merken
PLUS

Gute Stadtentwicklung sieht anders aus

über gestoppte Bauvorhaben in Freital

Matthias Weigel

Gehen Sie auch so einkaufen wie die Stadt Freital? Dann müssten Sie heute in einen Laden gehen und sich einfach mal irgendeinen Fernseher gönnen. Ob Sie den brauchen können oder ob der überhaupt in ihre Schrankwand passt, ist erst einmal egal. Hauptsache gekauft. So ähnlich ist das bei der Lederfabrik gelaufen. 700 000 Euro für ein Gebäude, bei dem man inzwischen nicht einmal weiß, was man damit anfangen will.

Anzeige
Kleine Helfer beim Hören
Kleine Helfer beim Hören

Die kaum sichtbaren Im-Ohr-Hörsysteme sind ein angenehmer Begleiter, die den Alltag erleichtern. Jetzt bei "der horchladen" kostenfrei testen.

Sicher stünde es Freital gut zu Gesicht, wenn die Bruchbude im Herzen der Stadt saniert, genutzt – oder alternativ abgerissen wäre. Doch sollte das nicht so halbwegs feststehen, bevor ich enorme Beträge investiere? Und bevor ich die anteiligen Eigenmittel nicht vielleicht doch in die letzten dringenden Sanierungsprojekte von Schulen, Kitas und Sozialprojekten gesteckt hätte?

Der Blick auf die Lederfabrik und andere Beispiele zeigt, dass in Sachen Stadtentwicklung derzeit einiges schiefläuft in Freital. Auch der Bahnhof Potschappel wurde ohne bestätigte Folgekosten und Nutzungsmöglichen im Blick gekauft. Und aus informierten Kreisen ist nun zu hören, dass selbst die geplante Umgestaltung des Neumarktes und die neue Stadtmitte wieder auf den Prüfstand sollen.

Verwunderlich ist derlei Hickhack nicht. Denn schon länger fehlt ein aktuelles, schlüssiges und detailliertes Stadtentwicklungskonzept, dass Stadtrat, Rathaus und die Bürger verbindlich mitragen – und das finanzierbar ist. Der Missstand macht die aktuelle Stadtpolitik anfällig: für Alleingänge, Schnellschüsse und Nachbesserungen. Und dafür, dass Prioritäten oft nur nach der Verfügbarkeit möglicher Fördergelder gesetzt werden. Das lähmt zuweilen, wird teilweise teurer und geht mitunter an den wirklichen Bedürfnissen der Freitaler vorbei.