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Haben mir meine Eltern eine Krankheit vererbt?

Das Risiko lässt sich testen. Doch nicht in jedem Fall zahlt das die Krankenkasse.

Gen-Analyse übers Blut.
Gen-Analyse übers Blut. © dpa

Von Bernadette Winter

Erbkrankheit heißt, dass es eine Veränderung in unserem Erbgut gibt – eine Mutation, erklärt Prof. André Fischer vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen. Diese führe zu einer Fehlfunktion in den Zellen. In der Medizin unterscheidet man zwischen monogenen Erkrankungen, bei denen nur ein Gen verändert ist und komplexen genetischen Erkrankungen. Bei ersterem erkrankt der Betroffene mit hoher Wahrscheinlichkeit.

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Bei komplexen genetischen Erkrankungen hat jedes einzelne Gen nur einen geringen Risikoeinfluss. Wie sie zusammenspielen, ist noch Gegenstand der Forschung. Die meisten Volkskrankheiten wie Alzheimer, Diabetes, Krebs oder Herz-Kreislauf-Probleme fallen in diese Kategorie.

Meist spielen auch Umwelteinflüsse und die Lebensführung eine wichtige Rolle – etwa Übergewicht, Diabetes oder ein hoher Cholesterinspiegel. Krebs zum Beispiel ist in etwa fünf Prozent der Fälle erblich. Tritt etwa Brustkrebs in zwei aufeinanderfolgenden Generationen auf, also bei Mutter und Tochter, besteht ein hohes familiäres Risiko. Erkrankt jemand sehr früh, etwa mit Ende 20, ist das ein weiteres Indiz. Dann ist es für die Verwandten wichtig, in die genetische Beratung zu gehen. Dagegen besteht im Allgemeinen kein Zusammenhang zwischen dem Prostatakrebs des Vaters und dem Brustkrebs der Tochter.

Man weiß zudem von ungefähr 300 genetischen Veränderungen, die Diabetes Typ 2 bedingen. Die erklären aber nur maximal ein Fünftel der Krankheit. Diabetes vom Typ 2 kommt häufiger vor, 95 Prozent aller Diabetes-Patienten sind davon betroffen. „Wenn Mutter oder Vater erkrankt sind, haben die Hälfte aller Kinder Diabetes. Sind Verwandte ersten Grades, also Vater, Mutter, Geschwister betroffen, sollte man regelmäßig zum Arzt gehen, weil ein hohes Risiko besteht. Allerdings ist es auch hier ein Zusammenspiel aus Genetik, Lebensstil und Umwelt. Wenig Bewegung oder ungesunde Ernährung beschleunigen den Krankheitsverlauf. Diabetes Typ 1 dagegen tritt meistens in Familien auf, in denen sonst keiner Diabetes hat, die Erblichkeit ist hier sehr viel geringer.

Was also sollte man tun, wenn man genetisch vorbelastet ist? „Man kann das genetische Risiko testen“, sagt Fischer. Besteht eine familiäre Vorbelastung, werden die Kosten von den Krankenkassen übernommen. Aber selbst, wenn das Risiko besteht, heißt das nicht, dass man beispielsweise wirklich Alzheimer bekommt. Dennoch könnten Betroffene es als Anreiz sehen, etwas zu tun. „Auf keinen Fall in Panik geraten“, mahnt Fischer.

Denn ein solcher Test hat eine psychologische Komponente, wie die Ärzte betonen. „Manche sagen, sie wollen es nicht wissen, weil man nichts tun kann“, hat Fischer festgestellt. Das stimme jedoch nicht. Häufig scheiterten die Therapien, weil sie zu spät begonnen wurden.

Sollte sich bei der genetischen Beratung ein Risiko herausstellen, würde man im Fall von Brustkrebs ein enges Monitoring anschieben, also eng getaktete bildgebende Untersuchungen, erklärt Lichter. „Denn je früher die Diagnose, desto größer die Heilungschancen.“ Wenn man von keiner Familiengeschichte wisse, reiche die normale Vorsorge völlig. Eine genetische Analyse macht als allgemeine Maßnahme keinen Sinn. (dpa)

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