merken
PLUS

Gymnasium wird ein Fall für die Richter

Der Landkreis Meißen will gegen den Standort Wilsdruff klagen. In Pirna ist man entsetzt.

Von Annett Heyse

Dass der geplante Neubau eines Gymnasiums in Wilsdruff im Meißner Landratsamt kritisch gesehen wird, ist seit Langem bekannt. Nun jedoch gerät in die Debatte um die Schulneugründung immer mehr Gift. Denn der Meißner Kreistag hat vergangene Woche beschlossen, alle rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, um das Projekt zu verhindern – und das einstimmig.

Anzeige
Anlagenmechaniker/ Netzmonteur gesucht!
Anlagenmechaniker/ Netzmonteur gesucht!

Ein sicherer Job bei einem etablierten Energieversorger gefällig? Die Stadtwerke Döbeln suchen kompetenten Nachwuchs (m/d/w).

„Wir wollen den Klageweg beschreiten, um Schaden vom Gymnasium Nossen abzuwenden“, sagt Dezernent Gerhard Rose. Zwar könne man die Pläne des Nachbar-Kreises nachvollziehen, halte den geplanten Standort jedoch für falsch. Die Befürchtung: Wird in Wilsdruff eine neue Schule gebaut, büße das Geschwister-Scholl-Gymnasium in Nossen massiv Schüler ein. Das könnte letztlich dazu führen, dass dort ganze Klassen wegfallen – und der Kreis Meißen Gefahr läuft, Millionen Euro Fördermittel zurückzuzahlen. Das Nossener Gymnasium war erst vor wenigen Jahren aufwendig saniert und erweitert worden. Im Pirnaer Landratsamt ist man ob solcher Drohgebärden baff. Und auch sauer. „Bei der ganzen Diskussion verlieren manche aus den Augen, um wen es eigentlich geht – um die Kinder“, sagt Beigeordnete Kati Hille. Im Raum Freital-Wilsdruff könnten sich für das Schuljahr 2015/16 bereits 191 Kinder anmelden. Aber das Weißeritzgymnasium kann pro Schuljahr maximal sechs Klassen bilden und dabei 168 Mädchen und Jungen aufnehmen. Schon jetzt ist es an der Kapazitätsgrenze angelangt – für das kommende Schuljahr haben sich aktuell 164 Kinder angemeldet. Weil das gerade noch passt, bleibt den Kindern eine Umlenkung an andere Schulen erspart. Hille: „Bereits die jetzt vorhandenen Kinder rechtfertigen ein dreizügiges Gymnasium in Wilsdruff.“ Tendenz steigend, denn im Jahr 2021/22 gehen die Prognosen von 222 Gymnasiasten aus, davon allein 78 aus dem Raum Wilsdruff. Und das sind nur die Zahlen, die aus den Geburtenanmeldungen hervor gehen. Ein Zuzug, der in die Region Wilsdruff, Freital und Bannewitz derzeit herrscht, ist da noch gar nicht einkalkuliert. Tatsächlich erlebe man gerade eine Verdopplung der Anmeldezahlen im Krippenbereich zum vergleichbaren Vorjahreszeitraum. In Pirna hält man daher die Meißner Reaktion auf die Schulbau-Pläne für absolut daneben. „Dieser Konfrontationskurs ist schädigend für die gesamte Region. Es geht hier um kürzere Wege für Schüler und die weitere Stärkung des ländlichen Raumes“, sagt Kati Hille.

Jetzt muss jedoch erst einmal das Kultusministerium entscheiden. In der Schulbehörde liegt derzeit der Schulnetzplan des Kreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge vor – mit einem Gymnasiumstandort in Wilsdruff. Wird dieser vom Kultusministerium wegen des Einspruchs aus Meißen nicht genehmigt, will das Pirnaer Landratsamt seinerseits vor Gericht ziehen.