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Corona: So geht es Großenhains Händlern

Die hiesigen Läden wollen den Pandemie-Folgen trotzen. Mehrere Ideen dafür gibt es bereits. Und auch die eigene Währung erfreut sich großer Beliebtheit.

Maskenpflicht herrscht nach wie vor in den Geschäften - hier bei Karin Roisch in der "Wäschetruhe".
Maskenpflicht herrscht nach wie vor in den Geschäften - hier bei Karin Roisch in der "Wäschetruhe". © Anne Hübschmann

Großenhain. "Wenn die Maske fällt, kommen auch die letzten Kunden wieder", glaubt Jan Dingfelder. Der Inhaber von "Selectorz", Großenhains peppigstem Szeneladen auf dem Frauenmarkt, spricht von der augenblicklichen Mund-Nasen-Schutz-Pflicht in Geschäften, die für Händler und Kaufwillige gilt. Natürlich sei die "Maske" nicht unbedingt angenehm.

"Aber es ist nun mal eine Auflage, damit wir überhaupt wieder öffnen dürfen", sagt Dingfelder. Das hätten auch die meisten Kunden inzwischen so verinnerlicht. "Motzer" gab es bei Selectorz jedenfalls bislang nicht. Und auch Großenhains City-Manager Alexander Ehrke ist darüber froh. Denn: Jeder Maskenverweigerer erschwere den Händlern die Arbeit.

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Schon wieder neun Wochen sind seit dem Re-Start für die Geschäfte ins Land gegangen. "Bilanzen dazu gibt es nicht", sagt Alexander Ehrke. Nach der langen coronabedingten Schließung der Läden gebe es unterschiedliche Erkenntnisse. Geschäfte, die auf ihre Stammkundschaft vertrauen konnten, hätten es leichter als Anbieter von "Luxusartikeln". Ein großer Vorteil für Großenhain: Einkaufen in der Innenstadt sei sehr familiär möglich, die Geschäfte liegen eng beieinander und seien hinsichtlich der Hygieneauflagen besser dran als beispielsweise Läden in den großen Einkaufsparks von Dresden.

Der "Großenhainer Zehner": Die stadteigene besondere Währung hat sich in den Krisenzeiten als Volltreffer erwiesen, um Kaufwillige in Großenhain zu halten.
Der "Großenhainer Zehner": Die stadteigene besondere Währung hat sich in den Krisenzeiten als Volltreffer erwiesen, um Kaufwillige in Großenhain zu halten. © Anne Hübschmann

Citymanager, Wirtschaftsförderung und die Fördergemeinschaft "Großenhain aktiv" hatten nach dem Lockdown im März schnell darauf gedrängt, die Einheimischen auf "lokales Einkaufen" zu orientieren. "Das ist gut angekommen", sagt Uhren- und Schmuckhändler Falk Majok-Bökelmann. Insbesondere die "Neubelebung" des Großenhainer Zehners erwies sich wie ein Sechser im Lotto. Mit der eigenen Währung der Röderstadt wird der Mittelstand gestärkt, bleiben Kaufkraft wie auch Gewerbesteuer in der Stadt. Die Resonanz sei riesig gewesen. "So viele Zehner wie noch nie" seien verkauft worden, teilte die Fördergemeinschaft schon vor zwei Wochen mit.

Natürlich gibt es Branchen, die weit von einer Erholung entfernt sind. Reisebüros zum Beispiel. Da seien die unzähligen Stornierungen für die diesjährige Urlaubssaison inklusive ausfallender Provisionen. Zudem die Unsicherheit, ob und welche Reisen in absehbarer Zukunft überhaupt möglich sind. Doch mit jedem "Zehner", der als Gutschein für eine Reise verkauft wird, "zeigen die Kunden, dass sie wollen, dass es vor Ort weitergeht", so Alexander Ehrke. Diesen direkten Kontakt und die Beratung könne kein Internetanbieter leisten. Jan Dingfelder freilich gesteht, dass er nicht in der Haut der Reisebüros stecken möchte. Zumal es wohl vorerst keinen Massentourismus, schon gar nicht ins Ausland, geben werde.

"Großenhain aktiv" hat für alle seine Mitglieder in diesen Zeiten kleine finanzielle Erleichterungen eingeräumt: Mitgliedsbeiträge für das erste Quartal wurden erlassen, für die nächsten Quartale können sie gestundet werden. Zudem wurden Werbekostenbeiträge für Veranstaltungen halbiert.

Stadtkunstfest soll Belebung bringen

Citymanager und Fördergemeinschaft wollen nun die Möglichkeiten ausloten, den Einzelhändlern mit besonderen Aktionen irgendwie unter die Arme zu greifen. "Wir werden am 11. September mit dem Stadtkunstfest starten, um mal wieder etwas anderes als Corona zu bieten", so Alexander Ehrke. Er selbst hofft, dass die Verbindung von Live-Performance mit Einkaufsbummel bei den Besuchern ankommt. Es ist eine Art "Testballon", wie es schon der lange Samstag am 2. Mai war. Den soll es nun ab September monatlich geben. Gerade aus weiter entfernten Orten würde das Angebot geöffneter Geschäfte bis 18 Uhr möglicherweise gern zum familiären Einkaufsbummel angenommen. Mit parallel präsentierten Darbietungen von "Kleinkunst" könne man dies anreichern. "Es geht darum, etwas Nachhaltiges anzubieten, die Stadt ordentlich zu präsentieren, um die Kunden hierher zu holen", so Falk Majok-Bökelmann. Alexander Ehrke ergänzt: "Wir werden es probieren. Denn gar nichts zu tun, ist keine Option."

Der geplante Sommerschlussverkauf (SSV) mit dem Kassenbon-Gewinnspiel reiht sich dort ein. Der genaue Termin steht noch nicht fest, der August gilt als wahrscheinlich. Besucher wie auch Händler sollen davon profitieren, sagt der Citymanager. "Wir leben in Zeiten, in denen Solidarität gefragt ist", ergänzt er. Ob alle bzw. der Großteil der Einzelhändler am SSV teilnehmen, ist angesichts der Situation der letzten Monate noch nicht absehbar. "Es gibt sicher auch Händler, die sich Rabatte zum SSV nicht leisten können", vermutet Jan Dingfelder.

Die bestehenden Hygiene- und Abstandsregeln werden bei allen Vorbereitungen von Aktionen und Veranstaltungen selbstverständlich bis auf Widerruf jegliches Tun beeinflussen. "Wir brauchen keinen neuen Lockdown", sagt Alexander Ehrke. Unter diesen Voraussetzungen gehe man die Vorbereitung des traditionellen Bauernmarktes wie gewohnt an, auch wenn wegen der Vorgaben an dieser oder jener Stelle "abgespeckt" werden muss. Anzeichen, dass Händler sowohl für den Bauern- als auch den Weihnachtsmarkt absagen, gibt es offenbar bislang nicht. Aber natürlich sei es möglich, weil manche Entscheidung möglicherweise erst im Frühherbst fällt. "Wir geben unser Bestes, dass es da keine Einschnitte gibt", so Jan Dingfelder. "Aber wir können nicht in die Glaskugel schauen", fügt er nachdenklich hinzu.

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