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Gymnasiasten spielen erstmals Komödie

Laut Statistik lachen Kinder bis zu 200 Mal pro Tag, während Erwachsene es in der gleichen Zeit lediglich auf 15 Lacher bringen. Dieses für die ältere Generation nicht besonders schmeichelhafte Ergebnis hätte vergangenen Donnerstag mühelos revidiert werden können.

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Von Anne Fischer

Laut Statistik lachen Kinder bis zu 200 Mal pro Tag, während Erwachsene es in der gleichen Zeit lediglich auf 15 Lacher bringen. Dieses für die ältere Generation nicht besonders schmeichelhafte Ergebnis hätte vergangenen Donnerstag mühelos revidiert werden können. Denn bei der Premiere von „Der eingebildete Kranke“ verlachten allesamt ihr Monatspensum.

Das Ensemble des Franztheaters hatte auch seinen Spaß, in den sich eine gehörige Portion Erleichterung mischte. „Die Generalprobe zwei Tage zuvor war eine ziemliche Katastrophe“, sagte Juliane Thieme. Die 18-Jährige verlieh Beline, der hinterhältigen Zweitfrau des eingebildeten Kranken, meisterhaft ein Gesicht. „Glücklicherweise hat sich die alte Theaterweisheit bewahrheitet, dass die Premiere umso erfolgreicher wird.“ Besonders Annelie van Echterhoff brillierte in der Hauptrolle als Herr Argan, der sich für unheilbar krank hält und sich allen unsinnigen Anordnungen seiner quacksalbernden Ärzte bedingungslos unterwirft. Mit ihrem erstklassigen, komischen Talent und ihrer Mimik hätte die 15-jährige Schülerin die Stummfilm-Ära wieder aufleben lassen können. Argan, der ohne Einbildung ein gutmütiger Hausvater wäre, entwickelt sich schnell zum Tyrannen seiner Tochter Angelique. Doktor Purgo und Apotheker Fleurant hauen ihn gnadenlos übers Ohr – und das widerstandslos.

Es waren vor allem Situationskomik und Improvisationsreichtum der Mimen, die an diesem Abend deutlich machten, wie unterhaltsam und zeitnah Schauspielerei immer noch ist. Pannen blieben freilich nicht aus. „Auch die Souffleuse kam zum Einsatz“, wie Martin Hess es ausdrückt. Der 18-Jährige spielte Thomas Diafoirus, den Sohn des Herrn Doktors. Aber gerade Schnitzer sind es, die Theater so authentisch machen: Die Schauspieler müssen ein hohes Maß an Spontaneität und Kreativität aufweisen – eben gerade, weil der Zuschauer alles live erlebt, weil eine Szene nicht wie beim Film einfach wiederholt werden kann.

Würdige Nachwuchs-Mimen

Carola Damme, eine der beiden Leiterinnen des Franztheaters, ist vollauf zufrieden und sagte: „Die Premiere ist gut gelaufen und viele sind über sich hinausgewachsen.“ Man hätte sich all die Kritiker in die Sessel des Meißner Theaters gewünscht, die Bühnenkunst als unzeitgemäß verunglimpfen und den Schauspielern mangelnde Perfektion vorwerfen.

Die Schauspieler des Franztheaters haben bewiesen, dass sich nach dem Weggang der Zwölftklässler niemand um die Theatergruppe sorgen muss. Der Nachwuchs ist problemlos in der Lage, das „Erbe“ der Großen anzutreten.