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Händler-Mittag fast ein Ritual

Leer stehende Geschäfte, weniger Besucher, Einheimische, die in anderen Orten einkaufen – diesen Trend will die Stadt stoppen. Deshalb gab sie im Frühjahr eine Befragung von Einwohnern und Touristen in Auftrag, um deren Meinung beispielsweise zu den LadenÖffnungszeiten zu erfahren.

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Von Ute Himmer

„Als Rentner können wir uns die Zeit einteilen, wenn wir einkaufen gehen“, ist Gottfried Wünsche zufrieden. Deshalb stört ihn auch nicht, dass einige Stolpener Geschäfte eine Mittagspause einlegen. „Urlauber oder auch andere Stolpener können das allerdings anders sehen“, ist Wünsche realistisch. Und damit hat der Rentner ins Schwarze getroffen. Eine Befragung unter Touristen und Einwohnern, die die Stadt im Frühjahr in Auftrag gab und die am Montagabend im Stadtrat ausgewertet wurde, bestätigt Wünsches Vermutung.

Danach stoßen die Öffnungszeiten immerhin bei einem Viertel der Gäste auf Kritik. Die Gründe verteilen sich nach der Befragung ziemlich gleichmäßig auf drei Punkte. Zum einen wird bemängelt, dass die Läden am Wochenende geschlossen sind. Zum anderen werden die Mittagspausen als störend empfunden.

Schließlich sind einigen Besuchern die Geschäfte nicht lange genug geöffnet. Und die Auswärtigen stehen mit ihrer Meinung nicht allein. Das Thema Öffnungszeiten bekommt auch bei knapp einem Drittel der Einwohner schlechte bis sehr schlechte Noten.

Neulinge verderben

die „Tradition“

Für den Chef des Stolpener Gewerbevereins, Stadtrat Lutz Lietze (Wählervereinigung), ist dieses Ergebnis nicht ganz neu. „Wir haben vor Beginn der Saison versucht, die Zeiten ein bisschen besser hinzubekommen. Aber es ist uns nicht gelungen“, gibt er zu. „Bei einigen eingesessenen Gewerbetreibenden und Händlern ist die Mittagspause wie ein Ritual, das nicht gebrochen werden kann“, bedauert Lietze, der selbst Geschäftsmann ist. „Leute, die neu anfangen, gehen da schon mit anderen Vorstellungen ran“, ergänzt der Gewerbevereinschef. Sie haben dann aber mit einigen Vorurteilen der Kollegen zu kämpfen, wie Lothar Drechsler-Lorenz. Er hat seinen „Wohntraum Burgstadt Stolpen“ von montags bis sonnabends ohne Mittagspause geöffnet. „Damit bin ich bei anderen Geschäftsleuten nicht gut angekommen“, berichtet er über seine Erfahrungen. Er ließ sich jedoch nicht beirren, weil die Kunden die Geschenkartikel, die zu seinem Sortiment gehören, auch in dieser Zeit kaufen wollten.

Die Befragung gibt Drechsler-Lorenz Recht. Die Öffnungszeiten sind ein Potenzial, das in der Burgstadt weiter ausgeschöpft werden könnte. Für den Stolpener Bürgermeister Uwe Steglich (FDP), den Stadtrat sowie den Gewerbeverein heißt das, an dem Thema dranzubleiben. Schließlich soll die Stärken-Schwächen-Analyse der Befragung die Burgstadt ein Stück voranbringen.

Das schließt aber ein, möglichst von vielen Leuten die Meinung zu kennen. Das gibt aber die Befragung nicht her. Zum einen wurde der Fragebogen von mehr Touristen als Stolpenern ausgefüllt. Hier stehen 486 auf der Besucherseite und 244 bei den Einheimischen zu Buche. Außerdem beteiligten sich fast nur ältere Jahrgänge der Burgstädter. Die Gruppe unter 15 Jahre ist nur mit einem, die 15- bis 25-Jährigen sind mit drei Prozent vertreten. Das sind schon jetzt wichtige Konsumenten.

Deshalb soll Gerd Barthels Vorschlag aufgegriffen werden. Der CDU-Fraktionschef im Stadtrat forderte, die Frage-Aktion auch in der Schule durchzuführen.