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Gute Vorsätze an den Nagel gehängt?

Wer damit im Januar gescheitert ist, muss nicht wieder bis Neujahr warten. Am besten jetzt gleich noch mal beginnen.

Gute Vorsätze, vor allem die zu Neujahr, sind meist recht schnell vergessen. Wie der, sich mehr zu bewegen. Für den Erfolg am besten mit kleinen Schritten anfangen.
Gute Vorsätze, vor allem die zu Neujahr, sind meist recht schnell vergessen. Wie der, sich mehr zu bewegen. Für den Erfolg am besten mit kleinen Schritten anfangen. © Foto: Joachim Rehle

Weißwasser. Wissen Sie noch, was Sie sich in der Silvesternacht vorgenommen haben? Sich mehr bewegen, gesünder essen, weniger Süßigkeiten, mit dem Rauchen aufhören oder sich mehr Zeit für Freunde oder Familie nehmen – das ist nur eine Auswahl der Vorsätze, mit denen die meisten Menschen ins neue Jahr starten. „Mehr als 90 Prozent davon scheitern“, schätzt Dr. Annett Hentschel. „Weil die Vorsätze entweder viel zu abstrakt gefasst oder nicht wirklich ernst gemeint sind“, fügt sie hinzu.

Die gebürtige Hoyerswerdaerin hat in Dresden studiert. Der Arbeit wegen kam sie vor Jahren nach Weißwasser, war zunächst in einer Ambulanz tätig, die dann jedoch geschlossen wurde. Seit 2014 betreibt sie eine eigene psychotherapeutische Praxis in Weißwasser. Dabei bekommt es Dr. Annett Hentschel immer wieder mit guten Vorsätzen zu tun, wenn auch nicht in der Art, wie sie in der Silvesternacht oder zu Neujahr allgemein üblich sind.

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Im Rahmen der klinischen Psychotherapie berät sie in Weißwasser Menschen, die beruflich stark eingebunden sind. Sie haben nicht selten den guten Vorsatz, sich mehr Zeit zur Erholung zu nehmen. Dem stehe aber oft der Gedanke entgegen, dass man sich erst erholen kann, wenn alles fertig ist. Dann vermittelt sie den Betreffenden, dass es nichts bringt, den guten Vorsatz auf später zu verschieben. „Mit allem fertig, das ist man doch nie“, sagt sie. Menschen, die einen starken Verlust erleiden, seien viel eher bereit, ihr Leben zu verändern. Diejenigen, die in einem Hamsterrad feststecken, gucken nicht nach rechts und nicht nach links, stellt die 42-Jährige immer wieder fest.

Gute Vorsätze bedeuten Veränderung. Und die laufe in aller Regel nach einem Schema ab. Aus eingefahrenen Schienen auszubrechen, das setze einen Leidensdruck voraus und die Erkenntnis, dass man ein Problem hat, erklärt sie. Beispielsweise auf das Rauchen bezogen bedeute das, wer es genießt, hat keinen Leidensdruck. Den bekommt erst, wer zum Beispiel Schleim hustet oder von Partner oder Partnerin vor eine Entscheidung gestellt wird. Wer sich womöglich im Urlaub oder bei einem x-beliebigen Anlass zu dem Entschluss durchringt, das Rauchen aufzugeben, der sollte damit nicht bis zum nächsten Neujahr warten. Bis dahin könnte die Motivation schon wieder im Eimer sein. „Vielleicht sogar, weil man auf der Silvesterparty so schön geraucht hat“, gibt Annett Hentschel zu bedenken. Sie selbst hörte im September 2016 mit dem Rauchen auf. Allerdings greife sie gelegentlich noch zur Zigarette. „Auch wir Psychotherapeuten sind ja nur Menschen“, sagt sie. Die Umsetzung eines guten Vorsatzes könne erfolgversprechender sein, wenn man das Vorhaben in kleinen Schritten angeht. Etwa die Tagesmenge reduziert oder nur noch zu Anlässen raucht. Das funktioniere aber nicht bei den Menschen, die richtig abhängig sind.

Vom Vorhaben selbst überzeugt sein

Neujahrsvorsätze würden in ihrer Familie kaum gefasst. „Wenn wir uns etwas vornehmen, fangen wir damit an, egal zu welchem Tag des Jahres“, sagt sie. Und dennoch kennt auch die Psychotherapeutin Momente, in denen ein guter Vorsatz scheitern kann. Wenn der Fahrradhelm noch so schick ist, setzt man ihn nicht auf, weil es an dem Tag gerade mit der Frisur nicht passt, erklärt sie als Beispiel. „Wenn der Sohn aber sagt, wenn die Mutti keinen Helm aufhat, will ich auch keinen, dann ist das die Motivation für einen selbst“, so die Mutter zweier Kinder, die mit ihrer Familie in Dresden lebt. Schließlich wolle man ja, dass die Kinder einen Fahrradhelm tragen. Also setze man auch selber einen auf. Insofern beeinflusse das Umfeld, ob man seinen guten Vorsatz in die Tat umsetzt.

„Wenn jemand von einer Sache überzeugt ist, geht alles“, sagt Annett Hentschel. Generell aber sollte man sich nur das vornehmen, was man wirklich erfüllen kann. Das Vorhaben, zweimal die Woche ins Fitnessstudio zu gehen oder zu joggen, macht für einen Sportmuffel keinen Sinn. Besser wäre es, sich erst einmal mehr zu bewegen, etwa beim Spazierengehen oder die Treppe statt den Aufzug nehmen. Und man brauche einen Plan. „Damit man gewappnet ist, wenn es schwierig wird“, begründet die Psychotherapeutin.

Zu scheitern sei nicht schlimm. Am besten ziehe man daraus die Motivation, gleich noch mal neu zu beginnen. Soll heißen, wenn man im November merkt, dass man sich trotz aller guten Vorsätze wieder kaum mit der Freundin getroffen hat, sei es „am besten, sich sofort für den Weihnachtsmarkt zu verabreden“. So habe man ein Erfolgserlebnis und die Aussicht, es im nächsten Jahr besser zu machen. „Es ist total gut für das Selbstbewusstsein, wenn die ersten Schritte des guten Vorsatzes geglückt sind“, sagt Annett Hentschel. Dabei dürfe man nicht vergessen, sich für den Erfolg, auch für einen kleinen, selbst zu belohnen. Sich selbst auf die Schulter klopfen oder sich etwas gönnen. Das hilft, dass ein guter Vorsatz nicht nur ein Vorsatz bleibt.

Dr. Dipl.-Psych. Annett Hentschel bekommt es in ihrer Praxis in Weißwasser oft mit Menschen und ihren guten Vorsätzen zu tun. 
Dr. Dipl.-Psych. Annett Hentschel bekommt es in ihrer Praxis in Weißwasser oft mit Menschen und ihren guten Vorsätzen zu tun.  © Foto: Constanze Knappe

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