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Gute Vorzeichen trotz akuter Flaute

Das Dezember-Sachsenbarometer ist stabil – und liefert Gründe, optimistisch zu sein

© Robert Michael

Von Lars Radau

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Im Grunde, sagt Rainer Möbius lachend, spüre er gerade die Auswirkungen der letzten Bundestagswahl. Doch eigentlich ist dem Geschäftsführer der Sächsischen Bau GmbH, die zur Wiebe-Gruppe gehört, nicht wirklich zum Lachen zumute. Die in Dresden ansässige Firma hat sich auf öffentliche Infrastrukturprojekte spezialisiert. Die 350 Mitarbeiter sind vor allem mit der Planung und dem Bau von Eisenbahn-Anlagen befasst – vom Bahnsteig über Gleis- und Tiefbau hin zur Wartung, Sanierung oder dem Neubau von Brücken. Und wenn Möbius sich den Auftragsvorlauf für dieses Jahr anschaut, kommt er „eher zu einer schlechten Prognose“.

Denn auch wenn die Bundestagswahl schon im September 2013 war – ihre bremsende Wirkung entfaltet sich erst jetzt. „Ein Jahr vor einer Wahl entscheidet niemand mehr etwas“, sagt Möbius. Schon gar nicht Infrastrukturprojekte mit großem Investitionsvolumen und langen Vorlaufzeiten. Deshalb kommt der Einbruch jetzt für Möbius nicht gänzlich unerwartet - und seine Firma ist „bei weitem“ auch nicht die einzige, die darunter leidet. Gleichwohl, sagt der Geschäftsführer, müsse er sehen, wie er seine Mitarbeiter über die Flaute bekommt. „Eventuell werden wir Kurzarbeit anmelden müssen“, sagt Möbius. Leute entlassen will er aber „auf keinen Fall“ – nicht nur, weil Fachkräfte schwer zu finden sind. Sondern auch, weil ein Ende der Durststrecke absehbar ist: Die Finanzmittelplanung des Bundes deute darauf hin, dass es für die Jahre ab 2016 wieder mehr Ausschreibungen geben werde.

Bau Geräteauslastung auf historischem Höchststand

Und wirklich unzufrieden ist Möbius mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr auch nicht. 2014 steht bei der Sächsischen Bau GmbH ein Umsatz von rund 70 Millionen Euro. „Wir hatten bis zum Jahresende gut zu tun“, sagt Rainer Möbius. Das wiederum deckt sich mit den Daten des Sachsenbarometers: Danach waren die sächsischen Baufirmen im Dezember 2014 so kräftig ausgelastet wie schon seit Anfang 1997 nicht mehr. Die durchschnittliche Geräteauslastung habe mit fast 80 Prozent ein historisches Höchstniveau erreicht, sagt Robert Lehman, Mitarbeiter am Dresdner Ifo-Institut. Auch zum Jahresende setzt das sächsische Bauhauptgewerbe seine Seitwärtsbewegung auf hohem Niveau fort.

Verarbeitendes Gewerbe: Produktionspläne verbessert

Dagegen beurteilen die Firmen der sächsischen Industrie ihre Geschäftslage etwas besser als im Vormonat. Erfreulich sind ebenfalls die Zukunftsperspektiven: die befragten Industriefirmen erwarten günstigere Geschäfte im ersten Halbjahr 2015. Dies ist nicht zuletzt Ausdruck der Exporterwartungen. Das Auslandsgeschäft dürfte den Angaben der Unternehmen in Sachsen zufolge wieder positive Impulse liefern.

Handel: Ausblick weniger pessimistisch

Auch das Geschäftsklima im sächsischen Handel hat sich im Dezember verbessert. Zwar bremste der Großhandel die gesamte Entwicklung, der sächsische Einzelhandel hingegen zeigte sich zufriedener mit seinen Geschäften. Für 2015 haben sich die Vorzeichen insgesamt verbessert. Die Firmen aus beiden Handelsstufen erwarten einen nicht mehr so ungünstigen Geschäftsverlauf in den ersten sechs Monaten 2015.

Spürbar weniger Pleiten

Dass die wirtschaftliche Lage im Freistaat zurzeit stabil ist, zeigt sich auch in der Zahl der Unternehmensinsolvenzen. Davon gab es 2014 im Freistaat knapp 1000. „Das ist der niedrigste Wert seit 20 Jahren“, sagt Thomas Schulz, Prokurist bei Creditreform in Dresden. Er führt den Rückgang der Pleite-Zahlen auf den einfacheren Zugang zu billigem Geld, die „positive Ertragssituation im Mittelstand“ und eine „gewisse konjunkturelle Stabilität“ zurück. Die erleichtere auch Jungunternehmern den Start: Sie waren deutlich seltener unter den Pleite-Kandidaten als in den vergangenen Jahren. „Das zeigt, dass die Entscheidung zur Unternehmensgründung mittlerweile weniger aus der Not heraus getroffen wird“, sagt Schulz. Die heutigen Gründer seien zudem vorbereiteter und oft kapitalstärker als ihre Vorgänger. Sowohl für Schulz als auch für Lehmann sendet das Dezember-Sachsenbarometer „gute Vorzeichen“ für 2015. (Rad)

www.ifo.de; www.dresden.creditreform.de

Das Sachsenbarometer, der Wirtschaftsindikator der SZ, erscheint monatlich in Kooperation mit der Dresdner Niederlassung des Ifo Instituts – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e.V. und der Wirtschaftsauskunftei Creditreform Dresden.

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