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Haben es die Einbrecher zu leicht?

Wieder wurde Am Südspeicher in Riesa eingebrochen. Die Unternehmer sind ratlos – die Polizei aber nicht.

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© dpa

Von Jens Ostrowski

Wieder wurde in Riesa in ein Unternehmen eingebrochen. Wieder war es im Gewerbegebiet Am Südspeicher. Und wieder hat es den Macoo Obst- und Gemüsehandel getroffen. In der Nacht zu Dienstag stiegen Unbekannte über die Hinterseite der Halle ein und richteten hohen Sachschaden an. „Unter anderem wurden ein Notausgang und eine Bürotür aufgebrochen. Der genaue Schaden ist noch nicht bekannt, geht aber in die Tausende“, sagt Filialleiterin Andrea Krause noch sichtlich geschockt. Ein Fahrer des Großhandels hatte die Einbruchsspuren nachts um drei Uhr entdeckt und die Polizei gerufen. Seit September war es nun schon der zweite Einbruch in der Halle. „Ich werde das Gefühl nicht los, dass das mit den ausgeschalteten Laternen zusammenhängt“, sagt Andrea Krause. Denn erst seitdem werde auch der Großhandel von Kriminellen heimgesucht.

Tipps von der Polizei

Wie berichtet, gerät das Gewerbegebiet Am Südspeicher schon seit Jahren immer wieder ins Visier von Einbrechern. Jetzt befürchten die Anlieger, dass sich die Situation noch verschärft hat, weil die Stadt die Straßenbeleuchtung zwischen 22 und 5 Uhr ausgestellt hat. Erste Anzeichen dafür gibt es, sagt Eventmanager Torsten Pilz, der seine Firma Eventalent GmbH in dem Gebiet hat und selbst schon Opfer von Einbrechern geworden ist. Im Juli hatten sie seinen Betrieb verwüstet. Neben Fotokameras und Bargeld schlug vor allem die Sachbeschädigung zu Buche. Türen, Rollladen und Fensterscheiben wurden beschädigt. „Und das alles in sieben Minuten“, sagt Pilz, der über Bewegungsmelder darüber informiert wurde, dass sich Unbefugte in seinem Betrieb befinden. Doch als er vor Ort eintraf, war der Spuk schon wieder vorbei – und die Zerstörung groß.

Mit dem jüngsten Einbruch im Obstgroßhandel sind es jetzt schon sechs, die bei ausgeschalteten Laternen geschahen. Im Visier waren dabei auch ein Holzhandel und ein Steinmetzbetrieb. Um einen Einbruchsschwerpunkt aber handelt es sich am Südspeicher bislang nicht, sagt Riesas Polizeichef Hermann Braunger, der die Straße dennoch regelmäßig und zu verschiedenen Uhrzeiten von seinen Beamten bestreifen lässt. Braunger sieht hingegen viel mehr ein globales Problem: „Gewerbegebiete sind insgesamt ein Ziel von Kriminellen. Das ist in Riesa kein Einzelfall und beispielsweise auch in Gröditz, Strehla und Zeithain so“, sagt er. Ohne jetzt speziell das Gewerbegebiet Am Südspeicher zu meinen, beobachte Braunger, dass viele Betriebe die Möglichkeiten der Einbruchssicherung noch nicht ausgeschöpft hätten. Doch das sei wichtig. „Denn nach unseren Erfahrungen spähen die Einbrecher ihre Objekte vorher aus. Und wenn die sehen, dass ein Betrieb besonders gut geschützt ist, ist die Chance größer, dass dort eben nicht eingebrochen wird. Gelegenheit macht eben Diebe“, sagt Braunger.

Der Macoo Obst- und Gemüsehandel jedenfalls werde jetzt handeln, sagte Andrea Krause. So sei es geplant, viel Geld in die Sicherheitstechnik zu investieren. Und das ist wohl auch die einzige Möglichkeit, um die Lage vor Ort zu entspannen. Denn auch, wenn Wilfried Albishausen vom Bund Deutscher Kriminalbeamter in einem Interview mit der Rheinischen Post sagte, er halte das Abschalten von Straßenbeleuchtungen schlichtweg für kriminalitätsfördernd, gibt es in Riesa aufgrund der Faktenlage keine Hinweise, dass es jetzt mehr Einbrüche gibt als vorher. Und auch Stadtsprecher Uwe Päsler hält es für Spekulation. Der SZ sagte er, Riesa passe bereits seit mehreren Jahren die Straßenbeleuchtung den fachtechnischen Belangen einer modernen Straßenbeleuchtung an. „Das heißt, die Leuchten werden in unterschiedlichen Zuständen betrieben. Diese sind beispielsweise Nachtabschaltung, Halbnachtschaltung und Absenkung. Nur dadurch war die stetige Steigerung der Stromkosten abzufangen.“ Deshalb sei es derzeit nicht vorgesehen, die Beleuchtung wieder in den 24-Stunden-Betrieb zu nehmen. „Es ist Spekulation, ob sich Kriminelle durch Straßenbeleuchtung an Einbruchdiebstählen hindern lassen. Zumindest ist das nicht der ursächliche Sinn einer Straßenbeleuchtung, sie dient der Verkehrssicherheit“, erklärt Päsler. Das jährliche Einsparpotenzial liege dadurch am Südspeicher bei rund 500 Euro.

Die Polizei berät die Unternehmer jederzeit in Sicherheitsfragen kostenlos. „Dabei geht es vor allem darum, was die Firmen selber tun können, um sich besser zu schützen“, betont Hermann Braunger.