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PLUS Meißen

Gysi und Spahn liefern sich ein Fernduell

Die beiden Spitzenpolitiker überzeugen bei Auftritten in der Region auf ganz individuelle Art und Weise.

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen: Linken-Politiker Gregor Gysi beim Waffelbacken mit Landtags-Direktkandidaten Tilo Hellmann (links) in Meißen.
Erst die Arbeit, dann das Vergnügen: Linken-Politiker Gregor Gysi beim Waffelbacken mit Landtags-Direktkandidaten Tilo Hellmann (links) in Meißen. © Claudia Hübschmann

Meißen/Klipphausen. Der Wind wackelt an den vielen Wahlplakaten in Meißen. Zieht ein Gewitter herauf? Drei Tage vor der Wahl steuern die Stadt und das Umland noch einmal auf politische Höhepunkte zu. Auf seiner Unterstützertour durch den Freistaat macht der Chef der Europäischen Linken, Gregor Gysi, Halt auf dem Heinrichsplatz.

Am Vorabend hatte er sich noch bei Sandra Maischberger als neuer Parteivorsitzender der SPD ins Gespräch gebracht. An diesem Nachmittag ist er in die Porzellanstadt gekommen, um Tilo Hellmann als Direktkandidaten der Linkspartei den Rücken zu stärken. Unermüdliche Wahlhelfer haben bereits Sonnenschirm und Pavillon aufgebaut. Götz Bergmann und seine Gentlemen sorgen mit ihrem Swing beim Publikum für wippende Füße.

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Die Stadt Meißen taucht in diesen Tagen häufig in überregionalen Medien auf. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung und der Deutschlandfunk berichten aus ihr. Ausländische Reporter sind unterwegs. Offenkundig wird die Wiege Sachsens als geeignet dafür angesehen, ein authentisches Bild vom Wahl-Countdown zu liefern.

Unterdessen sind die Bänke vor der Bühne voll besetzt. Ebenso die Stühle auf der Terrasse des Eiscafés Venezia. Von der anderen Elbseite ist Landrat Arndt Steinbach (CDU) mit der Ersten Beigeordneten Janet Putz herübergekommen. Touristen bleiben stehen, um das unvermutete Spektakel zu betrachten. Pünktlich 15.30 Uhr kommt ein braun gebrannter Gysi scheinbar aus dem Nichts auf den Platz geschossen. Spitzenkandidat Tilo Hellmann stimmt auf ihn ein. Sachsen stehe vor einer Schicksalswahl, sagt der 35-Jährige. Die Menschen müssten sich entscheiden, ob sie die Gräben vertiefen, oder den Zusammenhalt stärken wöllten. Die Details überlässt der Meißner dem Genossen Gysi.

Politikwechsel ist nötig

Der 71-Jährige hat zwar ein paar Zettel mitgebracht. Aber eigentlich braucht er die nicht. Scharfzüngig, lebendig und originell vermittelt er, wofür die Linke steht. Grundsätzlich müsse sich etwas ändern in diesem Land. Den Föderalismus im Bildungswesen möchte er abschaffen. Die Macht der großen Konzerne beschränken. Das Gesundheitswesen vom Druck befreien, Geld zu verdienen. Nicht alle auf dem Heinrichsplatz mögen solche radikalen Ansichten teilen. Doch die Art und Weise, mit der sie der Berliner serviert, nötigt selbst reservierten Zuhörern ein Kopfnicken ab. Klar ist, um diese Ziele durchzusetzen, bedürfte es eines grundlegenden Politikwechsels. Erststimme Hellmann und Zweitstimme Linke: So Gysis klares Plädoyer.

Überzeugt mit Detailkenntnis: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn stärkt bei einer Fragerunde in Klipphausen seiner Parteifreundin Daniela Kuge den Rücken im Endspurt zur Landtagswahl.
Überzeugt mit Detailkenntnis: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn stärkt bei einer Fragerunde in Klipphausen seiner Parteifreundin Daniela Kuge den Rücken im Endspurt zur Landtagswahl. © Claudia Hübschmann

Während der Sozialist sich in Richtung Dresden verabschiedet, nimmt im Süden des Kreises Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Kurs auf das Gewerbegebiet Röhrsdorf in Klipphausen. Romy und Wolfram Richter betreiben hier seit einigen Jahren eine große Praxis für Physiotherapie. Vor rund einem Jahr lasen sie in der Sächsischen Zeitung, dass der christdemokratische Shooting-Star dem Dialysatoren-Hersteller Braun in Wilsdruff einen Besuch abstatten werde. Schnell war eine Mail geschrieben, um den Minister zu einem kurzen Umweg über Röhrsdorf zu bewegen. Verschiedenste Probleme brannten den beiden Physiotherapeuten auf den Nägeln. Damals wurde nichts aus dem Besuch. Ein Jahr später biegt die Limousine Spahns in die Einfahrt zu der Praxis ein.

Vor der Tür wartet CDU-Landtagsdirektkandidatin Daniela Kuge. Ähnlich wie Mitbewerber Hellmann erhofft sie sich von dem prominenten Gast aus Berlin Hilfe im Endspurt des Wahlkampfes. Die 44-Jährige hat selbst viele Jahre in Apotheken gearbeitet. Aus ihren Sprechstunden und der Basisarbeit kennt sie die drängenden Probleme im Gesundheitswesen: Angefangen von überfüllten Notaufnahmen, über fehlende Ärzte auf dem Land bis hin zur überbordenden Bürokratie. So vielfältig wie diese Herausforderungen sind deshalb die Gäste, welche sich an diesem späten Nachmittag im großen Trainingsraum der Physiotherapie zwischen Gymnastikbällen und einer Kletterwand versammelt haben. Ärzte sind darunter, Vertreter von Verbänden und viele mehr. Einige von ihnen haben Fragen und Anliegen für Spahn mitgebracht.

Die CDU hat verstanden

Oft wird der Großen Koalition vorgeworfen, Probleme nicht schnell und grundlegend genug anzugehen. Der Bundesgesundheitsminister muss sich davon nicht betroffen fühlen. 16 Gesetze hat er in 16 Monaten eingebracht. Das Ärzteblatt nennt ihn deshalb „Minister fleißig“. In Röhrsdorf braucht er nicht lange, um zum Punkt zu kommen. Entscheidend sei, miteinander ins Gespräch zu kommen sowie dazu bereit zu sein, die Argumente des Anderen wertzuschätzen und einen Kompromiss einzugehen.

Locker steht der Spitzenpolitiker vor seinen Zuhörern. Seine Antworten auf die speziellen Fragen des Coswiger Kinderarztes Dr. Bernhard Lüders zeigen, dass er in der Materie steckt. Der nächste Gesetzesentwurf ist bereits in Arbeit. Spahn möchte die Inhalte der Ausbildung in den verschiedenen Gesundheitsberufen modernisieren. Ein Zeitplan steht. Der 39-Jährige hat verstanden, dass die Wähler von der CDU Fortschritt und Bewegung fordern. Damit die Partei auch in Sachsen beweisen kann, dass sie dazu fähig ist, wirbt er um die Erst- und Zweitstimme für Daniela Kuge.

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