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Hähne krähen schon immer im Dorf

870 Besucher bestaunten die 840 Tiere auf der Geflügelausstellung am Wochenende. Doch was macht die Faszination aus?

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Von Ines Witt-Klotz

Bramas in Riesen- und Zwergversion, Kingtauben und Auracana, Shamos oder Madras sind wohlklingende Namen für das beliebte Federvieh. Zur Rassegeflügelschau am vergangenen Wochenende in der Markthalle Rittergut in Staucha präsentierten die Züchter ihre schönsten Tiere.

Eine Geflügelausstellung ist vor allem laut. Die lautesten sind die Hähne. Angestachelt von der dichten Konkurrenz krähen sie in Wettkampflaune ohne Unterlass. Doch es soll auch Zeiten geben, in denen sie den Tauben den Vortritt lassen. „Wenn es hier still ist, dann fangen die Trommeltauben an zu singen. Das ist kein Gurren, das klingt richtig melodisch, einfach super“, schwärmt Frank Wackwitz, Taubenzüchter und Preisrichter aus Staucha.

Wiege der Rassegeflügelzucht

Er ist auch Mitglied im Geflügelzüchterverein Stauchitz und Umgebung e.V., der die jährlich stattfindende große Leistungsschau in Staucha organisiert. Der Verein ist mit über 100 Jahren der älteste eingetragene Verein in der Gemeinde Stauchitz. Überhaupt sei Sachsen Vorreiter in Sachen Rassegeflügelzucht für ganz Deutschland gewesen. „Deshalb haben wir hier mit etwa 200 Preisrichtern heute die größte Preisrichtervereinigung in Deutschland. Sachsen hat etwa 100 Geflügelzüchtervereine“, erklärt Frank Wackwitz weiter.

Die Preisrichter hatten dann auch alle Hände voll zu tun, um die 840 Tiere, die von 101 Ausstellern in der Markthalle präsentiert wurden, zu bewerten. Für einen Laien ist das ein Buch mit sieben Siegeln. Beurteilt werden Schwanzaufbau, Körperhaltung, das Fußwerk, Augenfarbe, Schnabelschluss, Schnabelfarbe, Zeichnung, Krallen, Federn bis hin zu Kamm oder Kehllappen bei den Hähnen und so weiter. „Zweieinhalb Minuten hat ein Preisrichter pro Tier Zeit. Deshalb macht ein guter Züchter sein Tier zur Schau richtig fein. Da werden Beine und Kamm geputzt und mit Öl eingerieben. Der Pflegezustand ist für die Bewertung entscheidend“, sagt Hans-Jürgen Wilhelm, der einen Ehrenpreis für seinen Zwerg-New Hampshire, einen goldbraunen Hahn, erhalten hat. „Meine Tiere bekommen zum Futter auch Grünkohl, Kartoffeln, Mais für die gelben Läufe und Sonnenblumen.“ Doch auch das Käfigtraining gehört zur Vorbereitung auf eine Schau.

Keine Nachwuchsprobleme

Damit die Tiere in den Käfigen keinen Koller bekommen oder matt und verängstigt wirken, trainiert Hans-Jürgen Wilhelm im heimischen Nasenberg mindestens zweimal in der Woche.

Ein Züchter ist rund um die Uhr beschäftigt, Frank Wackwitz mindestens 365 Tage im Jahr. Er lebt dafür schon seit frühester Kindheit. Der Vater hat ihn und seine Geschwister immer schon mit in den Taubenschlag genommen, früh durften sie schon eigene Tiere halten.

So erlebt es gerade auch der kleine Alex Weinert aus Kasabra. Er darf zu Hause die 120 Zwerghühner füttern, den Stall sauber machen und die Tiere putzen. „Er holt sie vor einer Schau aus der Voliere und packt sie in die Kisten. Er hat selbst Federfüssige Zwerghühner, allerdings in schwarz, während ich die gold-porzellanfarbigen habe“, erzählt Vater Rene Weinert, der durch die Liebe zum Züchten kam. „Unser Züchternachwuchs kommt immer aus den eigenen Reihen. Es muss einfach jemand in der Nähe sein, der alles erklärt, der hilft“, so Dieter Lehmann.

Nachwuchssorgen hat der Verein mit 48 Mitgliedern, darunter 8 Jugendliche, nicht. Allerdings ärgern sich die meisten Dörfler darüber, dass es auf dem Dorf immer problematischer wird, Tiere zu halten. „Viele unserer Züchter haben Ärger mit den Nachbarn, häufig sind es Städter, die auf dem Land gebaut haben. Die denken, es muss idyllisch ruhig sein, aber Hähne haben schon immer im Dorf gekräht“, so Dieter Lehmann.