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Guter Ton im Schulhaus

Das Berufliche Schulzentrum Görlitz hat auch ein Aufnahmestudio. Die Produktionen sind vielfältig.

Von Ralph Schermann

Martin Handke greift in die Saiten. Mit der Gitarre kennt er sich aus, bevor er im Beruflichen Schulzentrum Görlitz dieses Instrument und auch das Spiel auf der Flöte lernen musste. Diese Instrumente gehören zur Ausbildung jener jungen Leute, die Staatlich anerkannte Erzieher werden wollen. Bei ihrem späteren Beruf in Kindergärten, Schulhorten oder ähnlichen Einrichtungen ist Musikalität ein Muss. Da hat es Martin Handke gut – er besitzt solche Erfahrungen bereits aus der Mitarbeit in einer Band. Und in der Erzieher(innen)-Klasse ist er sowieso etwas besonderes: Noch dominieren die Damen den Beruf, 24 an der Zahl, und Martin sowie ein weiterer Schüler sind die kleine männliche Komponente in diesem zweiten Ausbildungsjahr.

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Anne Zimmer singt in der Sprecherkabine des Studios das anspruchsvolle „Hallelujah“ von Leonard Cohen ein.
Anne Zimmer singt in der Sprecherkabine des Studios das anspruchsvolle „Hallelujah“ von Leonard Cohen ein.
Martin Handke hat schon in einer Band gespielt und kennt sich auf der Gitarre gut aus. Im seit fünf Jahren bestehenden Tonstudio auf der Carl-von-Ossietzky-Straße es ihm deshalb leicht, seine Mitschülerinnen der Erzieherklasse im zweiten Ausbildungsjahr b
Martin Handke hat schon in einer Band gespielt und kennt sich auf der Gitarre gut aus. Im seit fünf Jahren bestehenden Tonstudio auf der Carl-von-Ossietzky-Straße es ihm deshalb leicht, seine Mitschülerinnen der Erzieherklasse im zweiten Ausbildungsjahr b

Felicitas Jackisch, die Fachlehrerin für Musik, ist sehr zufrieden mit ihren Schützlingen. „Da sind viele Talente dabei, das macht Spaß“, sagt sie. Grund genug, deren musikalische Leistungen festzuhalten. Das ist im Beruflichen Schulzentrum (BSZ) seit 2009 machbar, denn solange schon besteht ein eigenes Ton- und Fernsehstudio. Die gesamte Klasse stellte 14 Musikstücke zusammen, um dort eine CD als Erinnerung an ihre Ausbildungszeit einzuspielen. Von Januar an wurde geprobt, jetzt an zwei Tagen die Scheibe aufgenommen. „Es war schon toll, wie konzentriert alle dabei waren“, lobt Felicitas Jackisch. Dabei galt es, sehr anspruchsvolle Stücke zu schaffen. Der späteren Arbeit gerecht werdende Kinderlieder sind ebenso zu hören wie das poetische „Sind so kleine Hände“ von Bettina Wegner oder das den The Cranberries entlehnte „Zombie“. Der mit Plastebechern den Rhythmus unterstreichende „Cup song“ nach der USA-Filmkomödie „Pitch perfect“ klingt unglaublich präzise. Songs und Instrumentals wechseln sich ab, und das Ganze mündete in den tieferen Sinn des CD-Mottos: „Einsam sind wir Töne, gemeinsam sind wir ein Lied!“

Für Thomas Warkus war es ein weiteres Sonderprojekt. Der Lehrer für Deutsch und Geschichte ist der Verantwortliche für das Studio. „Entstanden ist es aus einem alten Computerkabinett mit viel Eigenleistung“, berichtet er. Am Anfang war ein Mikrofon und eine kleine Video-8-Kamera, heute gibt es drei Filmschnittplätze, semiprofessionelle Aufnahmegeräte und sogar eine schalldichte Sprecherkabine.

Schulleiterin Helga Schiefer sieht in dem Multimediaraum genannten Studio eine sinnvolle Bereicherung der Ausbildung, denn das Fach Medienkompetenz steht in den meisten Kursen im Lehrplan. „Die Schüler sind mit Begeisterung dabei, wenn Ton- oder Filmprojekte anstehen“, sagt sie und dankt dem Landkreis als Schulträger für die finanzielle Absicherung. Sie dankt auch dem Sächsischen Ausbildungs- und Erprobungskanal (Saek) Görlitz, dessen Mitarbeiter das BSZ unterstützen. So manches ist in diesem Studio schon entstanden, worüber viele staunten. Die Multimedia-Schau „100 Jahre Schulstandort Carl-von-Ossietzky-Straße“ begeisterte und wurde dutzendfach nachgefragt. „Bedaure“, müssen Helga Schiefer und Thomas Warkus dann immer wieder sagen, denn das von der Gema verwaltete Urheberrecht der einzelnen verwendeten Musikgrundlagen verbietet einen Vertrieb der Ton- und Bildträger über den Schulgebrauch hinaus.

Dabei wären einige Arbeiten durchaus für ein größeres Publikum geeignet, zum Beispiel ein Feature über den 17. Juni 1953 in Görlitz. Wie perfekt an diesem Studio von den Schülern gearbeitet wird, belegen zudem zahlreiche Auszeichnungen. So räumte das BSZ 2010 beim Landeswettbewerb des Sächsischen Kultusministeriums mit der Videoumsetzung der Ballade „Der Erlkönig“ im Grundkurs Literatur höchste Ehren ab, erhielt den Görlitzer Medienpreis 2010 für das Video „Die Kunst des Verlierens“ und kann stolz auf den Bundespreis im Geschichtswettbewerb 2009 verweisen.

Überhaupt dient die Einrichtung in erster Linie den Literaturausbildungen, der Medienkompetenz und dem wissenschaftlichen Praktikum am beruflichen Gymnasium. Mindestens zwei größere Projekte laufen jedes Jahr, vor allem Gedichtinterpretationen mit den Mitteln von Video oder Hörspiel und eben für die Sozialpädagogik wie die jüngste musikalische Arbeit. Für diese leistete Anne Zimmer Schwerstarbeit. Die 23-Jährige übernahm für die CD den Titel „Hallelujah“ von Leonard Cohen. Die Töne meisterte sie perfekt. „Seit 1997 singe ich in Chören“, erzählt sie und ist ohnehin ein musikalischer Gewinn: Nach Melodika und Akkordeon spielt sie im Jugend-Show-Orchester Görlitz Schlagzeug. Kein Wunder, dass sie da im Studio des Beruflichen Schulzentrums den Rhythmus auf der Kistentrommel vorgab und damit für den letzten Pfiff auf der neuen CD sorgte.