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Wie groß sind die Probleme bei der Görlitzer Straßenbahn?

Die Stadt muss den Verkehrsbetrieben (GVB) mehr zuschießen, die Firma braucht Kredite. Doch der GVB-Chef findet das nicht dramatisch.

Endstation Haltestelle Neißepark in Königshufen: Bisher fährt die Straßenbahn noch mit alten Tatra-Fahrzeugen.
Endstation Haltestelle Neißepark in Königshufen: Bisher fährt die Straßenbahn noch mit alten Tatra-Fahrzeugen. © nikolaischmidt.de

Die Vorlage für die Stadträte klingt dramatisch. „Die Görlitzer Verkehrsbetriebe (GVB) haben keine Vorsorge für Mehraufwendungen im Jahr 2019 gebildet“, heißt es dort. 

Und weiter: „Die Gesellschaft kann aktuell ihre Liquidität durch temporäre Vorauszahlungen der monatlichen Gesellschaftereinlagen der Stadt Görlitz, neue Kreditfinanzierungen bereits angeschaffter Busse und Einräumung einer Kontokorrentkreditlinie darstellen.

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Darüber hinaus hat die GVB geplante Investitionsmaßnahmen wie die Anschaffung neuer Fahrausweisautomaten verschoben, um ihre Liquidität zu sichern. Diese Mehraufwendungen stellen eine erhebliche finanzielle Belastung für die GVB dar und schränken sie in der operativen und strategischen Handlungsfähigkeit deutlich ein.“

Heißt das, die Verkehrsbetriebe stehen kurz vor der Pleite? „Nein“, sagt GVB-Chef Andreas Trillmich entschlossen: „Wir haben eine solide Finanzlage, unsere Investitionen sind gesichert.“ Das betrifft neue Busse und Fahrscheinautomaten, aber auch den Kauf des Anlagevermögens, also von Gebäuden, Schienen und vielem mehr. Stimmt der Stadtrat am Donnerstag zu, kauft die GVB dieses Anlagevermögen für knapp 4,3 Millionen Euro von den Stadtwerken.

Den Betriebshof 1 in der Zittauer Straße 71 – neben dem Tierpark – kauft die GVB. Den Betriebshof 2 in der Zittauer Straße 109 in Weinhübel hingegen mietet die GVB nur teilweise an. „Das gesamte Grundstück zu übernehmen, ist nicht betriebsnotwendig“, sagt Rathaus-Sprecherin Sylvia Otto. Das Grundstück bleibt also bei den Stadtwerken. Die GVB nimmt für diesen Kauf einen neuen Kredit auf. Wenn die Räte am Donnerstag zustimmen, übernimmt die Stadt dafür die Ausfallbürgschaft.

In der Sitzung des Verwaltungsausschusses hingegen ging es um eine andere Sache. Bei der Sanierung des Postplatzes waren Verkehrsanlagen und Gleise um fast 100.000 Euro teurer geworden als geplant.

Dafür hat die GVB keine Rücklagen. Die Räte im Ausschuss stimmten einstimmig dafür, dass die Stadt diese Summe übernimmt. Trillmich gibt sich bei den Finanzen dennoch optimistisch: „Wir sind ein seriös aufgestelltes Unternehmen.“ Die große Herausforderung sei die relativ kurze Vorlaufzeit gewesen: Die GVB ist erst im Januar an den Start gegangen.

Neues Kundenbüro liegt im Plan

Seither sind viele Aufgaben parallel zu erledigen. Bei einigen liegt die GVB im Zeitplan, etwa beim Kundenbüro. Es zieht von der Theaterpassage an den Demianiplatz, in den bisherigen Pausenraum der Fahrer. Trillmich hatte Anfang September gesagt, dass das Kundenbüro im ersten Quartal 2020 eröffnen soll. Dieser Termin werde nach wie vor angestrebt, sagt GVB-Sprecher Andreas Kolley: „Wir bauen die neuen Räume seit Anfang Dezember um.“

Unaktuelle Internetseite

Anderswo gibt es Zeitverzug, zum Beispiel bei der Internetseite, die längst dreisprachig sein sollte. Aus Zeitgründen konnte das noch nicht umgesetzt werden, sagt Kolley. Die aktuelle Planung sehe vor, über die Wintermonate die nächste Ausbaustufe der Seite anzuschieben. Die Dreisprachigkeit solle „im Laufe des nächsten Jahres“ kommen, ergänzt Trillmich.

Die Aushänge und Liniennetz-Infos seien schon dreisprachig, nur bei der Internetseite fehle bisher die Zeit. Das war bis vorige Woche auch in der Rubrik „Die GVB“ sichtbar. Dort war noch der Vorstellungstext vom Januar zu lesen – mit Hinweis auf das (damals) „neue“ Fahrplanheft. Nach einem Hinweis der SZ wurde dieser Text vor wenigen Tagen ganz schnell überarbeitet. „Das war im Arbeitsstress der vergangenen Monate schlichtweg untergegangen“, bedauert Trillmich.

Dieser Text war bis vor wenigen Tagen auf der Internetseite der GVB zu lesen.
Dieser Text war bis vor wenigen Tagen auf der Internetseite der GVB zu lesen. © Vorlage: GVB

Zu wenig Bahnen - zu wenige Wagen im Schülerverkehr

Hauptgrund für den Stress sind die Vorbereitungen für den Kauf der Niederflur-Straßenbahnwagen. „Die Stadtbahn-Ausschreibung steht für uns im Mittelpunkt“, so Trillmich. Aktuell hat die GVB 14 Bahnen im Bestand, von denen drei in der Werkstatt sind. „Da wir für den vollen Betrieb 12 Bahnen brauchen, können wir vorübergehend leider nicht alle Fahrten im Schülerverkehr in Doppeltraktion abdecken“, sagt Kolley. Die Werkstattkollegen arbeiten mit Hochdruck daran, um gerade zu den Spitzenzeiten im Schülerverkehr alle verfügbaren Fahrzeuge nutzen zu können.

Ein Fahrzeug darf zunächst nur befristet bis August 2020 eingesetzt werden. Grund: Dieses Jahr wäre die große Inspektion drangewesen. Tatsächlich wurde nur die Sicherheitsinspektion gemacht, der Rest folgt 2020. „Es ist in einem sicherheitstechnisch einwandfreien Zustand“, sagt Kolley. Die GVB wollte dieses Fahrzeug unbedingt auch im Winter einsetzen.

Neben alledem fahren Busse und Bahnen seit Sonntag nach neuem Fahrplan. Wichtig für GVB und Stadt waren die Anschlüsse zwischen Eisenbahn und Stadtverkehr. Das funktioniert freilich nicht zu jeder Zeit in jede Richtung, denn nicht alle Straßenbahnen und Busse können immer gleichzeitig am Bahnhof sein. Stattdessen mussten Prioritäten gesetzt werden.

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„Wichtig war uns, dass bei allen Zügen, die nach 19.30 Uhr in Görlitz ankommen, noch Straßenbahnen und Busse der Linien 1, B und N in alle Stadtteile erreicht werden“, sagt der städtische Verkehrsplaner Jens Kunstmann. Morgens lässt sich der Zug, der 5.41 Uhr nach Dresden fährt, aus allen Stadtteilen erreichen. Zudem wurden die Verbindungen zur Hochschule besser an Züge aus und nach Dresden und Zittau angepasst, sagt Kunstmann.

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