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Guter Start für Riesas neuen Wochenmarkt

Mit mehr Kunden als gedacht feiert die Marktschwärmerei im Stadtteil Gröba Premiere. Auch die Händler sind überrascht.

Erster Besuch in Riesas Marktschwärmerei: Gisela Barthel (links) holt sich bei Almuth Krenkel vom Pfarrgut Taubenheim einen bestellten Aufstrich ab.
Erster Besuch in Riesas Marktschwärmerei: Gisela Barthel (links) holt sich bei Almuth Krenkel vom Pfarrgut Taubenheim einen bestellten Aufstrich ab. © Sebastian Schultz

Riesa. Vor der offiziellen Eröffnung betätigt sich Ronny Krause als Parkeinweiser. Der Mitorganisator der Riesaer Marktschwärmerei steht in der Einfahrt zum Stadtteilhaus in Gröba und winkt einen Transporter herein. Die Parkplätze vor Ort sind natürlich für die Händler reserviert, sagt er und lächelt. "Die Kunden parken am besten auf dem Friedrich-Ebert-Platz. Oder, noch besser: kommen gleich mit dem Rad." 

Es herrscht gelöste Stimmung bei ihm und Claudia Pigors. Das Duo hatte sich zum Ziel gesetzt, im Juni mit seiner Alternative zum Wochenmarkt auf dem Rathausplatz zu starten - und das hat nun auch geklappt. Jeden Donnerstagnachmittag ist nun also "Markttag" auch in Gröba. Der Zuspruch zum Start macht den Beiden jedenfalls Mut, sagt Claudia Pigors. "Wir hatten über 45 Besteller, erwartet hatten wir um die 30." Klar sei aber auch, dass viele Besucher jetzt erst einmal probieren. Da könne es schon sein, dass sich die Besucherzahlen auf etwas niedrigerem Niveau einpendeln. "Das Ziel ist es, dass die Leute hier ihren Wocheneinkauf erledigen." Die Zahl aller Interessenten, die sich registriert haben, liegt derweil schon bei mehr als 200, Tendenz weiter steigend. 

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Vorbestellung im Internet

Der Wunsch, regionale Produkte zu bekommen, ist jedenfalls da - und das Konzept, mit dem Markt am Nachmittag ein etwas jüngeres Publikum anzusprechen, geht ebenfalls auf. Das sieht auch Frank Büttner so, der an seinem Stand Eier, Fleisch und Champignons vom eigenen Hof verkauft. Die Marktschwärmereien kennt er schon, er besucht auch die Pendants in Freiberg und Dresden. "Die Kunden sind wesentlich jünger", sagt der Landwirt, "es ist eben auch eine Computersache". 

Zwei ältere Damen, die spontan bei ihm Eier kaufen wollen, muss er vertrösten: Das System funktioniert nur per Vorbestellung auf der Internetseite der Marktschwärmerei. Bezahlt wird im Vorfeld, jeder Kunde bekommt eine Bestellnummer zugeteilt. Wer den Markt besucht, schaut deshalb öfter aufs Handy, ist dafür aber schnell mit seinem Einkauf durch - die Ware ist ja schon vorgepackt. Das Verfahren gibt beiden Seiten Sicherheit: Die Erzeuger wissen, ob sich eine Fahrt nach Riesa lohnt, und die Kunden sind sicher, alles zu bekommen, das sie kaufen.

Vom Salatkopf über Honig bis zu selbstgemachtem Pesto und Bio-Shampoo reicht derzeit die Palette. Viele Erzeuger hatten kleine Kostproben ihrer Ware dabei.
Vom Salatkopf über Honig bis zu selbstgemachtem Pesto und Bio-Shampoo reicht derzeit die Palette. Viele Erzeuger hatten kleine Kostproben ihrer Ware dabei. © Sebastian Schultz

Ein bisschen müsse man sich schon an das System gewöhnen, sagt Gisela Barthel.  Aber die Riesaerin lässt durchblicken: So schwer ist ihr das Vorbestellen über die Internetseite nicht gefallen. Am Stand des Pfarrguts Taubenheim holt sie sich einen Frischkäse-Aufstrich, beim Obsthändler aus Weinböhla ein paar Äpfel. "Ich finde es gut, dass man so an regionale Produkte kommt", sagt die Merzdorferin. Die 30 Kilometer zum Produzenten würde sie sonst wegen eines Apfels nicht fahren, und auf dem Wochenmarkt stehe nun ausgerechnet dieser Händler nicht. Den Markt auf dem Rathausplatz besucht sie trotzdem ebenfalls regelmäßig. 

Die Kunden werden kritischer

Zum Auftakt bieten die Händler auch die eine oder andere Kostprobe an, vom Wein bis hin zum Käse-Knäckebrot. Bei Leander Hoyer vom noch jungen Unternehmen Apinima können die Kunden Shampoos auf Naturbasis testen, die ohne Plastik auskommen. Seit Corona geht bei dem Dresdner Unternehmen die Nachfrage durch die Decke, sagt Hoyer. Auch auf dem kleinen Markt in Riesa sei das Interesse groß. "Es ist mehr, als ich gedacht hätte." 

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Es ist ein Fazit, das am Ende alle befragten Händler ziehen. Frank Büttner ist froh, dass das Bewusstsein für regionale Produkte und Kontakt zu den Erzeugern steigt. Der Landwirt war mit seinem Hof bis 2013 in der Milchproduktion tätig. "Dann habe ich mal bis 1991 zurückgerechnet, was für einen Durchschnittspreis ich mit der Milch erziele." Der Preisdruck zwang ihn, umzusatteln. Jetzt ist die Familie in halb Sachsen unterwegs. Das bedeutet auch hohen Aufwand, ist aber offensichtlich auskömmlicher. Frank Büttner rechnet damit, dass das Bewusstsein fürs regionale Einkaufen beim Erzeuger weiter zunehmen wird. Dafür sorgen nicht zuletzt Skandale bei großen Produzenten wie zuletzt der Corona-Ausbruch bei Tönnies. "Das Bewusstsein der Leute ist gestärkt, die hinterfragen auch: Wo kommt das her?" 

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