SZ +
Merken

Gute Lehrlinge werden immer knapper

Wegen der sinkendenZahl der Schulabgänger werden immer weniger neue Ausbildungsverträge abgeschlossen.

Teilen
Folgen

Wirklich gute Azubis sind im Elbland rar geworden. Laut Auskunft der Handwerkskammer Dresden gibt es immer noch unbesetzte Lehrstellen, das werde sich auch in naher Zukunft nicht ändern. Deshalb müssen sich die hiesigen Firmen bereits jetzt nach potentiellen Bewerbern für das kommende Jahr umschauen.

Schulische Leistungen schlecht

Sonderlich leicht fällt ihnen das nicht. Denn in den vergangenen Jahren hat zum einen die Qualität und zum anderen die Anzahl der Lehrlinge deutlich abgenommen. Das bestätigte auch die Personalleiterin der Radebeuler Ellerhold AG, Rica Hommel. Das Niveau der Bewerber sei merklich zurück gegangen. Damit meine sie nicht nur die Schulleistungen, sondern generell das Verhalten und die Umgangsformen. „Bei uns ging das sogar soweit, dass wir das Lehrjahr erst im Oktober begonnen haben und nicht wie üblich im August.“ Erschwerend käme noch hinzu, dass manche der Lehrlinge ein halbes Jahr bräuchten, bis sie wirklich einsatzfähig seien. „Immerhin gibt es immer noch genug Bewerber, so dass wir unsere sechs Stellen besetzen können“, sagte Rica Hommel.

Manchmal besser verzichten

Das kann Michael Görnitz von der Obstbau GbR Görnitz & Sohn in Sörnewitz nicht behaupten. Er hat dieses Jahr keinen Azubi eingestellt. „Daran ist nicht nur die wirtschaftliche Lage schuld, sondern auch das Fehlen von passenden Auszubildenden.“ Hinzu käme, dass Gartenbau und Landwirtschaft nicht nur verpönt, sondern auch unterbewertet sei. „Viele kommen und denken, dass eine Mathe fünf und eine Deutsch vier ausreichen“, sagte Görnitz. Einen Bewerber mit solchen Noten habe er einmal eingestellt, aber der hatte es sehr schwer. Seitdem verzichtet Michael Görnitz lieber darauf, Stellen auf Zwang zu besetzen.

Bei der Handwerkskammer Dresden beklagten sich zahlreiche Mitglieder über genau diese Dinge, die Rica Hommel und Michael Görnitz angesprochen haben. „Es gibt mehrere Gründe, warum Firmen derzeit immer schlechter Lehrlinge finden“, sagte HWK-Sprecherin Kornelia Schreiber. Manchen sind die Hände wegen der Wirtschaftskrise gebunden. Bedeutender sei aber, dass es wegen des oft bemühten demografischen Wandels viel weniger Bewerber als früher üblich gibt. „Hinzukommt, dass die jungen Leute nicht die besten schulischen Voraussetzungen haben“, sagte Schreiber. Das fange schon mit lesen, schreiben und rechnen an. Den meisten fehle es außerdem an Kenntnissen über einen bestimmten Job. „Große Firmen sichern sich deshalb schon früh die besten Lehrlinge. Das tun sie meist über Praktika oder Aktionstage“, sagte Kornelia Schreiber.

Lehrlinge springen ab

Genau das macht man beim Staatsweingut Schloss Wackerbarth in Radebeul bereits. In den Ferien gibt es Schnupperwochen, bei denen sich Interessierte über das Berufsbild eines Winzers oder Küfers informieren können. „Damit wissen die Jugendlichen, was bei uns auf sie zukommt“, sagte Wackerbarth-Marketingleiterin Ulrike Schröter. Überhaupt seien die angebotenen Berufe so speziell, dass überhaupt keine Nachwuchssorgen bestehen. „Wir können uns die Azubis nach wie vor aussuchen“, so Schröter.

So war das bei der Walzengießerei Coswig früher auch. Mittlerweile sei die Anzahl der Bewerbungen um 40 Prozent zurückgegangen. „Und dann bewerben sich C&C- Dreher mit einer Mathe und Physik fünf“, sagte Geschäftsführer Wilfried Pfaffe. Immerhin findet er aus den Angeboten immer noch seine sechs Lehrlinge.

Doch auch bei ihm bleibt manchmal eine Stelle unbesetzt. „Es kommt vor, dass Leute abspringen, die bereits einen Vertrag bei uns unterschrieben haben. Das kann man nicht so schnell neu besetzen“, so Pfaffe. Robert Reuther