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GWG saniert mit Augenmaß

Die Genossenschaft wird wieder etwa eine Million Euro in ihren Wohnungsbestand stecken – aber auch Schulden abbauen.

Von Jens Hoyer

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Eine ausgedehnte Fahrradtour ist fabelhaft – wenn sie gut vorbereitet ist.

Mit rund 700 Wohnungen ist die Gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft (GWG) Döbelns drittgrößter Vermieter. Die meisten der Häuser stammen aus den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts. Das ist ein ziemlich unproblematischer Wohnungsbestand. Was damals modern war, ist heute noch beliebt. Zwei Prozent Leerstand im sanierten Wohnungsbestand – das ist nicht viel, meint Vorstand Gisela Menzel. Aber die Probleme, ihn niedrig zu halten, werden größer. Mit einem Altersdurchschnitt der Mieterschaft von 56 Jahren liegt die GWG zwar deutlich unter dem manch anderer Genossenschaft. Allerdings sind schon etliche der Mitglieder über 80 Jahre alt. „Die wohnen bei uns schon lange. Manche gehen ins Pflegeheim oder ziehen zu Verwandten. Manche sterben auch“, sagte Gisela Menzel. In großen Stil Wohnungen altersgerecht anzupassen, davon hält Gisela Menzel aber nicht viel. „Es gibt jüngere Leute, die in solche Wohnungen nicht unbedingt einziehen wollen.“ An einigen Häusern an der Grimmaischen Straße und der Bahnhofstraße hatte die Genossenschaft Aufzüge angebaut – das habe sich gelohnt, meint sie.

Der Aufwand, um wieder Mieter in die Wohnungen zu bekommen, steigt. Auch weil die Einkommen in bestimmten Bevölkerungsgruppen sinken. „Viele Leute, die jetzt in Rente gehen, haben definitiv weniger Geld zur Verfügung“, sagte sie.

Frisch sanierte Wohnungen stehen nicht lange leer. In diesem Jahr will die GWG den Umbau eine Hauses an der Ludwig-Jahn-Straße auf dem Geyersberg abschließen. Von den fünf Wohnungen mit gehobener Ausstattung sind vier vergeben. „Wir klären schon Detailfragen mit den Mietern“, sagte der Vorstand. Eine Wohnung ist noch zu haben. Ein neues Vorhaben betrifft die Westvorstadt. An der Weststraße werden drei Aufgänge der sogenannten Soldatenhäuser mit Balkonen ausgestattet. Dazu gab es eine Umfrage unter den Bewohnern im vergangenen Jahr. 90 Prozent hatten sich für den Balkon ausgesprochen. Für die Mieter wird der Umbau nicht ohne Belastungen abgehen, denn er erfolgt im bewohnten Zustand. Die Wohnungen seien beliebt, sagte Menzel. „Es sind alle belegt, bis auf eine.“ Die Bewohner des Nachbarhauses in der Max-Planck-Straße seien noch nicht für die Balkone zu begeistern. Aber Gisela Menzel glaubt nicht, dass es dabei bleibt. „Wenn die Mieter das bei den anderen sehen, werden sie bestimmt auch Balkone wollen.“

Investitionen von rund 900 000 Euro sind in diesem Jahr für Umbau und Instandhaltung eingeplant. „Es wird wohl wieder eine Million Euro werden. Das ist für uns eine ganz schöne Summe. Wir müssen auch mal die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen in Ordnung bringen. Wir brauchen Rücklagen und müssen ein paar ältere Kredite abzahlen. Später werden wir vielleicht neue Darlehn brauchen“, sagte Gisela Menzel.

Unter anderem wird die Genossenschaft in diesem Jahr an der Geyersbergstraße Stellplätze für die Mieter herrichten. An denen mangelt es in diesem Wohngebiet. 2014 hatte die GWG auf dem Grundstück ein Wohnhaus abreißen lassen. Weitere Abrisse seien erst einmal nicht geplant, obwohl noch einige Häuser leerstehen. Sie sind von allen Medien getrennt und erzeugen nur minimale Kosten. Menzel will nicht ausschließen, dass sie später mal saniert werden – oder doch abgerissen. Das entscheide die Nachfrage. Auch den Neubau von Wohnungen schließt die Genossenschaft bei Bedarf nicht aus.

Dass der Spagat zwischen betriebswirtschaftlichem Denken und dem Anspruch der Mieter funktionieren kann, hat sich in der Weststadt gezeigt. Gisela Menzel ist immer noch überreascht, wie gut die Sanierung des Quartiers Grimmaische Straße, Lindenallee und Bahnhofstraße angekommen ist. Dort waren in den Häusern sowohl Wohnungen für den kleinen Geldbeutel wie auch anspruchsvollerer Wohnraum hergerichtet worden. Die Häuser sind praktisch voll vermietet.

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