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Nicht nur an die Kernstadt denken

Der Kamenzer OB Dantz plädiert für Angebote auch an Eigenheimwillige, damit das Mittelzentrum am Ende auch wachsen kann. Die kompakte Stadt bleibt aber im Fokus.

© PR

Herr Dantz, Citymanagerin Anne Hasselbach hat für eine Stadtplanung plädiert, die dem Wohnen in der Innenstadt mehr Gewicht gegenüber dem Eigenheim auf der grünen Wiese einräumt. Teilen Sie diese Einschätzung?

Die Drittelstunde – der SZ-Podcast

Aktuelle Themen sowie Tipps und Tricks für den Alltag: Fabian Deicke stellt Experten verschiedener Gebiete die Fragen der SZ-Community.

Es ist richtig, wenn Frau Hasselbach für die Verdichtung des städtischen Gebietes das Wort ergreift. Allerdings kann die Stadtplanung eines Mittelzentrums wie Kamenz natürlich nicht allein auf die historische Kernstadt fokussiert sein.

Sondern?

Man muss das Eine tun, ohne das Andere zu lassen. Wenn Kamenz von der sich abzeichnenden wirtschaftlichen Entwicklung profitieren will, muss die Stadt vor allem auch Wachstumspotenziale erschließen. Genau darum geht es ja auch in der Debatte zum Leitbild 2030. Wir können nicht wollen, dass Ansiedlungswillige am Ende einen Bogen um die Stadt machen, da die Region schrumpft. Auch Kamenz kann und soll von den Entwicklungen bei Müllermilch, Bosch oder Daimler profitieren.

Der Citymanagerin ging es um die bewusste Hinlenkung von Ansiedlung in die Innenstädte ...

Zunächst braucht es Interessenten an einer Wohnansiedlung in der Stadt. In dieser Phase sollte man möglichst offen sein. Entscheidend ist dabei zunächst, wo die Interessen der Nachfrage liegen? Es gibt – aus verschiedenen Gründen – eine große Anzahl an Bauwilligen für Eigenheime. Zum Beispiel auch in unseren Ortsteilen oder auch in Schönteichen. Gegen diese Entwicklung kann sich eine Stadt wie Kamenz nicht ohne Weiteres stellen. Sonst bleiben diese Interessenten ganz weg.

Es bleibt dennoch die Frage, ob man das Wohninteresse nicht auch auf die historische Altstadt fokussieren könnte?

Das ist gewiss möglich, aber zunächst muss man in Gesprächen herausfinden, was die Interessenten wollen. Es sind meist jüngere Leute, die erfolgreich eine Familie gegründet haben. Man ist ausreichend mobil, sodass häufig das Eigenheim mit Garten als besonders erstrebenswert erscheint. Es wäre ja schön, würden sich mehr jüngere Leute dazu entscheiden, eine weitaus schwierigere Immobilie in der Innenstadt zu entwickeln. Schlange stehen sie nicht gerade.

Das bräuchte dann halt mehr maßgeschneiderte Einzellösungen, die die Stadt mitbefördert ...

Genau – und da stehen uns im innerstädtischen Fördergebiet ja auch Möglichkeiten offen. Auch deshalb haben wir das historische Feuerhaus in der Kurzen Straße oder auch die Pulsnitzer Straße 10 erworben. Hier werden Exposés erstellt, die privaten Investoren ein Engagement schmackhafter machen. Das hängt vom Konzept ab, und wie schwierig das sein kann, hat ja auch die Genossenschaft an der Bautzner Straße 13 schon erfahren. Erst mit dem jetzt angestrebten Inklusionsprojekt ergibt sich möglicherweise eine Förderkulisse, die das Vorhaben auf den Weg bringt. Übrigens auch mit einem höheren Eigenanteil der Stadt, über den der Stadtrat entscheiden muss.

Sollte das nicht Schule machen?

Durchaus, aber noch einmal: Das städtische Portfolio für Wohninteressenten muss breit aufgestellt sein. Das hat nichts mit „Verantwortungslosigkeit“ zu tun, die Anne Hasselbach vor allem in den Großstädten, aber offenbar nicht nur dort sieht. Wenn wir in Kamenz auf die demografische Entwicklung richtig reagieren wollen, müssen wir ja auch Kamenz-Ost weiter im Blick haben. SWG und WBG ertüchtigen ihre Bestände, indem sie ihren älteren Mietern den Weg in den fünften Stock erleichtern. Dazu brauchen die Unternehmen die Unterstützung des Freistaates. Was dazu jetzt auf dem Tisch liegt, reicht nicht aus.

Gespräch: Frank Oehl