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Gewinner und Verlierer im Weihnachtsgeschäft

Der Handelsverband hatte von stagnierenden Umsätzen berichtet. In Riesa fällt die Bilanz gemischt aus.

Von Stefan Lehmann & Uta Büttner
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Jana Heimbold zeigt die Geschenk-Dukaten, die die Parfümerie Vitalis in Riesa als Alternative zu normalen Gutscheinen anbietet. Zum Weihnachtsgeschäft waren die Münzen der Renner schlechthin, sagt Chefin Sabina Richter.
Jana Heimbold zeigt die Geschenk-Dukaten, die die Parfümerie Vitalis in Riesa als Alternative zu normalen Gutscheinen anbietet. Zum Weihnachtsgeschäft waren die Münzen der Renner schlechthin, sagt Chefin Sabina Richter. © Sebastian Schultz

Riesa. So ganz zufrieden waren Deutschlands Einzelhändler nicht mit dem Weihnachtsgeschäft im vergangenen Jahr. Laut Handelsverband Deutschland blieben die Umsatzzahlen im bundesweiten Durchschnitt vor dem vierten Advent hinter den Erwartungen zurück. Besonders der Innenstadthandel klagte demnach über geringe Kundenzahlen.

Von Jubelschreien über das Weihnachtsgeschäft sind auch viele Riesaer Einzelhändler weit entfernt. Allerdings: Klagelieder seien ihr bisher auch noch nicht zu Ohren gekommen, sagt Claudia Mückel-Branig von der Werbegemeinschaft Innenstadt (WIR). In ihrem Modegeschäft Toujours an der Hauptstraße spiele Weihnachten eher eine untergeordnete Rolle. 

„Bei uns sind die Saisonstarts und Jahreszeitenwechsel wichtiger.“ Vor Weihnachten habe sie lediglich gestiegene Gutscheinverkäufe verzeichnet. Das spiegelt auch den allgemeinen Trend wider, wonach in diesem Jahr Geld und Gutscheine zu den mit Abstand beliebtesten Weihnachtsgeschenken gehörten. Das kann auch Sabina Richter bestätigen, die in Riesa die Parfümerie Vitalis betreibt. 

Gutscheine, allen voran die Geschenk-Dukaten im Wert von fünf Euro, seien regelrechte Renner gewesen. „Ich war insgesamt sehr zufrieden“, sagt die Parfümerie-Chefin. „2018 lief schon gut, und dieses Jahr wieder.“ Sie schätzt, dass die Gutscheine etwa 40 Prozent des Weihnachtsgeschäfts ausgemacht haben.

Eher zurückhaltend fällt die Bilanz von Uhrmachermeister Steffen Kuge aus. Von einem sonderlich hohen Umsatz durch Weihnachten will er nicht reden. „Früher hat man um diese Zeit 20 Prozent des Jahresumsatzes gemacht“, sagt er. „Heute geben die Leute das Geld für andere Sachen aus.“ Und wenn es doch mal Uhren oder Schmuck sein sollen, dann fährt so mancher Riesaer offenbar lieber nach Dresden, wo spezielle Firmen ihre eigenen Läden betreiben. „Wir sind hier das Probierstübchen“, sagt Kuge. 

Was der Handwerker erzählt, trifft offenbar auf einige kleinere Händler zu. Auch bei Akustik Exklusiv an der Dr.-Scheider-Straße herrscht keine überschwängliche Freude angesichts der Nachfrage zu Weihnachten. „Allerdings bin ich auch nicht so den Trends unterworfen“, betont Inhaber André Eigebrecht. 

Sein Geschäft sei nun einmal eher Anlaufstelle für diejenigen, die höherwertige Fernseh- oder Musiktechnik suchten. „Insofern lief es 2019 nicht besser als im Vorjahr“, sagt er. Aber eben auch nicht schlechter. Bei Elektronikartikeln seien seiner Ansicht nach auch eher Mobiltelefone gefragt. „Gefühlt hat jeder Zweite zu Weihnachten ein neues Handy bekommen.“

Ein Anruf bei Mediamarkt in der Elbgalerie scheint das zu bestätigen. „In Riesa lief es überproportional gut“, sagt Geschäftsführer Volker Goßmann. „Seit Bestehen der Filiale war es das beste Weihnachtsgeschäft.“ Bei den gekauften Artikeln habe es gegenüber den Vorjahren wenig Überraschungen gegeben. Neben Smartphones seien auch größere Fernseher und Spielkonsolen gefragt gewesen. 

Und auch Mediamarkt habe mehr Gutscheine verkauft als Weihnachten 2018. „Das nimmt eigentlich jährlich zu.“ Ebenso wie die Zahl der Kunden, die Ware übers Internet bestellen und sich dann in die Filiale zur Abholung liefern lassen. Dieses Angebot hätten diesmal „exorbitant viele“ Menschen wahrgenommen.

Übers Internet bestellt und im Riesaer Geschäft abgeholt haben auch viele Kunden der Buchhandlung Thalia. „Das ist massiv gestiegen“, sagt Christian Hennig, Bereichsleiter für die Region Riesa, Großenhain und Meißen. Mittlerweile profitiere die Kette mehr vom Internet, als dass der Versandhandel dem Geschäft schade. 

Nach Geld, Gutscheinen und Süßigkeiten gehörten Bücher auch 2019 wieder zu den beliebtesten Weihnachtsgeschenken – auch in Riesa. Zu den Bücherbestsellern aus Riesa gehörten beispielsweise die Buchtitel „Die Reste frieren wir ein“, „Heilen mit Lebensmitteln“ und „Losungen für 2020“. 

Der Bereichsleiter jedenfalls ist sehr zufrieden mit dem Dezember, der traditionell noch vor Ostern und dem Schulbeginn zu den starken Verkaufszeiträumen gehört. „An Spitzentagen machen wir in der Zeit vor Weihnachten so viel Umsatz wie sonst in einer Woche.“ Verglichen mit den Vorjahren seien die Zahlen sehr stabil. „Das ist im Einzelhandel auch nicht unbedingt selbstverständlich“, betont Hennig.

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