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Hälfte der Kohle-Kumpel geht vor 2038 in Rente

Eine Arbeitsmarktstudie hält sozialverträglichen Kohleausstieg im Mitteldeutschen Revier für machbar

© Foto: Jan Woitas/dpa

Das „Kohle-Aus“ im Mitteldeutschen Revier ist für die Beschäftigten in der Braunkohlewirtschaft sozialverträglich gestaltbar. Sinnvolle Strukturpolitik ist notwendig, um für die jüngeren Kohle-Kumpel gute Ersatzjobs zu schaffen. Das ist das Ergebnis einer Kurzstudie zur Beschäftigungsstruktur im Mitteldeutschen Revier, die der Wirtschaftsminister von Sachsen-Anhalt, Armin Willingmann, gemeinsam mit dem Chef der Landesarbeitsagentur, Kay Senius, in Magdeburg vorstellte.

Laut der vom Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) verfassten Studie zählt das Mitteldeutsche Revier knapp 3 600 direkt in der Kohlewirtschaft Beschäftigte. Das ist etwa ein halbes Prozent aller Beschäftigten des Reviers, das sich über den Landkreis Leipzig, den Burgenlandkreis und Mansfeld-Südharz erstreckt. Indirekt hängen durch Vorleistungen oder Lohnausgaben weitere 3 600 Beschäftigte von der Kohlewirtschaft ab. Fast die Hälfte der direkten Kohlebeschäftigten ist 50 Jahre alt oder älter. Viele werden also in den kommenden zehn Jahren in Rente gehen. „Aufgrund der Altersstruktur ist ein sozialverträglicher Beschäftigungsabbau bei den etwa 3 500 direkt in der Kohle Beschäftigten möglich“, heißt es in der Studie. Insgesamt sei der Arbeitsmarkt in der Region durchaus aufnahmefähig und es existierten enge Pendlerverbindungen zu den Städten Halle und Leipzig, betonen die Studienautoren. Im Klartext, die jüngeren Beschäftigten, die nicht bis 2038 in Ruhestand gehen, würden anderweitig Arbeitsplätze finden. Wenn man sie vor Ort halten will, müssen durch eine offensive Ansiedlungspolitik wegfallende Jobs durch hochwertige neue Industriearbeitsplätze ausgeglichen werden, so die Forderung. Die Investitionen, die jetzt in Forschungsinfrastruktur gehen, sollten eine Forschung zum Ziel haben, die der Entwicklung neuer Produkte und Geschäftsmodelle dient und die zu Unternehmensgründungen führt .

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Die Studienautoren lenken aber auch den Blick auf die 27 400 Beschäftigten in den energieintensiven Industrien. Gemeint sind alle Branchen, in denen der Anteil der Energiekosten an den Gesamtproduktionskosten drei Prozent und mehr beträgt. Im Mitteldeutschen Revier sind das vor allem die Hersteller von Backwaren, Zucker, Zement, Stahlgießereien oder die Chemieindustrie. Eine Reihe der Unternehmen verfügt über eigene Betriebskraftwerke, die mit Kohle aus dem Revier versorgt werden wie zum Beispiel der Chemiepark Schkopau oder die Südzucker-Anlage in Zeitz. Wie diese Firmen darauf reagieren werden , das sie weniger preisgünstigen Kohlestrom einkaufen können, ist nicht vorhersehbar. „Die Möglichkeiten reichen von Standortschließungen und –verlagerungen mit Arbeitsplatzabbau bis hin zur Schaffung neuer Arbeitsplätze durch innovativ tätige Unternehmen“, betont Per Kropp, Hauptautor der Studie.