derweil das blühende Geschäft mit den Flüchtlingen nicht näher kommentieren. Es handele sich dabei um einen „normalen Vorgang“, so Sprecherin Inge Nestler. Gewusst haben will aber auch die Stadt nichts.