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Eröffnung des Gymnasiums wieder verschoben

Eigentlich sollte der Schulneubau in Wilsdruff schon fertig sein. Doch noch wird gebaut. Ein neues Ende ist aber in Sicht.

Von Maik Brückner
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Das neue Gymnasium bleibt noch eine Weile eine Baustelle.
Das neue Gymnasium bleibt noch eine Weile eine Baustelle. © Andreas Weihs

Wann wird das Gymnasium fertig? Diese Frage  stellt sich fast jeder Wilsdruffer, der an der Schulbaustelle vorbeikommt. Eine Antwort darauf gab Kai Zumpe am Donnerstagabend in der Wilsdruffer Stadtratssitzung. Der Diplom-Ingenieur leitet die in Chemnitz ansässige Planungs­ge­sell­schaft Iproplan. Diese wurde von der Stadt Wilsdruff  mit der Bauüberwachung beauftragt. Zumpe ist deshalb sehr nah am Baugeschehen. Die Sächsische Zeitung fasst seinen Bericht und die Reaktionen zusammen.

Wann ist mit einer Fertigstellung zu rechnen?

Eigentlich sollten das Gymnasium und die dazugehörige Zwei-Feld-Turnhalle im August dieses Jahres fertig werden. Mit diesem Ziel wurden die Arbeiten im Oktober 2017 begonnen. Für Wilsdruffs Bürgermeister Ralf Rother (CDU) war das von Anfang an ein sportliches Ziel. Bereits im Frühjahr dieses Jahres deutete sich an, dass dieses nicht erreicht werden kann. Später hoffte man auf eine Fertigstellung in den Herbstferien, dann zum Jahreswechsel. Kai Zumpe nannte nun  am Donnerstag einen neuen Termin: Ende Juni 2020 sollen die Arbeiten abgeschlossen werden, damit das neue Schuljahr im September starten kann. Die Monate Juli und August sollen genutzt werden, um die Arbeiten abzunehmen und die Schule einzurichten.

Welche Gründe führten zu dem einjährigen Bauverzug?

Es gab mehrere Gründe, die zum Bauverzug führten, erklärte Zumpe. 

Grund 1: Gleich zu Beginn gab es Probleme mit einer Gerüstbaufirma. Diese musste gekündigt und der Auftrag neu vergeben werden. Das brachte drei Monate Bauverzug kostete jede Menge Nerven. "Derzeit läuft ein Gerichtsverfahren", so Zumpe. Stadt und Planer müssen dem Anwalt und dem Gericht zuarbeiten.

Grund 2: Schwierigkeiten gab es auch mit der kleinen Freilichtbühne, dem Theatron. Weil der Baugrund nicht so stabil war wie angenommen, konnten dort keine Betonstufen eingebaut werden. Es musste umgeplant werden. Die Ausführung musste zurückgestellt werden. Statt Betonstufen werde die Freiluftanlage nun aus Stahlbeton errichtet. Dieser Vorgang verlängerte die Bauzeit um vier Monate.

Grund 3: Auch die Vergabe der Arbeiten an den Außenanlagen zog sich länger hin als geplant. Da der Gewinner der Ausschreibung Anfang des Jahres nicht die geforderten Unterlagen vorlegen konnte, sollte der Zweitplatzierte beauftragt werden. Anfang Februar legte der Erstplatzierte Widerspruch vor der Vergabekammer ein. Diese wiederum gab der Stadt zwei Monate später Recht. Der Zweitplatzierte konnte den Zuschlag erhalten. Auch das führte zu vier Monaten Bauverzug.

Grund 4: Auch mit der Estrichfirma hatte Wilsdruff offenbar Pech. Das Unternehmen kam während der Bauausführung am Gymnasium in wirtschaftliche Probleme. Diese konnten dann zwar innerbetrieblich geklärt werden, so Zumpe. Dennoch wurden die Arbeiten nicht wie geplant ausgeführt, die Firma brauchte zwei Monate länger.

Grund 5: Der Wassereinbruch in einen bereits fertigen Technikraum führte Anfang Juni ebenfalls zu einem Mehraufwand und drei Monaten Bauverzug. Denn es musste nicht nur der Raum getrocknet werden, auch der Estrichaufbau musste ausgewechselt und die Steuerungen und Aggregate der Heizungsstation erneuert werden.

Grund 6: Der Gymnasiumsbau ist eine komplexe Baustelle, es gibt sehr viel Abstimmungsbedarf. Auf der Baustelle sind mehrere Sachverständige, Bauüberwacher und 42 Firmen tätig. Kommt eine Firma in Verzug, löst das einen Dominoeffekt aus. Andere Firmen können nicht pünktlich beginnen. "Störungen im Bauverlauf werden ausgenutzt", so Zumpe.

So soll das Gymnasium Wilsdruff später einmal aussehen.
So soll das Gymnasium Wilsdruff später einmal aussehen. © - keine Angabe im huGO-Archivsys
Im August 2018 war Bürgermeister Ralf Rother noch zuversichtlich, dass der Bau ein Jahr später fertig sein kann. 
Im August 2018 war Bürgermeister Ralf Rother noch zuversichtlich, dass der Bau ein Jahr später fertig sein kann.  © Andreas Weihs
Die Zwei-Feld-Turnhalle machte bereits im August 2019 einen fertigen Eindruck.
Die Zwei-Feld-Turnhalle machte bereits im August 2019 einen fertigen Eindruck. © - keine Angabe im huGO-Archivsys
So sieht der Neubau des Gymnasiums Wilsdruff aktuell aus.
So sieht der Neubau des Gymnasiums Wilsdruff aktuell aus. © StadtWilsdruff

Wie hat sich der Bauverzug auf die Baukosten ausgewirkt?

Als sich Wilsdruff 2016/2017 um Fördermittel für den Gymnasiumsbau bemühte, ging die Stadtverwaltung von Baukosten in Höhe von 20,3 Millionen Euro aus, so Zumpe. Diese Summe musste wenig später leicht erhöht werden, weil sowohl die Kündigung der Gerüstbaufirma als auch die Umplanung der Fassadendämmung und der Gestaltung des Haupteingangs zu Mehrkosten in Höhe von 86.400 Euro führte. Das war der geringste Teil. Erheblich erhöht haben sich die Kosten nach der Vergabe der einzelnen Gewerke und der Nachträge, die durch zusätzliche Arbeiten von den Firmen verlangt wurden und werden. Es  zeichnet sich eine Bausumme von 25,3 Millionen Euro ab.

Was wurde getan, um das Bautempo zu erhöhen?

Bereits im Herbst hatten Wilsdruffs Bürgermeister Ralf Rother (CDU) und Mitarbeiter des Bauamtes die Firmenchefs angerufen. Einigen wurde Hilfe angeboten. Außerdem hatte das Rathaus einen "Brandbrief" an die Geschäftsführer der am Bau beteiligten Firmen versandt. Im Namen der Kinder bat die Verwaltung die Firmen, zusätzliche Kapazitäten zu aktivieren und Bauarbeiter auf die Baustelle zu entsenden. Zumpe verteidigte diese Taktik. Man könnte Firmen zwar wegen Nichteinhaltung der Verträge kündigen. Doch eine Neuvergabe kostet Zeit. Und eventuell mehr Geld, weil die Baufirmen derzeit zwischen vielen Angeboten wählen können. Als Bauüberwacher müsse man das im Hinterkopf haben. Deshalb sei man diplomatisch vorgegangen und habe die Geschäftsführer zu einem Treffen eingeladen. Fast alle seien der Einladung gefolgt. Bei dieser Zusammenkunft wurde auch der neue Fertigstellungstermin vereinbart.

Wie reagierte der Stadtrat auf diese Entwicklung?

Es gab nur wenige Reaktionen. Stadtrat Matthias Schlönvogt (Freie Wähler) wollte wissen, warum es dem Bauüberwacher und den Firmen nicht gelungen sei, einen Gebäudeteil der Schule fertig zu stellen. Dadurch könnten die noch wenigen Schüler - derzeit gibt es an der neugegründeten Schule nur eine fünfte und sechste Klassenstufe - bereits in Wilsdruff unterrichtet werden. Sie bräuchten nicht mehr nach Kleinnaundorf fahren, dort seien die Bedingungen nicht ideal. Technologisch wäre das nur sehr schwierig zu realisieren gewesen, so Zumpe. Der Unterricht hätte in Räumen ohne Bodenbelag stattfinden müssen. Zudem müssen Trennwände eingebaut werden, um die fertigen von den noch im Bau befindlichen Räumen zu trennen. Auch das Außengelände hätte noch nicht genutzt werden können. Kurzum: Die Schüler müssten auf einer Baustelle unterrichtet werden. Stadtrat Ronny Haupt (Grüne) wollte wissen, wie verbindlich das geplante Bauende ist. "Bei uns im Haus ist das Chefsache, deshalb bin ich heute hier", so Zumpe. Er und seine Mitarbeiter werden alles tun, um den Termin zu halten. In den letzten Wochen haben die Arbeiten auf der Baustelle wieder Fahrt aufgenommen. Vor Ort sind wieder mehr Bauarbeiter tätig.

Was sagen die Eltern der Kinder dazu?

Das ist noch unklar. Parallel zur Stadtratssitzung informierte die Stadtverwaltung die Eltern mit einem Infobrief über den neuen Fertigstellungstermin. "Es macht mir wenig Freude, diese Zeilen zu schreiben", so Bürgermeister Rother. Es sei für seine Verwaltung eine immense Anstrengung, das mehrfache des sonst üblichen Investitionsvolumens zu bewältigen. Sicher sei man dabei nicht fehlerlos. "Seien sie versichert, dass wir alles tun, um die Baustelle in hoher Qualität so zügig wie nur möglich zu Ende zu führen." Zusammen mit der Stadt Freital und dem engagierten Lehrerteam unter Leitung von Katja Laetsch werde man nach Lösung suchen, den Schulalltag in der gegenwärtig genutzten Ausweichschule in Freital-Kleinnaundorf so angenehm wie möglich zu machen.

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