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Händler bleiben auf der Winterware sitzen

Frostschutzmittel, Wintermäntel, Schlitten? Will bei zehn Grad plus keiner haben. Dafür gibt’s nun Grillkohle an der Tanke.

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© hübschmann

Von Christoph Scharf

Klare Sicht im Winter – das verspricht die Flasche mit der blauen Flüssigkeit. Bis minus 30 Grad soll das Mittel helfen. Momentan ist es allerdings 40 Grad wärmer. Bei fast zweistelligen Plusgraden denken Autofahrer ungern ans Scheibenkratzen. Stattdessen hat manch Tankwart in Meißen mitten im Februar längst die Ständer mit Grillkohle nach draußen gerückt.

Dort liegt das Zubehör fürs Angrillen einträchtig neben Eiskratzer und Frostschutzmittel. „Dieses Jahr wird davon wohl was übrigbleiben“, sagt Thomas Müller von der Firma Schneider Mineralöl Meißen. „Aber das bringt uns nicht um.“ Denn gleichzeitig läuft der Diesel-Absatz unerwartet gut – etwa weil Baufirmen früher als üblich loslegen und ihre Maschinen volltanken müssen. „Auch die Landwirte trauen sich aufs Feld, weil im verregneten Herbst viel Arbeit liegengeblieben ist.“

Selbst beim Heizöl-Verkauf habe es bislang keine Einbrüche gegeben. Schließlich kaufen die Leute meist schon im Voraus den kompletten Wintervorrat ein. Davon dürfte jetzt allerdings noch ein guter Teil in den heimischen Tanks lagern. „Diesen Minderverbrauch werden wir noch das ganze Jahr über bei der Nachfrage spüren.“

Doch was passiert eigentlich mit dem Frostschutzmittel, das nun keiner mehr haben will? „Die Saisonware liegt natürlich rum. Aber der Lagerbedarf hält sich in Grenzen“, sagt Lutz Kempe von der Sprint-Tankstelle an der Kurt-Hein-Straße. Als Tankstellenbetreiber sei man vorsichtig geworden mit dem Vorratseinkauf. „Die vergangenen beiden Winter waren schwer einzuschätzen.“ Rabatte soll es aber an der Tanke weder auf Eiskratzer noch auf den Zusatz für die Scheibenwaschanlage geben. Das ist beim Meißner Obi-Baumarkt anders. Dort stapelt sich die Winterware palettenweise. Und Prozente gibt es auf alles vom Meisenknödel bis zur Benzin-Schneefräse. Das Kilo Vogelfutter kostet statt 3,49 Euro noch 49 Cent, die Zehn-Kilo-Packung Streusalz statt 5,49 Euro nur noch 1,99. „Es ist alles noch reichlich da“, sagt ein Mitarbeiter. „Es hat ja kaum geschneit.“

Im Toom-Baumarkt fragen die Kunden längst nach Platten für die heimische Terrasse oder neuen Gewächshäusern. „Die Leute ziehen die Frühlings-Arbeiten einfach vor“, sagt Geschäftsführer Torsten Melzer. Die Säcke mit dem Streusalz dagegen werden wieder eingelagert. Das Salz wird nicht schlecht – womöglich aber die Verpackung. „Der Kunststoff ist nicht UV-beständig“, sagt Torsten Melzer. Sollten die Beutel bis zur nächsten Saison reißen, wird das Auftaumittel eben in robuste Baueimer umgefüllt, die es beim Kauf kostenlos dazugibt. „Die kann man zu jeder Jahreszeit brauchen.“ Aber vielleicht kommt ja auch kurz vor Ostern noch einmal Schnee. Der Toom-Chef geht jedenfalls davon aus, dass es Ende März noch einmal kälter wird.

Im Meißner C & A in den Neumarkt-Arkaden bekommt man dagegen schon jetzt so gut wie keine Wintersachen mehr. „Wir haben schon vor Weihnachten mit dem Winter-Sale begonnen“, sagt eine Mitarbeiterin. Allenfalls Reste seien noch da. Das ist in Sigis Sportladen an der Kurt-Hein-Straße anders: Dort lief der Ski- und Schlittenverkauf deutlich schlechter als im Jahr zuvor. Auf Winterbekleidung, Ski und Stiefel gibt es nun 50 Prozent Rabatt – schließlich wird Platz für die aktuelle Kollektion gebraucht. Statt Schlittschuhen sind nun eher Joggingsachen gefragt oder Bekleidung fürs Fitnesscenter. „Die Hauptsache ist doch, dass man in Bewegung bleibt“, sagt Chefin Siglinde Lässig – selbst wenn mitten im Februar der Frühling ausbricht.