SZ +
Merken

Gute Laune kontra Wetterkapriolen

Den Himmelfahrtstag haben gestern vor allem die Herren der Schöpfung zu gemeinsamen Unternehmungen in und um Görlitz herum genutzt.

Teilen
Folgen

Von Rolf Ullmann

Petrus scheint kein rechter Mann zu sein. Zumindest wettermäßig bereitet er den feier- und ausflugswütigen Männern in den Mittagsstunden wenig Vergnügen. So bekamen die Herren der Schöpfung nicht nur die von ihnen ersehnte feuchte Kehle sondern auch eine kräftige Dusche von oben ab.

Diese konnte die ausgesprochen gute Laune der Männer vom Himmelfahrtskommando Görlitz aber nicht untergraben. Die würdigen Herren in Schwarz und mit Zylinder warten in der Uferstraße einfach den nächsten Schauer ab, ehe sie auf ihrem Kurs rund um Görlitz weiter marschieren. „Wir sind alles ehemalige Kollegen aus dem Kraftwerk Hagenwerder. Wir treffen uns schon seit vielen Jahren am Himmelfahrtstag,“ erzählt Norbert Kern. Lächelnd fügt er dann noch hinzu, dass er jedes Mal aufs Neue zum Chef des Kommandos gewählt wird. Einen Stubenältesten hätten sie auch, ergänzen die Männer vom Kommando. Diese Ehre kommt ihrem Musikanten Rudi Kahl zu. Er spielt Akkordeon und singt. Die Gäste der Schäferei können dies gewiss bestätigen, denn dorthin strebt das Himmelfahrtskommando nach der Pause.

Ein Grillabend im Garten eines der wackeren Herren beschließt dann am Abend den alljährlichen Marsch rund um Görlitz.

Wetterfeste Kleidung legt sich die ABC-Radfahrertruppe zu. Die jungen Männer stärken sich am Büchtemannhäuschen mit Proviant, ehe sie sich wieder in die Sättel ihrer Drahtrösser schwingen. „Zuerst haben einige Leute über uns gelacht, als wir uns in den Anzügen die Straße hier herauf gequält haben“, berichtet Markus Semprich. Doch jetzt im Dauerregen bleiben die Männer schön trocken. Sie sind zum ersten Mal in diesen Anzügen unterwegs. Einst stellten diese bei den Soldaten der NVA äußerst ungeliebte Requisiten ihres Wehrdienstes dar. Die Herkunft der Schutzanzüge wollen sie aber nicht preisgeben. Der Beschaffer würde sonst von Liebhabern von Gummiartikeln überrannt.

Die Datschenclique, die an der Landeskrone rastet, zieht auch schon seit Jahren immer wieder vom Demianiplatz hinaus zum Heiratsmarkt in Jauernick-Buschbach. So acht bis zehn Stunden brauchen sie, um an ihr Ziel zu gelangen. Geschafft haben sie es schließlich immer, erzählen die wanderfreudigen Görlitzer.

Am Ziel ihrer Wünsche ist das Festzelt in diesen regnerischen Mittagssstunden gut gefüllt. Die Original Heideländer Musikanten müssen sich schon ordentlich ins Zeug legen, um sich mit ihrer Musik und ihrem Gesang gegen das Sprachgewirr zu behaupten.

Doch Sängerin Annette Weise und Hartmut Hübner kennen die Atmosphäre hier. Am Hochzeitspavillon vor dem Zelt fehlt in diesem Jahr die Schlange der Heiratswilligen auf Zeit.

„Wir haben dennoch innerhalb der letzten Stunde immerhin 23 Paare für 24 Stunden unter die Haube gebracht,“ zieht Thomas Maruck eine erste Bilanz.

Clemens Schmolke schmunzelt, als auch seine Tochter Dominike ihrem Bräutigam auf Probe Sven Cegla das Jawort gibt. Als der nächste Bräutigam geringe finanzielle Mittel bei der Ausgestaltung der Hochzeit geltend machte, unterbreitete ihm Christian Zedel das Angebot einer Finanzierung seitens des Standesamtes auf Zeit.

Laut knatternd fährt ein Traktor mit Anhänger heran. Die auf der Ladefläche versammelten Jugendlichen verbreiten mit lauter Musik und ausgelassener Stimmung einen Hauch von Loveparade auf dem Festplatz. Überhaupt sind sehr viele Gruppen von Jugendlichen zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs. Einige legen dabei zum Teil recht erhebliche Strecken zurück. So strampelten einige Pedalritter von Löbau nach Jauernick, nur um den Heiratsmarkt nicht zu verpassen. Etwas ruhiger verläuft am frühen Nachmittag der Tag in den Biergärten von Görlitz, Königshain und anderen Orten. Bei etwa zehn Grad sitzt es sich nun mal nicht so gemütlich unter freiem Himmel.