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Gutsherrschaft mit Kompost-Klo

Jahnishausen. Die Lebens(t)raum-Gemeinschaft lud am Sonntag zum Tag des offenen Tores ins Rittergut.

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Von Manfred Müller

Wie kann man ein verfallenes Rittergut wieder zum Leben erwecken? Diese Frage stellten sich im Jahr 2001 sieben Frauen, die sich in das verlassene und zugewachsene Gelände des Jahnishausener Schlosses verliebt hatten. Sie brachten keine Millionen mit, dafür aber eine Riesenportion Enthusiasmus und Lebensmut. Sie gründeten eine Genossenschaft und begannen mit den Erhaltungs- und Umbauarbeiten. Von den Resultaten des fünfjährigen Engagements konnten sich Interessierte am Sonntag beim Tag des offenen Tores überzeugen.

Am weitesten ist die Sanierung der Torhäuser vorangeschritten. Zwölf Wohnungen und Gemeinschaftsräume wurden in die gelb verputzten Gebäude eingebaut. Da wächst ein Dachsparren schon mal fast aus der Badewanne, und im First thront wie ein Adlerhorst eine ungewöhnliche Schlafgelegenheit.

Wachstum ohne Zerstörung

Das Ungewöhnlichste aber ist die Organisation der Gemeinschaft. „Wir wollen das Anwesen mit Menschen aller Generationen teilen“, so Marita Schneider, eine der Gründerinnen. Da gibt es eine Gemeinschaftsküche, in der die Mahlzeiten gemeinsam zubereitet und verzehrt werden. „Unser Projekt fühlt sich grundlegenden Werten verpflichtet“, erklärt Schneider. „Wachstum ohne Zerstörung, der Achtung von Mensch, Tier und Pflanzen und der gesamten Umwelt.“

Da gibt es eine Biogärtnerei, die einen großen Teil der Lebensmittel produziert, eine gemeinschaftseigene Schafherde und ein Kraftwerk, das regenerative Energien nutzt. Die Kombination aus Solarstrom-Erzeugung, Sonnenkollektoren und einem Holzschnitzel-Heizwerk ist auf Wachstum ausgelegt – etwa 75 Menschen soll das Rittergut später einmal zur Heimat werden. Auch einige unkonventionelle Experimente gab es auf dem Gutsgelände zu besichtigen – etwa ein Kompost-Gemeinschaftsklo, das sich turmartig über die Landschaft erhebt. Über mangelndes Interesse konnte sich die Lebens(t)raum-Gemeinschaft am Sonntag nicht beklagen. Beim Vortrag über die Historie des Rittergutes musste ein Teil der Besucher draußen im Flur kiebitzen. Vielleicht hat dieser oder jener Gast bei einem Glas Bio-Holundersaft Geschmack an der ursprünglichen, friedvollen und dennoch keineswegs simplen Lebensweise der Jahnishausener Kommune gefunden.