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Gutshaus wird zum Ärztehaus

Zwei Praxen sollen im früheren Sitz des Verwaltungsverbandes Weißer Schöps/Neiße entstehen. Unklar ist noch, für welche Fachrichtungen.

Noch ist das Fiktion. Doch die Gemeinde arbeitet daran, aus dem früheren Sitz des Verwaltungsverbandes ein Ärztehaus zu machen, in dem auch die neue Inklusionsgesellschaft ihren Sitz bekommen soll.
Noch ist das Fiktion. Doch die Gemeinde arbeitet daran, aus dem früheren Sitz des Verwaltungsverbandes ein Ärztehaus zu machen, in dem auch die neue Inklusionsgesellschaft ihren Sitz bekommen soll. © André Schulze

Das magische Dreieck von Kodersdorf beginnt allmählich, seine Magie zu entwickeln. Mit einem Grundsatzbeschluss machten die Gemeinderäte in ihrer jüngsten Sitzung den Weg frei, das frühere Herrenhaus Schönfelder – jahrelang auch Sitz des Verwaltungsverbandes Weißer Schöps/Neiße – zu einem Ärztehaus und Bürogebäude umzubauen. 

Das Objekt ist Teil des Dreigestirns, zu dem auch die ehemalige BHG-Scheune in Kodersdorf und die alte Fabrikantenvilla in Kodersdorf-Bahnhof gehören. Diese Gebäude sind Bestandteil des Zukunftskonzepts „Nachhaltiges Gemeindeleben“, mit dem die Kommune im März bei dem vom sächsischen Landwirtschaftsministerium initiierten Wettbewerb „Ideen für den ländlichen Raum“ ein Preisgeld von 100 000 Euro gewonnen hatte. Dieses Geld fließt nun in den Umbau und die Sanierung des früheren Gutshauses. Insgesamt beträgt der geschätzte Kostenumfang rund 2,2 Millionen Euro.

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Mit einem Bauantrag im vereinfachten Genehmigungsverfahren geht das Vorhaben jetzt seinen weiteren Weg. In dem vom Nieskyer Planungs- und Ingenieurbüro Mathias Hennig ausgearbeiteten Papier werden die baulichen Ziele detailliert dargestellt. Jede der drei Etagen soll 314 Quadratmeter nutzbare Fläche umfassen, insgesamt also 942 Quadratmeter. Im Erd- und Obergeschoss sind die Räume unterteilt in Büros und Zimmer, die für jeweils eine Arztpraxis vorgesehen sind. Im Erdgeschoss soll die Praxis etwa 110 Quadratmeter groß werden, im Obergeschoss rund 120 Quadratmeter. Für beide Praxen sind je zwei Behandlungszimmer und ein Wartebereich vorgesehen. Im Erdgeschoss befindet sich zudem die gemeinsame Anmeldung. Die Büros, die über alle Etagen verteilt sind und die künftig von der Kodersdorfer Inklusions- und Service gGmbH genutzt werden sollen, verfügen über eine Gesamtfläche von rund 152 Quadratmetern.

Nach Informationen von Bürgermeister René Schöne sieht es mit der Belegung der beiden Praxen recht günstig aus. Angedacht sind zwei Allgemeinmediziner oder ein Allgemeinmediziner und ein Facharzt – zum Beispiel ein Kinderarzt. Man sei mit mehreren Kandidaten im Gespräch, so Schöne. Interesse sei vorhanden. Deshalb wolle man – wenn es dazu komme – mit den Umbaumaßnahmen im alten Gutshaus vorbereitet sein. Auch mit dem Landkreis und dem Ärztenetz Ostsachsen habe man Kontakt aufgenommen. Das bestätigt Netzwerk-Manager Hans-Joachim Tauch, der den Kodersdorfern Unterstützung bei der Suche nach Ärzten bereits zugesichert hat. Obwohl die Fertigstellung des Gebäudes sicher noch einige Zeit in Anspruch nehmen werde, sei es sinnvoll, sich bereits jetzt Gedanken über die Besetzung der Arztpraxen zu machen. 

Und Tauch weist noch auf eine andere wichtige Überlegung hin: „Spätestens wenn die Räume fertig sind, muss man Gewissheit darüber haben, in welchem Arbeitsverhältnis die Ärzte hier praktizieren sollen. Denn davon hängt auch die Anschaffung des Mobiliars und der Technik ab.“ Werden die Ärzte bei einem medizinischen Versorgungszentrum angestellt, das zum Beispiel auch die Kommune betreiben könnte, müssten sie sich nicht selbst um die Einrichtung der Praxen kümmern. Anders sähe das bei selbstständig niedergelassenen Ärzten aus. Diese Entscheidung, so Tauch, könne sich auch auf die Wahl der Kandidaten auswirken. Denn: „Junge Ärzte achten heute mehr auf die Vereinbarkeit von Beruf, Freizeit und Familie, lassen sich deshalb lieber anstellen.“

Ob und welche Fachrichtungen in dem künftigen Ärztehaus unterkommen, liegt im Wesentlichen aber an der Zulassung durch die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen (KVS). Sprecherin Katharina Bachmann-Bux: „Im Moment gibt es bei den Hausärzten im Versorgungsbereich Niesky 3,5 freie Zulassungsmöglichkeiten. Bei den Kinderärzten keine. Das kann aber 2021, wenn das Gebäude vielleicht fertiggestellt ist, schon wieder ganz anders aussehen.“ Deshalb könne man zum jetzigen Zeitpunkt keine pauschale Aussage darüber treffen. Sinnvoll sei, sich mit einem halben Jahr Vorlauf bei der KVS zu melden. 

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SZ-Redakteur Frank-Uwe Michel schreibt über das künftige Kodersdorfer Ärztehaus.

Durch eine im Juni vom Bund beschlossene neue Richtlinie zur Bedarfsplanung sind alle kassenärztlichen Vereinigungen auf Landesebene dazu aufgerufen, die Bedarfe bis zum Jahresende neu zu berechnen. Dadurch soll es zu einer höheren Ärztedichte kommen. Fraglich ist jedoch, ob die dann höheren Zulassungsquoten auch mit Ärzten untersetzt werden können.

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